Kambodscha und Singapur

Meine Zeit in Südostasien ist mittlerweile vorbei. Ich bin seit zwei Tagen in Japan, möchte aber noch berichten, wie die letzten beiden Wochen waren.

Zunächst einmal sind wir am 11. November von Da Nang (Vietnam) nach Siem Reap (Kambodscha) geflogen. Für mich der erste Flug nach 12 Wochen! Natürlich ging am Flughafen gleich was schief und die Airline hatte mich nicht auf der Passagierliste stehen. Nachdem ich ca. 30 Minuten am Checkinschalter stand, wurde dann aber auch dafür eine Lösung gefunden… also war ich nicht mehr vom Fliegen abzuhalten…

In Kambodscha/Siem Reap haben wir uns natürlich die Tempelanlagen von Angkor Wat angeschaut. Diese Tempel sind in einem Zeitraum vom 8. bis zum 13. Jahrhundert entstanden, als das sogenannte Khmer Reich seinen Höhepunkt erreichte.

Es hat Spaß gemacht, durch die Tempelanlagen zu laufen und diese zu erkunden. In manchen weniger frequentierten Tempeln fühlte man sich fast ein bisschen wie Indiana Jones oder Lara Croft in Toomb Raider (für Toomb Raider I wurde übrigens in Angkor Wat gedreht!).

Hier mal ein paar Eindrücke.

Khmer, das ist aber nicht nur der Begriff für eine Epoche in der Geschichte von Kambodscha. Khmer fast quasi vieles der kulturellen Errungenschaften Kambodschas zusammen: So heißt die Sprache und Schrift beispielsweise Khmer und es gibt typisches „Khmer Food“.

Auf keinen Fall ist das aber zu verwechseln mit der wohl dunkelsten Epoche in der (zumindest jüngeren) kambodschanischen Geschichte: Der Schreckensherrschaft der „Khmer rouge“. Die Khmer Rouge „waren eine maoistisch-nationalistische Guerillabewegung, die 1975 unter Führung von Pol Pot in Kambodscha an die Macht kam und bis 1979 das Land totalitär als Staatspartei regierte“. (aus Wikipedia) Während dieser Zeit, die nicht ganz 4 Jahre dauerte, kam über ein Drittel der damaligen Bevölkerung Kambodschas (3 Mio von 8 Mio Menschen) um. Viele Menschen wurden grundlos gefoltert und dann umgebracht, andere wurden in Arbeiterlager aufs Land verschleppt, wo viele Menschen verhungerten. Das schlimmste ist, dass vieles was in dieser Zeit in Kambodscha passiert ist, von der Weltbevölkerung damals nicht wahrgenommen wurde. Viel schlimmer noch: auch nach ihrem Sturz in 1979 wurden die Khmer Rouge noch 10 Jahre lang von vielen Staaten (unter anderem Deutschland) als offizielle Partei/Regierung von Kambodscha anerkannt. Der Genozid der damals geschah wird noch bis Heute aufgearbeitet (in den letzten Wochen gab es erst einige Verurteilungen dazu).

In Phnom Penh gibt es zwei Gedenkstätten, die sehr eindrucksvoll von dieser Zeit berichten: Das ehemalige Foltergefängnis „S21“ (eine ehemalige Schule) und die „Killing Fields“. Wir haben beides besichtigt und viele Berichte gelesen und gehört. Beide Orte wirken an sich ganz friedlich und es ist schwer zu erahnen, was dort schreckliches geschehen ist. (deswegen poste uch keine Bilder)

In Phnom Penh gibt es (ähnlich wie in Bangkok) aber auch noch einen Palast, den wir besucht haben. Kambodscha hat einen König, von dem übrigens alle munkeln, dass er schwul ist.

Grundsätzlich ist es aber auch Heute nicht sehr gut um die politische Situation des Landes bestellt. Es gibt zwar (neben dem König) auch noch eine Regierung, diese ist aber von keinem Land offiziell anerkannt. Die Regierung bestellt sich seit 30 Jahren aus der selben Familie und ist hoch korrupt.

Nach Kambodscha ging es für uns (wieder mit dem Flieger) weiter nach Singapur.

Singapur ist im Gegensatz zu den Ländern, die ich vorher besucht habe ein „entwickeltes“ Land – was es aber trotzdem nicht weniger spannend macht! Singapur ist sowas von divers!

Neben Chinesen, die in etwa 80% der Bevölkerung ausmachen, leben in Singapur viele Malaien und viele Inder. Neben der offiziellen Amtssprache, Englisch, ist alles auch in Chinesisch, Malai und Tamil (die südindische Sprache) beschriftet und wenn man sich durch die Stadt bewegt, kann man alle drei Sprachen hören (also ich kann es, da ich mittlerweile raus höre, wenn jemand chinesisch spricht ;)). Alle drei Ethnien leben in Singapur friedlich nebeneinander, vermischen sich aber (aus religiösen und traditionellen Gründen) eher selten.

Singapur ist natürlich das, was jeder erwarten würde: Eine moderne Megacity mit einem gigantischen Business-District und der weltbekannten Marina Bay mit dem Hotel Marina Bay Sands („Schiff“). Ein Großteil der Marina Bay und des Business Districts wurden übrigens durch Landgewinnungsmaßnahen erst bebaubar. Das heißt, dort wo heute Hochhäuser stehen und sich der gigantische Park „Gardens by the Bay“ befindet war vor 50 Jahren noch nichts als Meer.

Singapur hat darüber hinaus aber auch viele kleinere, charmantere Nachbaschaftsviertel mit etwas mehr Charme. Obwohl die verschiedenen Ethnien nun nach einem genauen „Schlüssel“ über die Stadt versteilt leben (es also quasi keine Ghettobildung gibt), existieren die ehemaligen Siedlungen von früher immer noch und haben eine ganz bestimmte Charakteristik. So gibt es zum Beispiel Chinatown, wo man viel chinesisches Essen erhält und die Lebensmittel, die man dort auf dem Frischmarkt findet, sind an die chinesische Speisekarte angepasst. Darüber hinaus gibt es auch noch „Little India“, ein muslimisches und ein malaiisches Viertel.

Bezüglich des Essens gibt es in Singapur eine Besonderheit, die mit gut gefallen hat: In jedem Stadtteil gibt es mindestens ein sogenanntes „Hawker Center“. Das ist wie eine große „Fressmeile“, in der sich allerhand Essensstände befinden. Man kann sich aussuchen, ob man gerne chinesisch, indisch, typisch „singapurisch“ oder etwas ganz anderes essen will- und das zu günstigen Preisen. Das Angebot ist so groß, dass die Auswahl teilweise echt schwer fällt.

Hier ein paar Eindrücke aus Singapur

Eine actionreiche Zeit in Vietnam

Vor mittlerweile fast zwei Wochen, am 29. Oktober habe ich schließlich China verlassen und bin nach Vietnam eingereist. Diesmal mit dem Bus. Im Gegensatz zu dem Nachtzug nach Hanoi, der ja für die nächsten 5 oder 6 Tage ausverkauft war, war der Bus weniger frequentiert und insgesamt war ich mit fünf anderen Reisenden, darunter zwei Deutschen, im Bus. Die Grenzüberschreitung ging daher relativ schnell und in Vietnam sind wir dann auch auf einen Minibus gewechselt.

Als ich auf dem Weg nach Hoi An aus dem Fenster schaute, fiel mir als einziger großer Unterschied zu China auf, dass ich plötzlich die Schrift lesen konnte. Als man in Vietnam nämlich um 1900 herum anfing, einer größeren Bevölkerungsgruppe das Lesen und Schreiben beibringen zu wollen, stelle man nämlich fest, dass das am sinnvollsten mit lateinischer Schrift ging – und so wurde damals „umgestellt“ von chinesischen Zeichen auf Lateinische Buchstaben (natürlich ergänzt um französische Accents, Accent-egus usw.). Die Straßen, Dörfer mit ihren kleinen Straßenständen und die Fahrzeuge wirkten ziemlich ähnlich.

In Hanoi angekommen habe ich aber feststellen müssen, dass die Vietnamnesen im Gegensatz zu den Chinesen ziemlich waghalsige Fahrer sind. Der Verkehr ist sowohl in Südchina als auch in Vietnam chaotisch – aber die Chinesen fahren (vermutlich aus Angst vor Unfällen) wenigstens verhältnismäßig langsam. Die Vietnamnesen drücken dagegen mal kurz auf die Hupe und preschen dann los. Es kam mir sogar noch schlimmer vor als in Indien.

Generell ist der Scooter oder das Motorrad DAS Verkehrsmittel: Es dient zum Transport von allem und wird natürlich auch dazu verwendet, sich drauf zu legen und ein Nickerchen zu machen. 😉

In Hanoi habe ich an meinem zweiten Tag Wolfgang getroffen und wir haben gemeinsam ein bisschen Sightseeing gemacht und in verschiedenen Museen etwas über die Geschichte Vietnams gelernt. Erstaunt hat mich dabei, wie sehr ich den Bogen spannen konnte vom Anfang meiner Reise in Russland bis nach Vietnam.

Die kommunistischen Ideologien des Staatshelden Ho Chi Minh orientieren sich stark an denen Lenins und nach der Erlangung der Unabhängigkeit nach Ende des Vietnamkriegs orientierte sich die Staatspolitik sehr an der Politik Russlands. Als beispielsweise Michael Gorbatschow in den 90er Jahren die Reformen zur Öffnung (Glasnost) und Restrukturierung (perestroika) auf die politische Agenda brachte, reagierte man in Vietnam darauf mit einer Wirschaftsreform. In Vietnam herrscht bis Heute noch eine Sonderform des Kommunismus vor, von der man aber als Reisender eher wenig mit bekommt.

Das Verhältnis von Vietnam zur früheren Imperialmacht China ist ziemlich spannungsgeladen, wohingegen das Verhältnis zu Frankreich sehr entspannt ist und sich auch das Verhältnis zur USA (nach dem Vietnamkrieg) wieder entspannt hat. Alles andere bitte googeln… 😉

Hier mal ein paar Eindrücke von Hanoi:

Vietnam ist das erste Land auf meiner Reise, in dem es wirklich so etwas wie eine Kaffeekultur gibt. Eine Spezialität aus Hanoi ist beispielsweise Caphe trung, ein Espresso mit Eischnee. Toll fand ich außerdem Caphe da, kalten Kaffee mit Kokosnussmilch… Beides ist nicht ganz kalorienarm aber dafür mega lecker.

ach knapp zwei Tagen in Hanoi ging es für uns beide weiter nach Cat Ba Island. Das ist eine Insel, die in etwa zwei Busstunden von Hanoi entfernt ist und direkt neben der weltbekannten Ha Long Bucht und ihrer etwas unbekannteren Schwester der Ha Lan Bucht liegt. Hier haben wir fünf Tage verbracht, an denen wir verschiedene Outdoor-Aktivitäten unternommen und die Insel erkundet haben. Ein Highlight war dabei ein zweitägiger Aufenthalt mit Übernachtung in der Ha Lan Bucht. Die Ha Lan Bucht ist weniger überlaufen als die Ha Long Bucht, außerdem leben hier noch die ursprüngliche aus der Region stammenden Fischerfamilien. Die Fischer wurden leider aus der Ha Long Bucht vertrieben, weil das „besser für den Tourismus“ ist.

Hier ein paar Bilder von den beiden Tagen in der Bucht und von Cat Ba Island

Nach dieser tollen Zeit auf der Insel (bei der ich übrigens beschloss habe, nächstes Jahr mehr Kletter-Urlaub zu machen 😉 ) ging’s weiter Richtung Süden. Diesmal, wie ganz am Anfang meiner Reise, mit dem Sleeper Bus. (und dieser Bus hatte wirklich sowas wie Betten)

Ziel der Nachtbusfahrt war Hue, das während der chinesischen Imperialzeit für ca. 150 Jahre als Hauptstadt diente. Viele Sehenswürdigkeiten und Monumente (teilweise nach dem Vietnamkrieg wieder aufgebaut) zeugen von dieser Zeit.

