Kambodscha und Singapur

Meine Zeit in Südostasien ist mittlerweile vorbei. Ich bin seit zwei Tagen in Japan, möchte aber noch berichten, wie die letzten beiden Wochen waren.

Zunächst einmal sind wir am 11. November von Da Nang (Vietnam) nach Siem Reap (Kambodscha) geflogen. Für mich der erste Flug nach 12 Wochen! Natürlich ging am Flughafen gleich was schief und die Airline hatte mich nicht auf der Passagierliste stehen. Nachdem ich ca. 30 Minuten am Checkinschalter stand, wurde dann aber auch dafür eine Lösung gefunden… also war ich nicht mehr vom Fliegen abzuhalten…

In Kambodscha/Siem Reap haben wir uns natürlich die Tempelanlagen von Angkor Wat angeschaut. Diese Tempel sind in einem Zeitraum vom 8. bis zum 13. Jahrhundert entstanden, als das sogenannte Khmer Reich seinen Höhepunkt erreichte.

Es hat Spaß gemacht, durch die Tempelanlagen zu laufen und diese zu erkunden. In manchen weniger frequentierten Tempeln fühlte man sich fast ein bisschen wie Indiana Jones oder Lara Croft in Toomb Raider (für Toomb Raider I wurde übrigens in Angkor Wat gedreht!).

Hier mal ein paar Eindrücke.

Khmer, das ist aber nicht nur der Begriff für eine Epoche in der Geschichte von Kambodscha. Khmer fast quasi vieles der kulturellen Errungenschaften Kambodschas zusammen: So heißt die Sprache und Schrift beispielsweise Khmer und es gibt typisches „Khmer Food“.

Auf keinen Fall ist das aber zu verwechseln mit der wohl dunkelsten Epoche in der (zumindest jüngeren) kambodschanischen Geschichte: Der Schreckensherrschaft der „Khmer rouge“. Die Khmer Rouge „waren eine maoistisch-nationalistische Guerillabewegung, die 1975 unter Führung von Pol Pot in Kambodscha an die Macht kam und bis 1979 das Land totalitär als Staatspartei regierte“. (aus Wikipedia) Während dieser Zeit, die nicht ganz 4 Jahre dauerte, kam über ein Drittel der damaligen Bevölkerung Kambodschas (3 Mio von 8 Mio Menschen) um. Viele Menschen wurden grundlos gefoltert und dann umgebracht, andere wurden in Arbeiterlager aufs Land verschleppt, wo viele Menschen verhungerten. Das schlimmste ist, dass vieles was in dieser Zeit in Kambodscha passiert ist, von der Weltbevölkerung damals nicht wahrgenommen wurde. Viel schlimmer noch: auch nach ihrem Sturz in 1979 wurden die Khmer Rouge noch 10 Jahre lang von vielen Staaten (unter anderem Deutschland) als offizielle Partei/Regierung von Kambodscha anerkannt. Der Genozid der damals geschah wird noch bis Heute aufgearbeitet (in den letzten Wochen gab es erst einige Verurteilungen dazu).

In Phnom Penh gibt es zwei Gedenkstätten, die sehr eindrucksvoll von dieser Zeit berichten: Das ehemalige Foltergefängnis „S21“ (eine ehemalige Schule) und die „Killing Fields“. Wir haben beides besichtigt und viele Berichte gelesen und gehört. Beide Orte wirken an sich ganz friedlich und es ist schwer zu erahnen, was dort schreckliches geschehen ist. (deswegen poste uch keine Bilder)

In Phnom Penh gibt es (ähnlich wie in Bangkok) aber auch noch einen Palast, den wir besucht haben. Kambodscha hat einen König, von dem übrigens alle munkeln, dass er schwul ist.

Grundsätzlich ist es aber auch Heute nicht sehr gut um die politische Situation des Landes bestellt. Es gibt zwar (neben dem König) auch noch eine Regierung, diese ist aber von keinem Land offiziell anerkannt. Die Regierung bestellt sich seit 30 Jahren aus der selben Familie und ist hoch korrupt.

Nach Kambodscha ging es für uns (wieder mit dem Flieger) weiter nach Singapur.