Nach Hue war es dann an der Zeit, ein bisschen Schwung in den Reisestil und ein neues Verkehrsmittel auf den Plan zu bringen. Bisher war ich unterwegs mit Bus, Zug, Taxi, zu Fuß, auf dem Pferderücken, mit Geländewägen und verschiedenen Rollern. Die Fahrt zur nächsten Destination Hoi An wollten wir auf dem Motorrad zurücklegen- als Sozius allerdings. Die Managerin von unserem Hostel in Hue stelle einen guten Kontakt zu sogenannten „Easy Ridern“ zur Verfügung, die uns auf ihren Motorrädern über den malerischen „Wolkenpass“ nach Hoi An fahren sollten. Inklusive Gepäck. Das hörte sich toll an!

Leider hatten wir nicht daran gedacht, dass Regenzeit war: An dem Tag, an dem die Tour statt finden sollte schüttete es frühs beim Frühstück wie aus Eimern und wir überlegten, ob es wirklich so eine gute Idee war, die Tour zu buchen… aber dann kamen zwei gut gelaunte Vietnamnesen an, packten uns und unsere Rucksäcke wasserdicht ein – und los ging’s… letztendlich würde das Wetter dann im Lauf des Tages auch besser und es war echt ein mega cooler Tag und eine tolle Tour.

In Hoi An, wo wir dann noch drei Tage verbracht haben, gab es dann auch einiges zu sehen. Die Altstadt ist noch sehr gut erhalten und gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Außerdem ist Hoi An die Stadt der bunten Laternen und besonders nachts sind die Straßen der Altstadt damit mega schön dekoriert und beleuchtet.

Außer Sightseeing machten wir in Hoi An auch einen Kochkurs. Nach einer Tour über dem Markt, bei der die Zutaten besorgt wurden, durfte jeder von uns selbst an einem eigenen Gasherd ein paar Leckerbissen kochen. Hier mal meine „Ergebnisse“ (mir hat es sehr gut geschmeckt):

Mittlerweile ist die Zeit in Vietnam aber auch schon zu Ende und vor ein paar Stunden sind Wolfgang und ich in Siem Reap, Kambodscha gelandet – womit für mich die „flugfreie“ Zeit jetzt auch vorbei ist.

Die nächsten Tage werden wir Siem Reap und vor allem Angkor Wat anschauen und dann geht’s auch schon weiter nach Phnom Penh.

Die letzten zwei Wochen in China

Mehr als 5 Wochen ist es jetzt her, dass ich nach China eingereist bin und vor zwei Wochen habe ich Simon in Hefei verabschiedet.

In den zwei Wochen habe ich Shanghai und Hongkong besucht. Außerdem war ich nochmal in Yangshou- diesmal zum Klettern.

Von Shanghai hatte ich mir bedeutend mehr erwartet, als es dann tatsächlich zu bieten hatte. Das lag vielleicht daran, dass ich ein bisschen reisemüde war und schon ziemlich „satt“ von dem vielen, was ich bisher erlebt hatte. Aber vielleicht lag es auch daran, dass meine Cochsurfing-Übernachtung sich als absoluter Flopp erwiesen hat oder daran, dass ich tatsächlich auf einen doofen Touristen-trick, den sogenannten „Teahouse scam“ herein gefallen bin (einfach mal googeln, ich will das jetzt nicht erklären). Die ganze Zeit über war ich aufmerksam gewesen, nicht auf irgendwelche Tricks und Touristenfallen herein zu fallen und gleichzeitig hatte ich versucht, mich ein bisschen zu öffnen und nicht allzu misstrauisch zu sein. Vermutlich ein Fehler. Außer dem Geld, was mich dieser Trick gekostet hat (knapp 50 Euro), hab ich natürlich auch einiges an Vertrauen verloren. Auf so einen Trick herein zu fallen ist natürlich auch beschämend und erniedrigend und kratzt schon ein bisschen am Traveler-ego. Ich habe auch überlegt, ob ich es überhaupt im Blog erwähnen soll, mich dann aber dafür entschieden – um zu zeigen, dass eben nicht immer alles glatt läuft. Was mir so ein bisschen über den „Schock“ hinweg geholfen hat, war die Tatsache, dass vor mir schon einige andere auf diesen Trick hereingefallen sind- teilweise auch erfahrene Traveller. Aber es hat bei mir schon ein bisschen gedauert, um das zu verdauen.

Shanghai hat daneben aber natürlich auch einige schöne Seiten zu bieten. Beispielsweise den „Bund“ mit seiner tollen, weltbekannten Skyline.

Von der einen (bekannten) Seite:

Von der anderen Seite

Der Shanghai Tower und die Gegend um den Tower

Den Yu-Yu Garden, der ganz im chinesischen Stil angelegt ist.

Außerdem habe ich in Shanghai ein paar Leute kennen gelernt, die ich dann in Hongkong wieder getroffen habe.

…und außerdem hab ich meine Haare schneiden lassen ;). Vorher/ Nachher:

Doch zwischen Shanghai und Hongkong lagen 18 Stunden Fahrt in einem Nachtzug, diesmal 3. Klasse. Ich war aber eigentlich ganz froh, mal wieder Nachtzug fahren zu können und habe mich (gefühlt) den ganzen Tag nur auf meiner Liege (die oberste von drei) gefläzt, mich ein bisschen auf Hongkong vorbereitet und ansonst nicht viel gemacht. Das ist finde ich das tolle an langen Fahrten im Nachtzug: Man macht einfach mal nichts… Klar ist das im Bus oder mit einem Sitzplatz im Zug ähnlich, im Nachtzug ist es aber bequemer und man hat bedeutend mehr Bewegungsfreiheit.

Nach Hongkong musste ich übrigens quasi reisen, weil die 30 Tage, für die ich das Visum hatte, langsam zu Ende gingen und ich das Land verlassen musste, um ein zweites Mal nach China kommen zu können (wieder mit 30 Tagen Visum).

Hongkong war ca. 150 Jahre lang eine britische Kolonie, gehört aber offiziell seit 1997 wieder zu China. Allerdings befindet sich Hongkong gerade in einer 50-jährigen Übergangsphase, in der es seine freie Marktwirtschaft, das sozial- und das Rechtssystem beibehalten darf – das sogenannte „one country, two systems“ Prinzip.

Hongkong-Chinesen sprechen kein Mandarin sondern Kantonesisch und verwenden noch die traditionellen chinesischen Schriftzeichen, die (noch) komplexer sind als die vereinfachten chinesischen Schriftzeichen, die im Mainland China verwendet werden (es gab eine Schriftreform unter Mao Zedong). Hongkong hat außerdem eine eigene Währung, den Hongkong-Dollar uuuuuuund das Internet ist nicht zensiert!!! In Hongkong mussste ich mich also ein paar Tage nicht mit dem nervigen vpn herum kämpfen. Viel wichtiger ist aber, dass die Bewohner Hongkongs einen freien Zugang zum Internet und westlichen Medien haben.

Außerdem hat die ganze Stadt ein ziemlich britisch- internationales Flair. Während der britischen Kolonialzeit sind Händler und Geschäftsleute aus allen möglichen Ländern nach Hongkong gekommen und geblieben, das merkt man. Und er herrscht übrigens Linksverkehr und alte, rote Taxis dominieren den Verkehr – very british!

Gut gefallen an Hongkong hat mir außerdem, dass es sehr grün ist: über 70% der Fläche sind Wälder und Berge – das meiste davon in den „New Terotorries“ an der Grenze zu China. Man kann also innerhalb Hongkongs eine tolle Tageswanderung haben oder an einem der Strände chillen und dann abends ein gutes Essen und/oder das Nachtleben der Millionenstadt genießen. A propos Essen: Es gibt alles! Von typisch kantonesischem Essen und Dim Sun bis hin zu Italienisch, Indisch, Burgern… Ähnlich ist es mit Lebensmitteln: Ich habe in einem Geschäft sogar eine original Ritter Sport, importiert aus Deutschland, gefunden. Natürlich hat alles auch seinen Preis, aber dafür ist man dann halt in Hongkong…

Hier mal ein paar Eindrücke

Essen

Victoria Harbour

Aussicht vom Victoria Peak

Temple Street Night Market

Man Mo Tempel

„Rundfahrt“ mit einer doppelstöckigen Tram

Ausflug zur Lamma Insel zum Wandern und Baden

Mit ein paar Bekannten in der Ozon Bar (angeblich die höchste Bar der Welt)

Hongkong Flair

Ich muss sagen, dass mir persönlich die vier Tage in der Stadt fast zu wenig waren. Hongkong bietet so eine Fülle an Möglichkeiten… Aber ich bin begeistert von dieser Stadt und sollte es sich mal ergeben, werde ich auf jeden Fall gerne (wieder) einen Zwischenstopp dort machen. Das würde ich übrigens auch jedem raten: Wenn ihr mal die Möglichkeit habt, ein paar Tage in Hongkong zu verbringen – unbedingt machen!

Nach Hongkong ging es für mich weiter bzw. eigentlich zurück nach Yangshou. Simon und ich hatten nämlich bei unserer Radtour in Yangshou Kletterer gesehen und seitdem juckte es mir in den Fingern… Dazu muss man sagen, dass Yangshou als eines der größten Klettergebiete in Asien gilt.

Ich hatte ein bisschen Bedenken, dass ich ohne Equipment und mit meinen „schlechten“ Skills Schwierigkeiten haben könnte, überhaupt zu Klettern zu kommen. Außerdem war das Wetter schlecht und ich hätte mir irgendwo in Shanghai oder Hongkong eine Erkältung geholt. Aber ich wollte es trotzdem versuchen – und wurde belohnt! Nach zwei etwas gechillteren Tagen hatte ich insgesamt drei schöne Klettertage, habe viele nette, entspannte Kletterer aus aller Welt kennen gelernt und bin jetzt wieder richtig „heiß“ aufs Klettern. Der coolste Tag war dabei der letzte Klettertag, an dem das Wetter richtig gut war und wir mit einer großen internationalen Gruppe gemeinsam am Fels waren. Es waren Leute aus den USA, Schweden, Frankreich, Spanien, England, Israel, Kanada, China und natürlich ich aus Deutschland mit am Fels. Das war nochmal ein schöner Abschluss für mich.

Als schöner Abschluss hat sich im Nachhinein auch mein letzter Tag in China heraus gestellt. Morgens am 28. 10. habe ich einen Zug von Yangshou nach Nanning genommen und wollte dann von dort am gleichen Abend noch weiter mit einem Nachtzug nach Hanoi, Vietnam. Aber der Zug war leider bis zum 1. 11. ausgebucht… Ich hab dann aber herausgefunden, dass es gleich am nächsten Tag Busse nach Hanoi gibt und mir ein Ticket gekauft. Nachdem ich auch noch ein Hostel für die Nacht gefunden hatte, hab ich mich auf den Weg zum Decathlon gemacht. Also ich wusste, dass es einen Decathlon in Nanning gibt und auch die chinesische Adresse hatte ich- aber trotzdem musste ich ja noch hin kommen… Insgesamt bekam ich dabei Hilfe von drei Chinesen: Die Hostel-Angestellte, die mit mir 20 Minuten auf der Straße stand, um ein Taxi zu bekommen; der Taxifahrer, der nach ca. 15 Minuten Fahrt einfach partout kein Geld nehmen wollte und sogar ausstieg, um mir sehr umschweifend etwas zu erklären (was ich leider nicht verstand) und der Portier von dem Gebäude, bei dem ich schließlich raus kam. So viel Hilfe und Gastfreundschaft hatte ich noch in keiner chinesischen Stadt! Und irgendwie hat das ein bisschen für den doofen Touristen-Trick entschädigt. Für mich war es jedenfalls ein schönes Abschluss-Erlebnis.

Ein paar Bilder vom Decathlon und von Nanning (nein, die Mütze hab ich nicht gekauft ;))

Jetzt sitze ich in dem erwähnten Bus nach Hanoi. Die Grenze und damit China liegen hinter mir. Morgen, am 30. 10., treffe ich Wolfgang, meinen nächsten Reisepartner, der sich gerade noch auf dem Weg nach Vietnam befindet. Gemeinsam werden wir Vietnam, Kambodscha und Singapur bereisen und ja – ich werde wohl zum ersten Mal auf meiner Reise fliegen.

Der Süden Chinas – es wird wieder wärmer!

Gerade sitze ich im Zug nach Hefei und habe laute Musik auf den Ohren. Die Dame hinter mir isst nämlich so geräuschvoll, dass es mir beim Zuhören sonst ein bisschen schlecht wird…

Dabei habe ich mich bisher finde ich ganz gut geschlagen und den Anblick von Tierherzen, Tierleber und sonstigen zum Verkauf angebotenen toten und untoten Tieren und Tierbestandteilen ausgehalten. Eine kleine Auswahl, was man in China so isst: Schildkröten, Frösche (Bullfrogs), sämtliche Teile von Geflügeln inklusive Entenhirn, das man selbst aus dem Schädel pulen darf, Entenfüße, fermentierte Eier („tausendjährige Eier“) und natürlich alle Sorten von fermentierten Tofu (wobei der Tofu wenigstens vegetarisch ist). Hier würde ich gerne der Fantasie freien Lauf lassen und füge deshalb keine Bilder an…

Tatsächlich sind Simon und ich in den letzten Wochen ganz gut und ohne größere Fauxpas durch dieses Angebot an Essbarem gekommen. Einmal hatten wir versehentlich fermentierten Tofu bestellt und immer wieder haben wir „chopped Chicken“ – also Hühnchen mit Knochen (und einmal auch mit nem kompletten Kopf) erwischt und mussten kiefen.

Mehr über chinesische Lebensmittel und Zutaten durften wir außerdem in Chengdu bei einer Market-Tour mit anschließendem Kochkurs lernen. Hier mal ein paar Bilder.

Außerdem haben wir in Chengdu ein paar überzeugte Vegetarier besucht: Wir waren in der Giant Panda Breeding Reserve. Hier werden seit ca. 1975 Pandas gezüchtet, herangezogen und gehalten. Dies wurde notwendig, um dem sukzessiven Aussterben der bedrohten Tierart etwas entgegen setzen zu können – wobei die Population in der Breeding Base derzeit noch zu gering ist, um sowas wie Auswilderungsversuche zu starten.

Pandas pflanzen sich normalerweise sehr langsam fort: Die Weibchen sind nur wenige Tage im Jahr überhaupt fruchtbar. Wenn Sie schwanger werden und gebähren, gebähren sie meist Zwillinge, von denen aber in freier Wildbahn meist eines wieder verstoßen wird.

Bedenkt man das und die Tatsache, dass die natürlichen Lebensräume der Pandas immer mehr durch die immense Bautätigkeit (nicht nur in China) reduziert werden, ist klar, warum diese Tierart vom Aussterben bedroht ist.

Jetzt aber mal ein paar Panda-Fotos

Nach Chengdu ging es für uns weiter nach Guilin. Während es für uns in Chengdu bei ca. 20°C schon angenehm warm war (in Langmusi hatten wir ja teilweise unter 0°C), wurde es dann dort mit ca. 30°C nochmal richtig sommerlich!

Die Gegend um Chengdu ist für ihre Karstlandschaft bekannt, durch die sich verschiedene Flüsse (am bekanntesten der Li River) schlängeln. Außerdem gibt es in Gulin vier Seen, die ziemlich schön mit Uferpromenaden angelegt sind.

Während unserer Zeit in Guilin haben wir eine nächtliche Bootstour durch diese Seen sowie einen Ausflug ins nahe gelegene Yangshou und dort eine Fahrradtour gemacht.

Außerdem haben wir von Guilin aus auch einen Ausflug zu den Longji Reisterassen gemacht. Dabei handelt es sich quasi um eine Ansammlung von Dörfern, um die herum auf (sehr malerischen) Terassen Reis angebaut wird. Von A nach B kommt man dort am besten zu Fuß und auch unser Hostel war nur über einen 40-minütigen Fußmarsch zu erreichen. Also haben wir unsere großen Rucksäcke in Guilin gelassen und sind mit kleinem Gepäck los gezogen.

Die Landschaft war einfach faszinierend. Hier mal ein paar Eindrücke

Die Reisterassen sind scheinbar eine ziemliche Attraktion in China und so war auch nach der „Golden Week“ ziemlich viel los. An allen markanten Stellen standen Chinesen und machten Fotos (vorzugsweise Selfies). Wir wurden oft gefragt, ob wir ein Bild mit jemandem machen wollen. Allerdings ist es uns auch immer wieder gelungen, den Menschen zu entfliehen- so zum Beispiel bei einer längeren Wanderung zwischen den beiden Dörfern Dazhai und Ping An.

Die schöne/ faszinierende Landschaft und das angenehme Wetter haben mir sehr gut gefallen und insgesamt habe ich mich sehr wohl gefühlt – vielleicht auch weil mich diese Landschaft implizit ein bisschen an die Weinberge daheim erinnert hat ;)?!

Ob „Fremde“ wohl beim Anblick der stark flurbereinigten Landschaft eine ähnliche Faszination erleben, wie wir bei den Reisterassen? Ich denke schon – und werde versuchen, diese tolle Lanschaft (die ja meine Heimat ist) zukünftig mit noch etwas anderen Augen zu sehen.

Ein bisschen „gestärkt“ von dem tollen Wetter und den schönen Landschaften (Natur!) fahren wir nun nach Hefei. Simon wohnt dort und muss am Montag wieder arbeiten. Wir lassen unsere gemeinsame Reise dort gemeinsam ausklingen und ich fahre dann Morgen (am Sonntag, 14. 10.) gleich weiter nach Shanghai, wo mich meine erste Couchsurfing-Gastgeberin erwartet.

Angekommen in China

In der Nacht vom 20. auf den 21. September (nach genau einem Monat unterwegs) bin ich nach China eingereist und bin nun schon seit fast zwei Wochen in China.

In der Zeit habe ich mit Simon, den ich in Xi’an getroffen habe, ein paar sehr unterschiedliche Seiten des Landes kennen gelernt.

Mein erster Stopp (noch alleine) war Datong. Dort wollte ich mir, wie erwähnt, eigentlich ein hängendes Kloster ansehen. Da das aber geschlossen hatte, gönnte ich mir erst mal ein bisschen Ruhe. Die Einreise war relativ anstrengend, weil ich zweimal über 4 Stunden am Bahnhof warten musste.

Das erste Mal wartete ich mitten in der Nacht nach der Einreise, die diesmal über einen Schalter statt fand, am Bahnhof von Erlian zusammen mit hunderten anderen Reisenden (Touristen wie ich), die mit mir im Zug nach Peking saßen. Diese Wartezeit war der „Umspurung“ des Zuges geschuldet: Die Schienenbreite in der ehem. Sowjetunion ist eine andere als die in China (bzw. soweit ich weiß dem Rest der Welt). Das heißt, der gesamten Zug mit dem bestimmt 15 oder mehr Waggons musste an die neue Breite angepasst werden. Dafür mussten die Passagiere raus und es durfte auch niemand zuschauen.

Also saß ich da und wartete…

Lustigerweise hatte ich unterwegs ein paar andere Gruppen (u.a. drei Frauen aus England) kennen gelernt, die ich immer wieder am oder im Zug traf. Das machte das Warten dann weniger langweilig.

Die Passagiere, die bis nach Peking fuhren hatten nach der Weiterfahrt bis ca. 15 Uhr Zeit, sich auszuschlafen – aber ich hatte mich dazu entschlossen, den Zug schon in Jining in der Inneren Mongolei zu verlassen. Um 6 Uhr morgens nach 4 Stunden Schlaf oder so. Die Weiterfahrt nach Datong sollte gegen 11 erfolgen. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich am Bahnhof evtl. einen Kaffee und irgendwelches Gebäck bekommen könnte – aber das war nicht so einfach. Und so wartete ich, mega müde, über 4 zähe Stunden und verschlang dabei meinen gesamtem restlichen Proviant (viel zu viel Snickers und noch dazu Ersnussbutterbrot 😉 ). Nach einer Überdosis an Ernussbutter lernte ich erfreulicherweise ein Paar aus den Niederlanden kennen, die auch nach Datong wollten. So hatte ich wenigstens etwas Unterhaltung…

In Datong machte ich wie gesagt erstmal nen ruhigen. Am nächsten Tag schaute ich mir noch den Huayan Tempel in der „Altstadt“ an.

Wobei das Wort Altstadt hier nicht wirklich zutrifft: Wie das in vielen chinesischen Städten der Fall ist, wurde die gesamte Altstadt abgerissen und wieder „wie alt“ aufgebaut. Da in der Region, wie eben in vielen anderen Regionen auch, früher intensiv Kohle abgebaut/verarbeitet wurde, ohne darauf auf die Umwelt zu achten, war die ursprüngliche Altstadt komplett mit Kohlestaub überzogen und nicht mehr ansehnlich. Und anstatt zu renovieren wurde eben abgerissen und wieder neu gebaut. „Illogical for sure, but this is China.“ schreibt dazu der Lonely Planet. Christoph Rehage dessen Buch „The longest way“ ich gerade lese (übrigens sehr empfehlenswert!), kommentiert das mangelnde Umweltbewusstsein und die „blinde Bauwut“ der Chinesen mit ähnlichem Unverständnis.

Jetzt aber trotzdem mal ein paar Bilder von der „Altstadt“ und dem Tempel:

Nach einem guten Tag in Datong ging’s für mich dann auch schon wieder weiter: Mit dem Nachtzug nach Xi’an.

Dort traf ich mich dann mit Simon und wir schauten uns erstmal die Stadt, und insbesondere die Stadtmauer an. Die Stadtmauer ist eine der wenigen vollständig erhaltenen in China. Sie wurde 1370 in der Ming Dynastie gebaut – wobei die Mauer natürlich zwischenzeitlich renoviert und teilweise wieder aufgebaut wurde.

Am Abend gingen wir dann noch ins Muslim Quarter. Als ehemaliger Endpunkt der Seidenstraße ist Xi’an ein Schmelztiegel der Kulturen und Religionen und hat auch eine große muslimische Bevölkerung. Früher war das muslimische Viertel wohl auch bekannt für die dort verkauften kulinarischen Spezialitäten. Mittlerweile ist es wohl eher ein bisschen in Richtung einer Streetfood-Fress-Meile mutiert. So war zumindest unser Eindruck, als wir uns zwischen den verschiedenen Ständen durchprobiert haben.

In Xi’an (bzw. eigentlich ein paar km entfernt von der Stadt) hatten wir am nächsten Tag noch DIE Sehenswürdigkeit vor uns: Die Terakotta Armee.

Vor über 2000 Jahren wurde diese Armee für Qin Shi Huang, den ersten Herrschers der China vereint hat, gebaut. Qin Shi Huang erwartete wohl, dass seine Herrschaft im Jenseits weitergeht und lies sich deshalb eine massive Armee aus Terakottafiguren bauen und sie quasi im Untergrund verstecken. Das tragische daran war, dass er die Arbeiter, die die Figuren machten gleich mit begraben lies (vermutlich weil niemand wissen sollte, wo sich diese Armee befindet). Die Arbeiter hinterließen aber ihre Spuren: Sie gaben den Figuren ihre Gesichter und auf manchen Figuren sind auch Signaturen der Arbeiter zu finden. So ist jede Figur ein Unikat. Entdeckt wurde die Armee übrigens erst 1974 eher zufällig von einem Bauern. Die meisten der Figuren würden im Laufe der Zeit zerstört, da quasi die Decke über den versteckten Räumlichkeiten einstürzte. Der Großteil der Figuren musd somit noch ausgegrabenen und wieder zusammen gebaut werden. Das kann noch bis zu 70 Jahren dauern. Also könnte ich quasi zu meinem 100. Geburtstag wieder nach Xi’an gehen und mir die vollständige Armee anschauen 😉

Während unserer Zeit in Xi’an besuchen Simon und ich außerdem noch das Tang Dinasty Theater, wo traditionelle Musik und Tänze aus der Tang Dynastie aufgeführt wurden.