Singapur ist im Gegensatz zu den Ländern, die ich vorher besucht habe ein „entwickeltes“ Land – was es aber trotzdem nicht weniger spannend macht! Singapur ist sowas von divers!

Neben Chinesen, die in etwa 80% der Bevölkerung ausmachen, leben in Singapur viele Malaien und viele Inder. Neben der offiziellen Amtssprache, Englisch, ist alles auch in Chinesisch, Malai und Tamil (die südindische Sprache) beschriftet und wenn man sich durch die Stadt bewegt, kann man alle drei Sprachen hören (also ich kann es, da ich mittlerweile raus höre, wenn jemand chinesisch spricht ;)). Alle drei Ethnien leben in Singapur friedlich nebeneinander, vermischen sich aber (aus religiösen und traditionellen Gründen) eher selten.

Singapur ist natürlich das, was jeder erwarten würde: Eine moderne Megacity mit einem gigantischen Business-District und der weltbekannten Marina Bay mit dem Hotel Marina Bay Sands („Schiff“). Ein Großteil der Marina Bay und des Business Districts wurden übrigens durch Landgewinnungsmaßnahen erst bebaubar. Das heißt, dort wo heute Hochhäuser stehen und sich der gigantische Park „Gardens by the Bay“ befindet war vor 50 Jahren noch nichts als Meer.

Singapur hat darüber hinaus aber auch viele kleinere, charmantere Nachbaschaftsviertel mit etwas mehr Charme. Obwohl die verschiedenen Ethnien nun nach einem genauen „Schlüssel“ über die Stadt versteilt leben (es also quasi keine Ghettobildung gibt), existieren die ehemaligen Siedlungen von früher immer noch und haben eine ganz bestimmte Charakteristik. So gibt es zum Beispiel Chinatown, wo man viel chinesisches Essen erhält und die Lebensmittel, die man dort auf dem Frischmarkt findet, sind an die chinesische Speisekarte angepasst. Darüber hinaus gibt es auch noch „Little India“, ein muslimisches und ein malaiisches Viertel.

Bezüglich des Essens gibt es in Singapur eine Besonderheit, die mit gut gefallen hat: In jedem Stadtteil gibt es mindestens ein sogenanntes „Hawker Center“. Das ist wie eine große „Fressmeile“, in der sich allerhand Essensstände befinden. Man kann sich aussuchen, ob man gerne chinesisch, indisch, typisch „singapurisch“ oder etwas ganz anderes essen will- und das zu günstigen Preisen. Das Angebot ist so groß, dass die Auswahl teilweise echt schwer fällt.

Hier ein paar Eindrücke aus Singapur

St. Petersburg und Moskau – Venedig und Wien in Russland

Am letzten Freitag (24.8.) bin ich nach Russland eingereist.

Der erste Stopp war St. Petersburg. Hier habe ich mal ein bisschen experimentiert und mich in einem sogenannten „Capsule Hostel“ eingemietet (Bilder hab ich leider keine, findet man aber wenn man YourSpace St. Petersburg googelt). Hier hat jeder Gast quasi eine Art „Box“ in der er schläft. Die Idee ist, dass man ein bisschen „abgekapselter“ schlafen kann, als in einem Dorm mit Stockbetten. Das stimmt – ich fand das Konzept aber irgendwie trotzdem nicht so überzeugend weil diese Kapseln einerseits sehr klein waren (Rucksack mit rein nehmen ist kaum möglich) und ich diese kleinen dunklen Kapseln ohne Tageslicht einfach nicht sympathisch fand. Das Hostel befand sich aber in einem Gebäudekomplex, in dem ganz viele „Szeneläden“ (Geschäfte, Bars, Restaurants, Kaffees etc.) untergebracht waren. Sowas könnte man auch nach Berlin stecken.

An meinem ersten Tag gönnte ich mir in einem Kaffee dort einen Cheesecake und eine Art Kaffee-Shake (beides mega lecker) bevors los ging, zu Fuß die Stadt zu erkunden. Übrigens bei bestem Wetter!