Außerdem ließen wir uns zu einer traditionellen chinesischen Massage hinreißen. Für mich einmal und nie wieder: 60 Minuten lang wurden wir „malträtiert“ und ich musste mehrmals die Zähne zusammen beißen…

Nach Xi’an stand für uns ein Ausflug in die ehemals tibetische Region Amdo auf dem Plan. Einerseits hofften wir hier den Horden der „Golden Week“- Touristen zu entfliehen (in der ersten Woche im Oktober hat ganz China frei und ist unterwegs), andererseits war es eine willkommene Abwechslung zu den großen Städten.

Die ganze Region, die wir besucht haben war sehr hoch (ca. 3.000m und teilweise höher) gelegen und die Landschaften muteten schon vom Bus- Fenster aus leicht alpin an.

Zunächst waren wir für zwei Tage in Xiahe (Region Gansu), einer kleinen Stadt mit in etwa 65% tibetischer Bevölkerung. Xiahe ist insbesondere bekannt für das Labrang Kloster, in dem auch Heute noch 2.000 Mönche leben. Im Höhepunkt, vor der chinesischen Kulturrevulution, waren es fast 4.000 Mönche. (Kulturrevulution bitte googeln, das zu erklären wäre zu umfangreich. Ganz knapp erklärt, hat der Machthaber Mao in seinen letzten „Atemzügen“ im Amt, ca. um 1966, erklärt „Weg mit allem Altem!“, da er ein „Abrutschen in den Kapitalismus“ befürchtete. Die Kulturrevulution führte zu einer Zerstörung von Kulturschätzen, Vertreibung und Flucht von Intellektuellen, Zerstörung von Klöstern und vielem mehr.)

Die Klosteranlage des Labrang Kloster umfasst unter anderem eine 3 km lange Kora (Pilgerweg) mit Gebetsmühlen. Hier sind zu jeder Tageszeit Gläubige (nicht nur Mönche) zu treffen, die den Weg hinter sich bringen. Aber nicht nur das: Viele Gläubige praktizieren auch eine Art religiöse „Niederwerfung“ die fast so wirkt wie ein Ganzkörperworkout.

Wir haben natürlich das Kloster besichtigt und auch einmal den Pilgerweg absolviert. Außerdem haben wir kleinere Wanderungen in der Gegend um Xiahe gemacht.

Nach Xiahe ging es für uns weiter nach Langmusi, einer kleinen Stadt an der Grenze zwischen den Staaten Gansu und Sichuan. Auch Langmusi liegt im Gebiet Amdo und hat einen hohen Anteil tibetischer Bevölkerung. Außerdem ist es bekannt für die Trekking und Horse-Trekking Möglichkeiten, die es zu bieten hat.

An unseren ersten beiden Tagen machten wir mehrere Wanderungen um Langmusi herum. Ein Highlight hierbei war eine Begegnung mit Mönchen, auf einem „roten Fels“ über der Stadt. Als einer der Mönche sah, dass ich eine Kamera dabei hatte, startete er spontan ein Fotoshooting – mit sich als Model ;).

Bei einer weiteren Wanderung, diesmal durch ein ziemlich malerisches enges Tal, wurden wir von einer Gruppe Tibetern zum Tee eingeladen. Sie hätten uns wohl auch noch zu einer Nudelsuppe eingeladen, aber wir wollten die Gastfreundschaft (und unsere Mägen) nicht so sehr strapazieren.

Ein weiteres Highlight für mich war, dass ich zum ersten Mal einen Hot Pot probiert habe. In der Mitte des Topfes befinden sich heiße Kohlen und außen am Rand ein Sud in dem alle möglichen Leckerbissen schwimmen (Pilze, Kartoffeln, Rüben, Kohl, Tofuwürfel, Fleisch, Nudeln, Fleischbällchen…). Gegessen wird das ganze mit verschiedenen Soßen/ Dips.

Nach den zwei etwas ruhigeren Tagen in Langmusi ging es dann (auch) für uns auf einen 3-tägigen Horse-Trek. Während des Treks war es geplant, dass wir bei einer traditionellen Nomadenfamilie (mit im Zelt) schlafen und etwas von ihrem Leben mitbekommen. Die Anregung dafür, sowas zu machen habe ich von einem Blog bekommen. Hier wird ziemlich genau beschrieben, wie der Trek abläuft und wie das tägliche Leben der Nomaden aussieht (gibt auch ein echt tolles Video – da unbedingt mal drauf klicken!):

Auf´s Pferd gekommen- Pferdetrekking in Langmusi

Bei uns (außer Simon und mir noch ein US – Tschechisches Paar, das in Beijing lebt) war es ähnlich geplant – nur leider pfuschte uns am ersten Tag das Wetter ein bisschen rein: von anfänglichen schätzungsweise +5°C änderte sich das Wetter auf gut unter 0°C und starken Schneefall. Unser Guide machte schon länger Mittagspause mit uns – in der Hoffnung, dass das Wetter vielleicht besser wird. Aber es half alles nichts und so ging es in Ponchos gehüllt wieder aufs Pferd- für ein paar der kältesten Stunden meines Lebens… Es war wunderschönen und ich fühlte mich wie mitten in einem Fantasy- Film (oder vielleicht GOT 😉 ). Aber es war eben auch total kalt. Der Schnee wurde uns ins Gesicht und teilweise unter den Poncho geblasen, das schlimmste waren aber die Füße, weil der Schnee direkt darauf liegen geblieben ist.

Nach gut zwei Stunden (gefühlt wie vier Stunden) kamen wir bei unserer Unterkunft (dem Nomadenzelt) an und uns war nur noch nach Wärme… Wir kauerten um den Ofen, der nur mit Yak-Dung beheizt wird und versuchten irgendwie wieder warm und trocken zu werden. Selbst unserem Guide war es zu kalt. An ein „Mithelfen“ im Alltag, war für uns erstmal nicht zu denken – zumal dieser Alltag durch das Wetter ganz schön durcheinander gewürfelt wurde.

Aber es wurde besser. Am nächsten Tag blieben wir ziemlich lange im Zelt bis der Schnee zu schmelzen begann und konnten dann einen „Austritt“ zu dem Berg, der das eigentliche Tagesziel war, machen.

Abends konnten wir der Frau des Hauses beim Wasser holen helfen und sahen dabei zu wie die Fans eingetrieben und angeleint wurden.

Am letzten Tag war das Wetter am besten und wir konnten bei Sonnenschein zurück nach Langmusi reiten.

Insgesamt konnten wir in den 2 1/2 Tagen dann doch einiges vom Leben der Nomaden mitbekommen. Es ist besonders die Frau, die die Arbeit macht und sich um die Tiere kümmert, diese melkt und den Dung trocknet (das war bei uns so und ist wohl auch die Regel). Dafür steht sie frühmorgens auf und ihr Arbeitstag dauert bis nach Sonnenuntergang alle Tiere wieder zurück am Zelt sind und Abendessen gekocht ist.

Anders als bei der Tour durch die Mongolei lebten wir wirklich zusammen mit dem Ehepaar in deren Zelt und bekamen so alles hautnah mit (unser Guide war übrigens der Herr des Hauses, die Kinder sind ausgezogen, um zu studieren). Auch essenstechnisch würde für uns keine große „Extrawurst“ gemacht. Zu essen gab es hauptsächlich Gerichte, die auf viel Gemüse, viel zu viel Öl und vielleicht einem kleinen bisschen Dörrfleisch bestanden. Als Beilage gab es oft Fladenbrot. Da es in den Zelten keine Kühlmöglichkeit gibt und auch nicht jeden Tag jemand einkaufen kann, gibt es keine Lebensmittel, die einer Kühlung bedürfen (z.B. Fleisch). Simon und ich haben auch vermutet, dass Fleisch vielleicht einfach auch zu teuer ist.

Es ist ein sehr einfaches und auch mega tristes Leben, das wir miterleben durften, und wir freuen uns, dass wir nach diesem kurzen Einblick zurück kehren können zu fließend Wasser, Strom aus der Steckdose und beheizten Räumen.

Apropos beheizt: so richtig beheizt waren die Schlafräume in den Hostels in Amdo nicht. Dafür war jedes Bett mit einer Heizdecke ausgestattet, so war es unter der Decke schön warm, wenn man abet das Bett verlassen hat: brrrr…

Gerade befinden wir uns aber schon wieder auf dem Weg zu unserem nächsten Stopp Chengdu, wo wir nach über 9 Stunden Fahrt ankommen werden. In Chengdu ist es nicht nur rund 10 Grad wärmer als zB in Langmusi, wir haben uns jetzt auch mal ein Hotel (mit Pool, Sauna und Frühstück 🙂 ) genommen. Dort können wir uns ein bisschen von den nicht gerade gemütlichen letzten Tagen erholen.

Update: Mittlerweile sind wir in Chengdu und die Fahrt hat nicht 9, sondern 13 (!) Stunden gedauert – es ist eben „Golden week“. Heute haben wir den ganzen Tag im Hotel verbracht. Mal sehen, wann wir uns hier wieder raus trauen… 😉

Mongolei – schöne, weite Landschaften und viele „bumpy roads“

Letzte Woche, am 13. September, bin ich in Ulaanbator (UB) angekommen, der Hauptstadt der Mongolei. Die Grenzkontrollen haben diesmal gut vier Stunden gedauert (Ausreise aus Russland und Einreise in die Mongolei). Allerdings kam der Zug schon um kurz vor 20h an der Grenze an – sodass um Mitternacht alles vorbei war.

Angekommen in Ulaanbator habe ich mich das erste Mal wirklich wie in Asien gefühlt. Geografisch war ich ja zu dem Zeitpunkt ja schon seit 2 Wochen in Asien. In UB sahen aber die Menschen zum ersten Mal auf meiner Reise richtig asiatisch aus, es gibt dort außerdem buddhistische Klöster und Tempel und immer mal wieder sieht man chinesische und koreanische Schriftzeichen.

Die erste Veränderung konnte ich aber schon viel früher, nämlich in Irkutsk, erkennen: Die 22-stündige Fahrt nach UB verbrachte ich in einem mongolischen Zug mit mongolischem Zugpersonal.

Die Mongolei ist mit ca. 3 Millionen Einwohnern und einer Fläche von ca. 1,6 Mio km2 (4,5 mal so groß wie Deutschland) das am dünnsten besiedelte Land der Erde – ganz im Gegensatz zu China (meinem nächsten Land). Die Mongolei hat eine eigene Sprache, es wird aber die Kyrillische Schrift verwendet. Das kommt daher, dass Russland in den 1930/1940er Jahren der Mongolei geholfen hat, die Unabhängig von China (Mandschurei) zu erlangen. Ein Teil der „traditionellen“ Mongolei ist aber weiterhin Staatsgebiet Chinas: die Innere Mongolei ist ein Staat in China, in dem die Bewohner tendenziell eher die mongolische als die chinesische Kultur „verfolgen“. Die Stimmung zwischen der Mongolei und China ist (deshalb) etwas angespannt, wohingegen Russland als sowas wie der „große Bruder“ gesehen wird – trotz der negativen Effekte die die Adaption des Kommunismus von Russland für die Mongolei gebracht hat. Beispielsweise wurden viele buddhistische Klöster damals zerstört, die Mönche umgebracht oder verfolgt. Die Religion kehrte aber nach der Demokratisierung (ca. um 1990) langsam wieder zurück. Russland und die Mongolei unterstützen sich aber auch gegenseitig im 2. Weltkrieg gegen Deutschland (in Russland) bzw. gegen Japan (in der Mongolei).

Die Mongolei ist auch das Land von Dschingis Khan. Ihm gelang es, um 1200 herum, alle verschiedenen Mongolenstämme zu einen und ein Weltreich zu erobern, das fast die Hälfte der gesamten Landmasse der Welt umfasste. Das Reich hatte aber nicht lange Bestand und zerfiel schnell in der Hand seiner Nachfolger (Söhne, Enkel). Viele von ihm eingeführten Strategien der Kriegsführung oder auch des Zeltbaus hatten aber noch länger, zeitweise sogar bis Heute, Bestand. (Wer noch mehr wissen will – einfach mal googeln) Die Mongolen sind Heute noch stolz auf diesen großen Vorfahren – aber die Mongolei hat mehr zu bieten, als nur das.

Das Land ist ein Land der Nomaden. In etwa 30% der Bevölkerung leben Heute immer noch als Nomaden und erziehlen ihre Haupteinkünfte mit ihren Viehherden (Schafe, Ziegen, Kühe, Pferde, Kamele). Die restliche Bevölkerung hat sich in der Stadt niedergelassen – teils in Wohnungen, teils in Jurtem (wer sich noch keine Wohnung leisten kann).

Da es schwer ist, die Mongolei individuell zu bereisen, hatte ich eine 6-tägige Tour durch bzw. in die Wüste Gobi gebucht – mit Übernachtungen bei Nomadenfamilien. Für mich war es, nach fast 4 Wochen reisen, eine willkommene Abwechslung, mal nichts organisieren zu müssen.

Unsere Gruppe bestand aus insgesamt 6 „Touris“: Einem Paar aus den Niederlanden, einem französischen Paar, einer Deutschen, die aber nach Australien ausgewandert ist, und mir. Das vereinfachte die Verständigung erheblich… Außerdem wurde unsere Gruppe begleitet von zwei Fahrern (wir hatten zwei Busse), einer Köchin und unserem Guide Tiggy (eine junge Mongolin, die neben ihrem Medizin(!)studium als Guide arbeitet – und einen meeega guten Job macht).

Tiggy erzählte und erklärte uns viel über die Mongolische Kultur, das Nomadentum aber auch über die Probleme und Herausforderungen des Landes (insbesondere Korruption, Arbeitslosigkeit und ein sehr niedriges Lohnniveau). Nach nur einer Woche habe ich echt das Gefühl, einen guten Einblick „in die Mongolei“ erhalten zu haben.

Wenn ich schreibe, es war angenehm, nichts organisieren zu müssen meine ich damit aber nicht, dass die Tour bequem war. Es gibt nur wenige, sternförmig von Ulaanbator aus verlaufende, befestigte „Hauptstraßen“, dh wir legten einen Großteil der Strecke „Offroad“ auf „bumpy roads“ zurück – und das teilweise 5-6 Stunden am Tag. Die wunderschöne, weite Landschaft und die verschiedenen „Natursehenswürdigkeiten“ haben aber dafür entschädigt (Fotos weiter unten). Untergebracht waren wir in klassischen Nomadenjurten („Ger“), die meistens direkt neben der Jurte der Gast-Familie aufgestellt waren.

Dort gab es kein fließendes Wasser und die Toiletten waren etwas einfachere Plumpsklos (zwei Bretter über einem Loch und außenrum sowas wie ein Häuschen). Sowas wie eine Matratze hatte ich einmal (in 5 Nächten) und eine Dusche (in einer größeren Stadt) gab es an Tag 5. So bestand die Hygiene eben hauptsächlich aus Feuchttüchern. Da kam mir zugute, dass ich glaube ich nicht so pingelig bin und auch mal damit leben kann, nicht ständig frisch geduscht zu sein (kommt einem übrigens beim Reisen grundsätzlich sehr entgegen).

Die Mongolei ist, landwirtschaftlich gesehen, ein eher karges Land – und so basieren die meisten Gerichte auf viel Fleisch (mit viel Fett und vor allem viel Schaf- und Ziegenfleisch), Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und verschiedenen Kohlsorten.

Wenn man unterwegs ist kommt man immer wieder an riesigen Viehherden vorbei. Die Schäfer sind oft mit dem Motorrad unterwegs, um die Tiere (zusammen) zu treiben.

An meinem ersten Abend (noch in Ulaanbator) war ich mit zwei Engländerinnen, die ich im Hostel kennen gelernt habe, essen. Traditionell Mongolisch. Und es war massig, fleischig, fettig…

Auf der Tour wurde dann etwas „westlicher“ gekocht (weniger Fleisch, mehr Beilagen). Aber trotzdem denke ich, dass ich in der einen Woche in der Mongolei bedeutend mehr Fleisch gegessen habe, als ich in einem Monat daheim essen würde – aber auch das gehört für mich zum Reiseerlebnis dazu.

Unter anderem gab es an einem Abend „mongolian Barbecue“. Hierbei werden in einen großen Topf (in dem sich unten ein bisschen Wasser befindet) abwechselnd heiße Steine und Fleisch (bei uns war es natürlich Schafsfleisch) eingeschichtet. Obendrauf kommt eine Schicht Gemüse.

(das hat also rein gar nichts mit der gleichnamigen gastronomischen Einrichtung in Kitzingen gemeinsam 😉 )

Wenn wir nach einem Tag unterwegs bei einer neuen Gastfamilie ankamen, gingen wir (meistens) zunächst im das Ger der Gastgeber, um diese zu begrüßen. Dort bekamen wir oft den traditionellen Milchtee (ein etwas salziger Tee mit viel Milch und ein bisschen Kräutern bzw. Teegewürzen zubereitet), Schnupftabak und einmal auch vergorene Stutenmilch angeboten. Meistens gab es dazu auch noch irgendwelche Kekse o.ä.. Der Milchtee war meistens gut, die Stutenmilch schmeckte mega eklig – ein bisschen wie flüssiger Fetakäse, der aber über der Zeit ist.

Was mir an der Mongolei besonders gefallen hat, waren die schönen weiten Landschaften, aber auch die Vielseitigkeit der Landschaft, der wunderschöne Sternenhimmel (ohne die Lichtverschmutzung) und die Gastfreundlichkeit der Menschen. Wir hatte eine super Gemeinschaft in der Gruppe und mit unserem Guide Tiggy – sodass es ein bisschen komisch war Tschüss zu sagen und erstmal alleine weiter zu reisen.

Übrigens hatten wir auch mega Glück mit dem Wetter und durchgehend Sonnenschein. Nur am ersten Tag war es ziemlich kalt, an dem darauf folgenden Tagen war es mild und teilweise sogar T-Shirt Wetter.

Jetzt noch ein paar Fotos von der Tour:

Khugnu Khan Mountains

Pferderitt (ja, auch ich durfte mal aufs Pferd)

Kloster in den Khugnu Khan Mountains

Aussicht vom Kloster

Pferde im Abendlicht

Unsere Busse – auch im Abendlicht

Ongi Kloster

Ruinen des Ongi Kloster (es war mal eines der größten in der Mongolei)

„Flamming Cliffs“ – hier wurden Eier und Knochen von Dinosauriern gefunden

Kamelherde (Im Hintergrund die Bergkette „Gobi three Beauties“)

Khongor Sand Düne

Sonnenuntergang auf der Düne

Kamelritt

Vor dem Ritt

„Mein“ Kamel

Yol Valley

Kleine Steinfigürchen (Souvenirs), gesehen im Yol Valley

White Stupa

White Stupa

White Stupa

Wenn ich übrigens die Wahl hätte, würde ich noch ein paar Tage länger in der Mongolei bleiben, um z.B. bei einer Wanderung noch ein bisschen mehr von der Natur mitzubekommen (auf der Tour haben wir doch recht viel Zeit im Bus verbracht).

Aber für mich geht es am 20. September (nach genau einem Monat unterwegs) weiter nach China. Am 21. September komme ich in Datong an, wo ich mit eigentlich ein Kloster, das in eine Felswand gebaut ist anschauen wollte. Das Kloster wird aber gerade renoviert. Also werde ich wohl die Zeit in Datong etwas ruhiger angehen und mir die Zeit nehmen „in China anzukommen“. Denn danach geht es weiter nach Xi’an, was für die Terakotta- Armee bekannt ist. Auf Xi’an freue ich mich aber nicht nur deswegen – sondern auch, weil ich dort Simon (einen ehemaligen Studienkollegen) treffe, mit dem ich einige Wochen durch China reisen werde.

Ich persönlich würde mich übrigens sehr darüber freuen, ab und zu mal ein Feedback oder einen Kommentar zu meinen Blogbeiträgen zu bekommen. Bitte gebt mir auch Feedback, wenn das was ich schreibe zu lang(weilig) ist.

Außerdem freue ich mich natürlich immer zu hören, wie es euch so geht!

Baikalsee – wunderschöne Insel Olchon!

Gerade sitze ich im Bus zurück nach Irkutsk, hinter mir liegen fast vier Tage auf der Insel Olchon – und ich wäre gerne noch länger geblieben!

Am letzten Donnerstag ging’s mit dem Bus in 6 Stunden von Irkutsk (das übrigens nicht direkt am Baikalsee liegt) nach Olchon. Olchon ist die größte Insel im Baikalsee – der übrigens der größte und tiefste Süßwassersee der Erde ist und sogar aus dem All gesehen werden kann. Am bzw. im Baikalsee gibt es einige endeme (so heißt das glaub ich, oder 😉 ) Tier- und Pflazenarten, die es nur dort gibt. Hier ist z.B. die Baikalrobbe oder die Fischart Omul zu nennen.

Ich glaube auch das kulturell und spirituell gesehen der Baikalsee ein interessanter Ort ist – hier treffen verschiedene Religionen und Bevölkerungsgruppen aufeinander. Während ich in Irkutsk, am Westufer des Sees, noch in Sibirien und damit „so richtig in Russland“ bin, befindet sich am Ostufer des Sees die autonome russische Republik Buriatien mit der Hauptstadt Ulan-Ude. Die Buriaten (Bevölkerung Buriatiens) sehen äußerlich eher Mongolen bzw. Asiaten ähnlich und sind außerdem zum großen Teil Buddhisten. In der Region wird, neben Russisch, eine eigene Sprache gesprochen. Ich fand das sehr interessant und wollte zunächst noch einen Stop in Ulan-Ude einlegen. Das habe ich jetzt aber gestrichen, weil es glaube ich zu stressig geworden wäre.

Religiös spielt am Baikalsee, und besonders auf der Insel Olchon auch der Schamanismus eine große Rolle. Das Kap Burhan ist einer der heiligen drei Orte des Schamanismus. Da sich ein anderer heiliger Ort, nach dem Glauben der Schamanen im Himmel und ein weiterer in der Unterwelt befindet, ist es der einzige heilige Ort auf der Erde – nach dem Glauben der Schamanen. Überall auf der Insel, aber besonders in der Nähe des Cap Burhan befinden sich sowas wie „Gebetsfahnen“, die an Bäumen o.ä. festgemacht wurden.

Wer jetzt aber glaubt, die Insel Olchon sei ein hübsches Ferieninselchen, vergleichbar vielleicht mit Mallorca, der irrt sich. Auf der gesamten Insel nur leben ca. 1.700 Menschen, der Großteil davon in der Hauptstadt „Kuzhir“. Auf der gesamten Insel gibt es keine einzige asphaltierte Straße (ich hab zumindest keine gesehen), die Häuser sind zum großen Teil einfache, einstöckige Holzhäuser und die Wasserversorgung erfolgt teilweise manuell (für den Hausbedarf wird jeweils ein Kubik mit einem Bulldog o.ä. an einer Einnahmestelle abgeholt). Ich bin quasi „in the middle of nowhere“ gelandet – und genau da wollte ich hin! (aber immerhin: mobiles Internet gab’s in Kuzhir 😉 )

Auf der Insel laufen die Kühe übrigens überall herum, wie so wollen – wie in Indien. Vielleicht habe ich mich deshalb dort so wohl gefühlt…

Schon die Busfahrt zur Insel war ein Erlebnis: Das Wetter war mega und die Landschaft einfach toll!

Auf die Insel ging’s natürlich mit einer Fähre (wenig spektakulär).

Ich hatte mich in einem kleinen Gasthaus eingebucht, das am Ortsrand von Khuzir liegt. Das war alles recht rustikal und ursprünglich, aber ich hatte mein eigenes Zimmer mit WC. Außerdem zauberte die Gastgeberin, Vera, mir jeden Tag ein echt gutes Frühstück. Ein Abendessen bekam ich auch am ersten Abend dort. Da ich danach aber (weil Nebensaison) der einzige Gast war, machte ich mit Vera aus, dass ich lieber „im Dorf“ esse – was für sie weniger Aufwand und für mich mehr Gesellschaft bedeutet hat.