St. Petersburg wird oft auch als das „Venedig des Ostens“ bezeichnet, weil es neben dem Hauptfluss, der Newa, viele andere Flüsse, Kanäle und Inseln hat – und dazu natürlich viele Brücken. Man kann hier viel über das Wasser erreichen.

Darüber hinaus ist die Stadt einfach ein totales Schmuckkästchen: Ein hübsches Gebäude reiht sich neben das andere.

Hier einfach mal ein paar Eindrücke:

Newsky Prospekt, Haupt- und Prachtstraße

Newsky-Prospekt

Admiralsky – ehem. Militärbasis

Der Versuch eines Selfies auf dem Palastplatz

Gesehen auf dem Palastplatz (Der doppelköpfige Adler war Zeichen der Zaren)

St Isaac Kathadrale

Auf der Aussichtsplattfortm der St. Isaacs Kathedrale (es ging viel Wind)

Erlöserkirche

Erlöserkirche

Sommer Garten

St. Petersburg ist definitiv eine Reise, bzw in meinem Fall einen Umweg, wert. Es gibt so viel zu sehen. Hätte ich mich vorher ein bisschen eingehender damit beschäftigt, hätte ich dort drei oder vier Tage eingeplant. So hatte ich nur zwei Tage dort.

An meinem zweiten Tag (Samstag, 25.8.) stand ein Besuch der Eremitage, der großen Kunstsammlung auf dem Programm. Alleine die Architektur und das Gebäude der Eremitage sind beeindruckend. Das Haupt-Treppenhaus mit dem großen Deckengemälde erinnerte mich ein bisschen an die Residenz in Würzburg.

Nachdem ich mich ein bisschen orientiert hatte wanderte ich durch die Gänge mit Russischer und europäischer Kunst. Hier ein paar Eindrücke:

Große Kirche

Engelsstatuen

Thronsaal

Gemälde von Da Vinci

Von einem russischen Künstler gestalteter Gang

Statue von Michelangelo

Von Raphael gestalteter Gang

Nach knapp 4 Stunden war ich platt! Einerseits von dem vielen, was es zu sehen gab – andererseits aber von den vielen Menschen! Am Nachmittag kamen nämlich die Gruppen verschiedenen Kreuzfahrt-Schiffen in Scharen zu Führungen. Es wurde mega anstrengend, sich da durch das Museum zu bewegen.

Ursprünglich hatte ich vor gehabt, am Nachmittag selbst noch ein bisschen Schiff zu fahren und so die Flüsse und Kanäle etwas genauer kennen zu lernen. In St. Petersburg werden nämlich ganze „Stadtrundfahrten“ per Schiff angeboten.

Allerdings hatte ich mir eine ziemliche Erkältung zugezogen und fühlte mich ziemlich schlapp. Also ging’s zurück zum Hostel: Entspannen, Tee trinken und warten bis es Zeit für den Nachtzug war.

Da ich keinen Bock hatte, mit der Erkältung den Rucksack bis zum Bahnhof zu schleppen, nahm ich ein Ueber. Das sei erwähnt, weil das für mich das erste Mal war! 😉 Aber es hat alles gut geklappt und die Fahrt war erstaunlich günstig.

Diesmal hatte ich auch keinen Zug in der dritten Klasse sondern in einen „Premiumzug“ die zweite Klasse gebucht. Das wären eigentlich gute Voraussetzungen, um erholsam zu schlafen. Doch leider hatte ausgerechnet ich eine Familie mit zwei kleinen Kindern mit mir im Vierer-Abteil. Das kleinere der beiden fand Zug fahren wohl nicht so toll und brachte das auch zum Ausdruck. Meine Nase lief natürlich auch ununterbrochen.

Nachdem das ganz nicht wirklich erholsam war und ich mich echt voll im Arsch fühlte, als ich am Sonntag, 26.8. in Moskau ankam, beschloss ich, mir noch Medikamente zu besorgen und dann einen Hostel-Tag zu machen.

Dazu muss man sagen, dass mein Hostel in der Tat ganz gut dafür geeignet war, dort etwas Zeit zu verbringen.