An meinem ersten Tag auf der Insel machte ich mich zu Fuß auf, Khuzir zu erkunden und das Kap Burhan zu sehen.

Am nächsten Tag nahm ich an einer Bustour in den Norden der Insel teil. Aufgrund der fehlenden befestigten Straßen ist das von A nach B kommen auf der Insel oft ein Erlebnis für sich: man sieht die Straße und denkt sich: da kann kein Auto fahren. Aber die Busse, mit denen wir unterwegs waren haben es geschafft!

Nachdem wir eine Weile im Bus durchgeschüttelt wurden gab es immer wieder Stopps, bei denen wir aussteigen und die Landschaft genießen konnten. Und, was soll ich sagen, das Gewackel und Durchgeschüttel hat sich echt gelohnt! (Ich habe übrigens gemerkt, dass ich neuerdings auch ein bisschen an Reisekrankheit leide – wohl erblich bedingt, denn meine Mama hat es auch… )

Abends saß ich dann noch mit ein paar Asiaten, die ich auf dem Ausflug kennen gelernt habe, zusammen. Die zwei mit denen ich mich am besten verstanden habe kommen übrigens aus Singapur und sind (wie’s der Teufel will 😉 ) auch Kletterer!

Am gleichen Abend wurden wir noch von Andri, den ich zufällig über 5 Ecken kennen gelernt habe, zu einem Lagerfeuer eingeladen. Andri gehört zu einer Gruppe Freiwilliger, die zu der Zeit in der ich auf der Insel war eine Quelle denaturalisiert haben. Diese Zeit am Feuer und dort gemeinsam mit Leuten aus 6 Nationen oder so Mantras zu singend war einfach mega schön und einer der Glücksmomente der Reise (auch ohne, dass ich davon Fotos habe).

Am nächsten Tag lieh ich mir gemeinsam mit den Asiaten ein Fahrrad aus und wir wollten die Insel mit dem Rad erkunden. Aber das war einfacher gesagt als getan, da die meisten Wege einfach nur aus Sand bestehen. Und so haben wir halt recht viel geschoben.

Was erschwerend hinzu kam und uns am Vorwärts kommen hinderte war, dass in der Gruppe zwei Taiwanesen dabei waren, die auf der Reisr ein Hochzeitsvideo drehen. Unter anderem mussten natürlich mehrere Videos mit einer Drohne gedreht werden. Und so durften wir immer wieder anhalten, weil dieses Wunderwerk der Technik irgendwie gestartet, gelandet, eingestellt etc. werden musste. (Mein Veter, der selbst so ein Faible hat, ist dagegen noch harmlos ). Ich war leicht genervt… Aber die Ergebnisse haben selbst mich dann überrascht.

Abends saßen wir noch gemeinsam zusammen und tranken ein paar Bier- es war der letzte Abend der beiden Singapurianer.

Am nächsten Tag wollten die Freiwilligen, die ich ja bei dem Lagerfeuer kennen gelernt hatte, beim Aufbau bzw. Ausbau eines Spielplatzes in der Nähe meines Gasthauses helfen. Da ich die Leute in der Gruppe so sympathisch fand und mir die Gemeinschaft gefiel, schloss ich mich für einen Tag der Gruppe an. Das hieß gemeinsam Klettergerüste streichen, Müll sammeln (vor allem Glasscherben- leider!), Löcher für Klettergrüste graben, Gestrüpp wegräumen – aber auch gemeinsam Pause machen. Die meisten konnten ein bisschen Englisch und Andri (der Halb-Amerikaner ist) sprang ansonsten als Übersetzer ein. Das klappte ganz gut mit der Verständigung! Neben mir arbeitete noch eine andere Nicht-Russin mit der Gruppe: Nicole ist Engländern und wollte das Freiwilligencamp nutzen, um ihr Russisch zu verbessern. Mit ihr könnte ich mich auf jeden Fall unterhalten – und von Andri und Nicole gab’s die ein oder andere Englisch Lektion obendrauf ;)… Außerdem stellte sich heraus, dass meine Gastgeber quasi sowas wie die „Initiatoren“ des Spielplatzes sind. Sie arbeiteten den ganzen Tag mit und Mittagessen gab es bei ihnen im Aufenthaltsraum.

Mega nett fand ich, dass ich nach einer Zeit von allen nur noch „Katja“ genannt wurde (quasi als Kurzform meines Namens, aber eher ausgesprochen wie „Katchja“).

Für mich war es sehr angenehm, nach drei Wochen des Reisens, was „handfestes“ zu tun, wo man auch ein Ergebnis sieht. Außerdem fand ich die Gemeinschaft in der Gruppe, wie schon erwähnt, mega toll! Obwohl ich an diesem Tag „gearbeitet“ habe wird mir der Tag als einer der schöneren Tage in Erinnerung bleiben.

Für den Abend hatten wir vereinbart, dass wir dir Banja (Russische Sauna) meines Gasthauses benutzen dürfen. Für Nicole und mich das Erste Mal! Tanja, die aus Krasnoyarsk kommt und wie die anderen sagten „a real Siberian Girl“ ist führte uns in die Geheimnisse der Banja ein. Eigentlich ist es sehr ähnlich einer Sauna – mit dem Unterschied, dass man sich gegenseitig mit eingeweihten Birkenzweigen abschlägt – was nach einem Tag mit körperlicher Arbeit ganz gut tut! 😉

Nach der Banja (die Männer gingen nach uns Frauen) saßen wir noch etwas zusammen, tranken Tee (Achtung: kein Wodka!) und spielten ein paar Spiele. Und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen für mich… (Mein Bus nach Irkutsk ging am nächsten Tag)

A Apropos Abschied: Abschied nehmen von Russland heißt es bald auch für mich. Morgen mache ich noch einen Ausflug nach Listvianja, einen Tourististenort direkt am See, und und am Mittwoch geht mein Zug in die Mongolei.

Einerseits freue ich mich auf die Mongolei – andererseits finde ich es schade, Russland verlassen zu müssen. Dieses Land hat mich einfach positiv überrascht und ich werde es als ein Land mit großzügigen, freundlichen und offenherzigen Menschen und tollen Kulturschätzen in Erinnerung behalten. Auch wenn das für Außenstehende (wie auch für mich im Vorfeld) schwer vorstellbar ist, habe ich mich hier wohl gefühlt.

Nachtrag 1: Nein, ich hab nicht im Baikalsee gebadet. Das kann man schon machen, aber es ist echt a…kalt und ich wollte nicht schon wieder krank werden

Nachtrag 2: In der Mongolei werde ich wohl keinen Blogartikel schreiben und außerdem habe ich ab der Mongolei nicht permanent Internet – also nicht wundern…

Nachtrag 3: Ich bin neuerdings auf Instagram uns stelle ab und zu mal ein paar Bilder auf Instagram. Wer mir folgen will: kathy.katha heiße ich dort.

Moskau bis Irkutsk – ab nach Sibirien!

Am letzten Mittwoch (29.8.) bin ich in Moskau auf die „klassische“ Transib-Route gestartet. Meine erste Strecke war von Moskau nach Jekaterinburg und für ein Zeitdauer von fast 27 Stunden geplant.

Nachdem ich also mit Livia und Lukas nochmal was gegessen hatte ging’s los. Es gab bei mir übrigens kleine „Dumplings“ gefüllt nur mit Hackfleisch und einen Salat mit sehr viel Majo (gesunde Ernährung adé).

Angekommen in „meinem“ Abteil (diesmal ein 4er Abteil in der zweiten Klasse) stellten wir Mitfahrerinnen uns erstmal gegenseitig vor. Das ging auch ohne Zuhilfenahme von Google Translator- beim Rest wurde es dann schwieriger. Mit mir waren drei andere Frauen unterwegs (Ich hatte glaube ich die Möglichkeit gehabt, ein reines Frauenabteil zu buchen). Zwei waren so schätzungsweise um die 60 und die dritte war sehr jung, Anfang 20 denke ich. Mit Händen und Füßen und natürlich Google Translator erzählten wir uns wo wir hin fahren und ich erzählte, woher ich komme. Dann, kaum war der Zug losgefahren, machten sich die älteren Damen dran, Brotzeit auszupacken. Es gab Salami, Käse, Brot und Gemüse aus dem eigenen Garten bzw. der eigenen Dacha. Ich wurde – natürlich – eingeladen, mich zu bedienen! Also gab’s noch etwas Gemüse als Nachspeise auf den eh schon vollen Magen. Als Revanche bat ich (nach dem Essen) was von meinen (leider schon halb verschmolzenen) Merci-Schokoladen an.

Danach ging so alles seinen Gang: Jede machte ihr Bett und chillte/schlief/las oder schaute nur aus dem Fenster.

Ich hatte für alle meine Fahrten bisher eines der beiden unteren Betten gewählt. Das hat einige Vorteile ist aber auch teurer.

Das schöne am Zug fahren ist, dass man sich quasi frei im Zug bewegen kann. Man kann in den Gang laufen, um von dort aus dem Fenster zu schauen, zum Samowar laufen, um sich warmes Wasser zu holen, aufs Klo oder in den Speisewagen gehen.

Video vom Gang eines Zuges aus.

Samowar

Foto aus dem Fenster (hinten sieht man noch den „Schwanz“ des Zuges)

Sonnenuntergang (vom Abteilfenster aus fotografiert)

Mit Ausnahme der Toiletten, die ziemlich (schnell) eklig sind, ist alles im Zug verhältnismäßig sauber und der jeweilige Zugbegleiter schaut darauf, dass das so bleibt, indem er oder sie zB immer mal den Gang wischt oder die Teppiche in den Abteilen saugt.

Wie schon erwähnt, ist der Samowar einer der zentralen „Punkte“ im Abteil. Hier kann man sich Wasser für Tee oder diverse Fertigprodukte holen. Und nach allem was ich mitbekommen habe, sind die Russen große Fans von 5-Minuten-Terrine und Co.

Mein Essen

Die meisten haben selbst Becher/Tassen für Tee dabei. Aber wer nichts dabei hat (oder den Becher gerade nicht findet, wie ich 😉 ), kann sich so ein hübsches Glas ausleihen. Mir wurde aber auch schon ein neues, unbenutztes Glas als Souvenir angeboten – und würde ich nicht so lange reisen hätte ich wohl tatsächlich eines gekauft, weil ich finde, es ist eine schöne Erinnerung.

Zurück zur Fahrt nach Jekaterinburg: Auf dieser Fahrt nahm mich die Dame mir gegenüber (Ich glaube, sie hieß Tanja) ein bisschen unter ihre Fittiche. Beim ersten längeren Halt nahm sie mich mit raus, um draußen ein bisschen auf dem Bahnsteig hin und her zu laufen. Das ist so Standard. Bei Stops von 20 Minuten und mehr gehen viele kurz raus, um sich die Füße zu vertreten. Auf den Bahnsteigen gibt es Kioske oder es stehen „Anwohner“ oder, die, quasi mit einem Bauchladen, verschiedenes verkaufen: Obst, Gemüse, Backwaren, aber auch Schmuck oder Teeservice.

Bahnsteig mit Kiosk

Ich kaufte mir einmal Blaubeeren.

Im Zug hängt der Fahrplan mit den Stops und (ganz wichtig!) mit den Zeitzonen aus.

Und ich bin wirklich erstaunt, wie pünktlich die Züge immer an den einzelnen Stationen ankamen und auch wieder abfuhren. Ich vermute, das ist darauf zurück zu führen, dass hier genug (Puffer-)Zeit mit eingeplant ist. Es gibt regelmäßig längere Zwischenhalte, bei denen der Zug kontrolliert wird und diese Zwischenhalte sind natürlich auch Puffer, wenn ein Zug doch mal 5 Minuten Verspätung hat.

Nach ein paar Stunden im Zug habe ich mich bisher immer an den „etwas langsameren“ Gang gewöhnt und bin ein bisschen runter gekommen. Ich habe es genossen, einfach nur aus dem Fenster zu schauen oder einfach mal tagsüber ein paar Stunden zu schlafen.

Schlaf ist ein gutes Stichwort: In den Abteilen der zweiten Klasse habe ich bisher immer mega gut geschlafen! Das liegt denke ich, daran, dass man die Türe zum Abteil zu machen und das Licht auch vollständig aus machen kann. Und dann ist Ruhe!

Nach meiner ersten Fahrt kam ich, wie geplant, am nächsten Tag super pünktlich in Jekaterinburg an.

Die Stadt ist unter anderem dafür bekannt, dass hier 1917 die letzte Zarenfamilie (die Romanows) brutal von den Bolschwiki ermordet wurde. Außerdem kommt der erste frei gewählte President Russlands, Boris Jelzin, aus der Region. Jelzin ist sowas wie der Regionalheld und ihm ist ein modernes Zentrum (mit Geschäften, Co-Working-Spaces, Kaffees und sogar einem Museum) gewidmet.

Jelzin-Zentrum

Mir ist die Stadt als eine moderne und überraschend bunte Stadt aufgefallen.

Hier ein paar Eindrücke

Geografisch liegt Jekaterinburg zudem schon in Asien – auch wenn sich das für mich nicht so anfühlte. 😉

Mein nächster Halt entlang der Transsib-Route war am 2. und 3. September Krasnoyarsk. Und damit eine Stadt mitten in Sibirien.

An meinem ersten Tag dort machte ich eher einen ruhigen (war ja eh Sonntag) und schloss mich den Russen an, die in einem auf einer zum Park deklarierten Insel des Flusses Jenissej ihre Freizeit verbrachten. Mit Rad oder Inlineskates fahren, joggen oder ähnlichem…

Ich für meinen Teil lieh mir für eine Stunde ein Rad aus und fuhr damit ein bisschen durch die Gegend.

Danach holte ich mir an einem „Kaffee-Bus“ einen Kaffee und spazierte entlang des Flusses Richtung Stadt.

Der zweite Tag in Krasnoyarsk (Montag, 3.9.) wurde aber um einiges anstrengender. Ich hatte gemeinsam mit einem Belgier, Kobe, eine geführte Tour durch den Stolby-Nationalpark. Unser Führer Anatoliy führte uns 25 km durch den sibirischen Wald und erklärte uns einiges über die Tiere und Pflanzen dort. Charakteristisch für den Nationalpark sind die Felsformationen, die immer wieder aus dem Boden ragen – und an denen man auch Klettern kann ;)!

Ein bisschen „versuchten“ wir uns auch an der Kraxelei und kletterten (ungesichert) auf ein paar einfache Felsen.

Mittlerweile bin ich aber schon nicht mehr in Krasnoyarsk. Seit Dienstag, dem 4. September bin ich in Irkutsk in der Nähe des Baikalsees. Bis zum 12. September bleibe ich hier am Baikalsee – bevor es dann weiter geht in Richtung Mongolei.

Hier einfach schon mal ein paar Fotos aus Irkutsk:

Wie man vielleicht sehen kann ist das Wetter hier nicht gerade ideal. Am 5. 9. habe ich bei 8 Grad und Regenwetter eine Stadttour gemacht – und es gibt in der Tat schöneres…

St. Petersburg und Moskau – Venedig und Wien in Russland

Am letzten Freitag (24.8.) bin ich nach Russland eingereist.

Der erste Stopp war St. Petersburg. Hier habe ich mal ein bisschen experimentiert und mich in einem sogenannten „Capsule Hostel“ eingemietet (Bilder hab ich leider keine, findet man aber wenn man YourSpace St. Petersburg googelt). Hier hat jeder Gast quasi eine Art „Box“ in der er schläft. Die Idee ist, dass man ein bisschen „abgekapselter“ schlafen kann, als in einem Dorm mit Stockbetten. Das stimmt – ich fand das Konzept aber irgendwie trotzdem nicht so überzeugend weil diese Kapseln einerseits sehr klein waren (Rucksack mit rein nehmen ist kaum möglich) und ich diese kleinen dunklen Kapseln ohne Tageslicht einfach nicht sympathisch fand. Das Hostel befand sich aber in einem Gebäudekomplex, in dem ganz viele „Szeneläden“ (Geschäfte, Bars, Restaurants, Kaffees etc.) untergebracht waren. Sowas könnte man auch nach Berlin stecken.

An meinem ersten Tag gönnte ich mir in einem Kaffee dort einen Cheesecake und eine Art Kaffee-Shake (beides mega lecker) bevors los ging, zu Fuß die Stadt zu erkunden. Übrigens bei bestem Wetter!

St. Petersburg wird oft auch als das „Venedig des Ostens“ bezeichnet, weil es neben dem Hauptfluss, der Newa, viele andere Flüsse, Kanäle und Inseln hat – und dazu natürlich viele Brücken. Man kann hier viel über das Wasser erreichen.

Darüber hinaus ist die Stadt einfach ein totales Schmuckkästchen: Ein hübsches Gebäude reiht sich neben das andere.

Hier einfach mal ein paar Eindrücke:

Newsky Prospekt, Haupt- und Prachtstraße

Newsky-Prospekt

Admiralsky – ehem. Militärbasis

Der Versuch eines Selfies auf dem Palastplatz

Gesehen auf dem Palastplatz (Der doppelköpfige Adler war Zeichen der Zaren)

St Isaac Kathadrale

Auf der Aussichtsplattfortm der St. Isaacs Kathedrale (es ging viel Wind)

Erlöserkirche

Erlöserkirche

Sommer Garten

St. Petersburg ist definitiv eine Reise, bzw in meinem Fall einen Umweg, wert. Es gibt so viel zu sehen. Hätte ich mich vorher ein bisschen eingehender damit beschäftigt, hätte ich dort drei oder vier Tage eingeplant. So hatte ich nur zwei Tage dort.

An meinem zweiten Tag (Samstag, 25.8.) stand ein Besuch der Eremitage, der großen Kunstsammlung auf dem Programm. Alleine die Architektur und das Gebäude der Eremitage sind beeindruckend. Das Haupt-Treppenhaus mit dem großen Deckengemälde erinnerte mich ein bisschen an die Residenz in Würzburg.

Nachdem ich mich ein bisschen orientiert hatte wanderte ich durch die Gänge mit Russischer und europäischer Kunst. Hier ein paar Eindrücke:

Große Kirche

Engelsstatuen

Thronsaal

Gemälde von Da Vinci

Von einem russischen Künstler gestalteter Gang

Statue von Michelangelo

Von Raphael gestalteter Gang

Nach knapp 4 Stunden war ich platt! Einerseits von dem vielen, was es zu sehen gab – andererseits aber von den vielen Menschen! Am Nachmittag kamen nämlich die Gruppen verschiedenen Kreuzfahrt-Schiffen in Scharen zu Führungen. Es wurde mega anstrengend, sich da durch das Museum zu bewegen.

Ursprünglich hatte ich vor gehabt, am Nachmittag selbst noch ein bisschen Schiff zu fahren und so die Flüsse und Kanäle etwas genauer kennen zu lernen. In St. Petersburg werden nämlich ganze „Stadtrundfahrten“ per Schiff angeboten.

Allerdings hatte ich mir eine ziemliche Erkältung zugezogen und fühlte mich ziemlich schlapp. Also ging’s zurück zum Hostel: Entspannen, Tee trinken und warten bis es Zeit für den Nachtzug war.

Da ich keinen Bock hatte, mit der Erkältung den Rucksack bis zum Bahnhof zu schleppen, nahm ich ein Ueber. Das sei erwähnt, weil das für mich das erste Mal war! 😉 Aber es hat alles gut geklappt und die Fahrt war erstaunlich günstig.

Diesmal hatte ich auch keinen Zug in der dritten Klasse sondern in einen „Premiumzug“ die zweite Klasse gebucht. Das wären eigentlich gute Voraussetzungen, um erholsam zu schlafen. Doch leider hatte ausgerechnet ich eine Familie mit zwei kleinen Kindern mit mir im Vierer-Abteil. Das kleinere der beiden fand Zug fahren wohl nicht so toll und brachte das auch zum Ausdruck. Meine Nase lief natürlich auch ununterbrochen.

Nachdem das ganz nicht wirklich erholsam war und ich mich echt voll im Arsch fühlte, als ich am Sonntag, 26.8. in Moskau ankam, beschloss ich, mir noch Medikamente zu besorgen und dann einen Hostel-Tag zu machen.

Dazu muss man sagen, dass mein Hostel in der Tat ganz gut dafür geeignet war, dort etwas Zeit zu verbringen.

Aussicht vom Hostel

Der Admin (Rezeptionist) war auch total nett und fragte immer mal wieder wie es mir geht. In Ermangelung eines richtigen Schals für meinen Hals funktionierte ich übrigens meinen Hüttenschlafsack um und wickelte ihn um den Hals ;). Klappt gut.

Gegen Abend verlies ich dann aber doch mal das Hostel, um im Supermarkt etwas zum Kochen zu kaufen. Anschließend zauberte ich mir ein Dinner 😉

Nach dem Tag Erholung ging es am Montag, 27.8. wieder voll los. Ich hatte mich mit Livia, die ich über 5 Ecken kennen gelernt hatte, zu einer „Free Tour“ verabredet. Livia und ich kannten uns vorher nur über Whatsapp – und so war es eine Überraschung, ob das zwischen uns „harmonierte“ oder nicht. Es harmonierte!

Hier ein Paar Bilder von Moskau:

St. Basilius Kathedrale

Eingangstor zum Roten Platz

Nach der Tour fuhren wir in den Gorky Park, um dort etwas zu Essen und herum zu laufen.

Der Gorky Park ist der Park in Moskau. Die Stadt ist zwar grundsätzlich ziemlich grün, aber der an der Moskwa gelegene Gorky Park ist sowas wie ein „kulturelles Zentrum“. (ja: wir hatten auch den Song „Wind of change“ Im Kopf… 😉 ) Im Gorky Park gibt es Restaurants, Streetfood-Stände, Spielplätze, man kann Volleyball spielen und Räder leihen, es gibt Outdoor-Kunst und abends legen DJs Musik auf. Auch hier hat man den Eindruck, man könnte eher in Berlin sein, als in Moskau.

Nachdem wir im Gorky Park waren wollten wir uns noch auf den Weg zu den ehemaligen Gebäuden des „Roten Oktober“ machen. Dort sollte auch sowas wie ein kulturelles bzw. Szene-Zentrum sein. Aber es war eher enttäuschend. Allerdings kamen wir auf dem Weg dorthin an der Christ-Erlöser-Kathdrale vorbei. Diese ist sowas wie die „Haupzkirche“ des Russisch-orthodoxen Glaubens. Das Oberhaupt der Kirche praktiziert dort und zu hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern geht beispielsweise Putin auch in diese Kirche. In Moskau gibt es grundsätzlich leider nicht mehr so viele Kirchen, weil Stalin viele Kirchen abreißen lassen hat. Viele der Kirchen, die erhalten blieben sind, wurden zu Museen umfunktioniert.

Christ-Erlöser-Kathedrale

Livia und ich

Für das Abendessen fuhren wir dann in mein Hostel und kochten uns dort was. Wir waren beide so round about 17 km durch Moskau gelaufen (obwohl wir ab und zu Metro gefahren sind) und irgendwie platt.

Für mich war es schön, mal zur Abwechslung einen Tag in Gesellschaft zu verbringen – noch dazu mit jemanden, mit dem ich mich auf Anhieb so super gut verstand!

Apropos Metro: Die Metro-Stationen sind in Moskau total prunkvoll gestaltet und eine Sehenswürdigkeit für sich.

Den nächsten Tag gingen Livia und ich etwas gechillten an. Mit Shopping! 😉 Da sich meine Wanderschuhe leider (schon!!!) teilweise zerlegten und ich es irgendwie auch satt war, immer in Wanderschuhen rumzulaufen, kaufte ich mir doch ein paar Tunschuhe. Mega hübsche Dinger von Reebock! Auf dass der Rucksack schwer werde! Livia wollte nach Souveniers und Postkarten schauen – und bei Postkarten war ich natürlich auch dabei!

Nach de Shopping-Tour drehten wir nochmal ne Runde über den roten Platz. Dabei fielen besonders Livia zwei deutsch sprechende Herren auf, die irgendwelche „Bauklötze“ vor der St. Basilius Kathedrale stapelten. Da Livia so ein offener Typ ist und auf die Leute zu geht, ging sie hin und fragte, was es mit den Klotzen auf sich hat.

Und siehe da: Der Mann mit den Klötzen war der österreichische Architekt und Künstler Heidulf Gerngroß und die Klötze waren eine von ihm erarbeitete „Schule für Architektur“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Heidulf_Gerngross) Zentraler Bestandteil davon ist der von Heidulf „erfundene“ Archiquant, den ich als Ingenieur in als „harmonischer geometrischer Körper“ bezeichnen würde. In meinen Augen auch keine Erfindung, aber vielleicht konnte Heidulf ja irgend ein nichttechnisches Schutzrecht darauf anmelden ;).

Außerdem war mit ihn ein anderer österreichischer Künstler, Hans BIWI Lechner, unterwegs. Er hat versucht, sowas wie ein Symbol für die zentrale Frage der Menschheit (wo kommen wir her?, wozu sind wir da? usw.) zu erfinden und pinselt dieses Symbol auf Steine, die um die Welt reisen sollen.

Beide Männer kamen aus Wien.

Wir unterhielten uns kurz und bekamen einen Stein mit diesem Symbol geschenkt. Auf dass der Stein mit uns um die Welt reist…

Danach mussten wir uns aber beeilen, sonst hätten wir uns noch länger unterhalten. Lucas, ein gemeinsamer „Bekannter“(den wir aber beide auch nur aus dem Internet kannten) sollte nämlich um 15 Uhr in Moskau ankommen. Wir wollten ihn abholen. Also ging eine wilde Jagt durch die Moskauer Metro los (wir waren etwas spät dran ;)), aber es klappte dann noch alles. Wir trafen Lucas und gingen mit ihm ins Hostel, damit er duschen konnte.

Während Lucas duschte, entwickelten Livia und ich die Idee, uns nochmal mit den Künstlern zu treffen, um und nochmal in Ruhe mit ihnen zu unterhalten. Idealerweise beim Frühstück am nächsten Tag. Also schrieben wir einen der beiden mal auf Facebook an. Leider mussten die beiden am nächsten Tag schon frühmorgens abreißen, weshalb wir anpeilen wollten am Abend vielleicht noch ein Bier gemeinsam zu trinken.

Vorher stand aber noch ein anderer Programmpunkt auf dem Plan: Ein Besuch des Moskauer Fernsehturms („das höchste Gebäude Europas“) und anschließend ein Abendessen dort. Also ging’s in Richtung Fernsehturm.

Fernsehturm im Hintergrund.

Von der Führung verstanden wir leider nichts, da diese auf Russisch war. Aber Lucas, der sehr gut Russisch kann, übersetzte dann für uns.

Danach ging’s dann auf die Aussichtsplattform. Und die Aussicht war einfach nur Wow.

Und dann gings zum Abendessen ins Restaurant.

Nach dem Abendessen überlegten wir, nochmal zu den Künstlern zu fahren („nicht, dass wir dann hin fahren und die gehen dann ins Bett“). Beschlossen, es aber doch zu versuchen. Und… naja, was soll ich sagen… bei Bier und Wodka sind wir dann eben noch bis nachts um zwei versackt…

Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Heidulf in der Tat schon 82 Jahre alt ist (sagt zumindest Wikipedia).

Ich hielt mich zwar zurück mit dem Trinken, aber das Aufstehen am nächsten Tag war für mich trotzdem eine ziemliche Qual… Aber es müsste sein! Nachmittags um kurz nach 1 ging der nächste Zug (der erste „Transsibirische Zug“) nach Jekaterinburg.

Livia und Lucas brachten mich netterweise noch mit zum Bahnhof – und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen…

Die erste Zugreise nach Russland – goodbye EU

Beim letzten Blogeintrag war ich noch in Riga, Lettland. Der EU. Ich konnte mit Euro zahlen, hatte EU-Roaming, brauchte nur den Perso…

Das hat sich in der Nacht vom 23. auf den 24. August schlagartig geändert. Am letzten Donnerstag (23.8.) bin ich gegen Abend in Riga in den Zug nach St. Petersburg gestiegen. Ich hatte für diese „kurze“ Strecke (16 Stunden) einen Platz in der dritten Klasse gebucht – so zum ausprobieren. Außerdem sind grenzüberschreitende Züge immer recht teuer und mit der Fahrt in der dritten Klasse konnte ich ein bisschen sparen. 😉

Ich bin in Indien auch schon mit der dritten Klasse gefahren und muss sagen: Das ist überhaupt kein Vergleich! In Russland kann man schon mal mit der dritten Klasse fahren. Es gibt offene Anteile mit zweistöckigen Betten längs und quer zur Fahrtrichtung. Ich hatte ein Bett unten quer zur Fahrtrichtung und konnte meinen Rucksack unter mir verstauen. Solange ich also saß oder lag konnte niemand an meinen Rucksack kommen. Die darin verstauten Sachen waren also safe.

Selbst in der dritten Klasse kriegt man übrigens eine Art „Matratze“, Bettzeug, Bettwäsche und sogar ein kleines Handtuch gestellt.

Ich kam ziemlich planlos daher und war irgendwie nicht darauf eingestellt, dass mit Betreten des Zuges quasi „Russland beginnt“. Also natürlich nicht wirklich, aber da es ein russischer Zug (mit Ziel St. Petersburg)war, war das Personal sowie auch die anderen Insassen russisch. Englisch Adé… Die Zugbegleiterin war aber total nett und brachte mich persönlich zu meinem Platz und schaute immer mal wieder nach mir.

Inbegriffen im Preis war scheinbar auch ein russischer schwarzer Tee in dem schönen traditionellen Glas.

Wenn man noch mehr Tee möchte, kann man sich vom sogenannten „Samowar“ heißes Wasser holen. Das ist typisch für Russische Züge. (Ich werd irgendwann mal ein Bild posten)

So ein russischer Fernzug ist nicht mit so nem deutschen ICE vergleichbar und schon gar nicht mit den RBs, die durch Thüngersheim fahren. Der Zug ist lang!!! Ich glaube 20 Wagons (Russisch вагон ;)) sind „normal“. Jeder Wagon hat einen eigenen Zugbegleiter. Er oder sie hat die Aufgabe, Bettwäsche auszuteilen und wieder einzusammeln, Tee zu servieren (wenn es Tee gibt) und auch sonst nach dem Rechten zu sehen. Beispielsweise werden teilweise (in den unteren Klassen meistens) die Klos mindestens 10 Minuten vor den Ortschaften abgesperrt. Die „Abflüsse“ enden da nämlich einfach auf den Gleisen – und das ist außerhalb der Ortschaften okay, aber im Ort…naja…eklig… (Fun fact: In Indien könnte man sich dieses „Absperren“ finde ich mal anschauen. Dort baut man nur auf die „Disziplin“ der Fahrgäste, in den Ortschaften das Klo nicht zu nutzen – mit mäßigem Erfolg…)

Als der Zug in Riga los fuhr war mein Abteil eher spärlich besetzt und es war recht ruhig alles. Gut für mich, um mich mal so an dieses Zugfahren zu gewöhnen und mich auf Russland einzustellen.

Es wurde übrigens (wie im Flugzeug auch) ein „Einreisezettel“ ausgeteilt, den man schon mal ausfüllen sollte. Außerdem wurde eine Liste herum gegeben, in der man angeben sollte, ob man etwas zu verzollen hat.

Was macht man so beim Zug fahren? Lesen, Reisetagebuch und Blog schreiben und viel aus dem Fenster schauen (solange es noch hell ist). Draußen vor den Fenstern zogen die Felder und Wälder Lettlands vorbei.

Irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr machte ich mir dann mein Bett und legte mich schon mal zum dösen hin.

Lang schlafen konnte ich aber nicht: Gegen halb 12 erreichten wir scheinbar die Grenze. Jedenfalls wurde der Zug angehalten (vorher natürlich die Klos verschlossen ;)) und es kamen zwei Grenzbeamten in dem Wagon. Sie kontrollieren Pass, Visum und hatten so eine Art „Scanner“ dabei, mit dem sie den Pass einlasen. Nachdem sie weg waren musste ich erstmal mit leichtem Bestürzen feststellen, dass ich keinen Stempel bekommen hatte.

Oh Nein! Die Route über Riga hatte ich extra gewählt, um eben einen Stempel in den Pass zu kriegen und nicht „illegal“ in Russland zu sein. Naja, das musste ich dann halt in St. Petersburg klären – dachte ich. Und legte mich wieder hin.

Ich hatte mich aber geirrt: dieses Pass scannen war nur einer von vier Schritten bei der Grenzkontrolle. Nach ca. 20 Minuten kam eine Frau, die das Gepäck kontrollierte. Dann kam nach weiteren 20 Minuten ein Mann, der die nicht besetzten Betten kontrollierte und zu guter letzt (natürlich wieder 20 Minuten später 😉 und der Zug stand natürlich die ganze Zeit über!) kam eine Dame von der Grenzkontrolle mit dem (heißbegehrten!) Stempel!

Wer jetzt aber denkt, die Dame hätte mir mit einem netten Lächeln den Einreisestempel in den Pass gedrückt, der irrt sich. Sie blätterte den Pass durch, schaute sich alle Bilder an (das Indische und das Russische Visum haben je ein Bild) und schien mir nicht zu glauben, dass ich ich bin. Blöd. Sie holte sich dann eine Kollegin dazu. Dann blätterten beide gemeinsam im Pass und musterten mich dabei von oben bis unten. Irgendwie kamen sie dann zu dem Schluss, dass das scho ich sein könnte. 😉 Und so war ich nach Russland eingereist. Puh! Mit dem Flugzeug wäre es stressfreier gewesen – aber dann hätte ih auch nichts zu erzählen…

Ich persönlich fand das ganze Prodzedere übrigens gar nicht mal sooo nervenaufreibend, weil ich (wie auch schon im Nachtbus nach Riga) einfach nur verdammt müde und schlaftrunken war. Ich bin sehr gespannt, zu welcher Tageszeit die nächsten Grenzkontrollen stattfinden – bevorzugen würde ich aber tatsächlich tagsüber 😉

Nach der Grenzkontrolle dachte ich, ich könnte nun endlich im Ruhe schlafen. Aber ich lag falsch: Der Grenzpunkt war auch eine Haltestelle (auf russischer Seite). Und so strömten nach der Kontrolle die Passagiere in den Zug, machten ihre Betten usw.. Der Zug wurde richtig belebt.

In Russland gab es dann aber nach der Grenze noch weitere Halte. Der Zug hielt so bis ca. halb 4 regelmäßig und immer wieder strömten Menschen in den Zug – bis der Wagon richtig voll war!

Und da erkannte ich auch schon den großen Nachteil an den Zügen in der dritten Klasse: Dadurch, dass man ja kein Abteil zu machen kann, kriegt man das alles mit. Zudem ist das Licht so gut immer in einer Art „Schummerbeleuchtung“ angeschaltet.
Für mich war es okay: Ich war müde genug, um ein bisschen unruhigen Schlaf zu finden. Aber ich brauche es glaube ich zukünftig nicht unbedingt nochmal… 😉

Der Rest der Zugfahrt verlief relativ unspektakulär. Gegen halb 10 kam der Zug in St. Petersburg an und ich machte mich auf die Suche nach einem ATM, einem Geschäft für eine SIM-Karte und natürlich dem Hostel. Dann war ich ready, die Stadt zu erkunden.

Kleiner Nachtrag: übrigens vertragen sich Worlpress und Russland nicht. Ich muss jetzt über VPN posten…