Aussicht vom Hostel

Der Admin (Rezeptionist) war auch total nett und fragte immer mal wieder wie es mir geht. In Ermangelung eines richtigen Schals für meinen Hals funktionierte ich übrigens meinen Hüttenschlafsack um und wickelte ihn um den Hals ;). Klappt gut.

Gegen Abend verlies ich dann aber doch mal das Hostel, um im Supermarkt etwas zum Kochen zu kaufen. Anschließend zauberte ich mir ein Dinner 😉

Nach dem Tag Erholung ging es am Montag, 27.8. wieder voll los. Ich hatte mich mit Livia, die ich über 5 Ecken kennen gelernt hatte, zu einer „Free Tour“ verabredet. Livia und ich kannten uns vorher nur über Whatsapp – und so war es eine Überraschung, ob das zwischen uns „harmonierte“ oder nicht. Es harmonierte!

Hier ein Paar Bilder von Moskau:

St. Basilius Kathedrale

Eingangstor zum Roten Platz

Nach der Tour fuhren wir in den Gorky Park, um dort etwas zu Essen und herum zu laufen.

Der Gorky Park ist der Park in Moskau. Die Stadt ist zwar grundsätzlich ziemlich grün, aber der an der Moskwa gelegene Gorky Park ist sowas wie ein „kulturelles Zentrum“. (ja: wir hatten auch den Song „Wind of change“ Im Kopf… 😉 ) Im Gorky Park gibt es Restaurants, Streetfood-Stände, Spielplätze, man kann Volleyball spielen und Räder leihen, es gibt Outdoor-Kunst und abends legen DJs Musik auf. Auch hier hat man den Eindruck, man könnte eher in Berlin sein, als in Moskau.

Nachdem wir im Gorky Park waren wollten wir uns noch auf den Weg zu den ehemaligen Gebäuden des „Roten Oktober“ machen. Dort sollte auch sowas wie ein kulturelles bzw. Szene-Zentrum sein. Aber es war eher enttäuschend. Allerdings kamen wir auf dem Weg dorthin an der Christ-Erlöser-Kathdrale vorbei. Diese ist sowas wie die „Haupzkirche“ des Russisch-orthodoxen Glaubens. Das Oberhaupt der Kirche praktiziert dort und zu hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern geht beispielsweise Putin auch in diese Kirche. In Moskau gibt es grundsätzlich leider nicht mehr so viele Kirchen, weil Stalin viele Kirchen abreißen lassen hat. Viele der Kirchen, die erhalten blieben sind, wurden zu Museen umfunktioniert.

Christ-Erlöser-Kathedrale

Livia und ich

Für das Abendessen fuhren wir dann in mein Hostel und kochten uns dort was. Wir waren beide so round about 17 km durch Moskau gelaufen (obwohl wir ab und zu Metro gefahren sind) und irgendwie platt.

Für mich war es schön, mal zur Abwechslung einen Tag in Gesellschaft zu verbringen – noch dazu mit jemanden, mit dem ich mich auf Anhieb so super gut verstand!

Apropos Metro: Die Metro-Stationen sind in Moskau total prunkvoll gestaltet und eine Sehenswürdigkeit für sich.

Den nächsten Tag gingen Livia und ich etwas gechillten an. Mit Shopping! 😉 Da sich meine Wanderschuhe leider (schon!!!) teilweise zerlegten und ich es irgendwie auch satt war, immer in Wanderschuhen rumzulaufen, kaufte ich mir doch ein paar Tunschuhe. Mega hübsche Dinger von Reebock! Auf dass der Rucksack schwer werde! Livia wollte nach Souveniers und Postkarten schauen – und bei Postkarten war ich natürlich auch dabei!

Nach de Shopping-Tour drehten wir nochmal ne Runde über den roten Platz. Dabei fielen besonders Livia zwei deutsch sprechende Herren auf, die irgendwelche „Bauklötze“ vor der St. Basilius Kathedrale stapelten. Da Livia so ein offener Typ ist und auf die Leute zu geht, ging sie hin und fragte, was es mit den Klotzen auf sich hat.

Und siehe da: Der Mann mit den Klötzen war der österreichische Architekt und Künstler Heidulf Gerngroß und die Klötze waren eine von ihm erarbeitete „Schule für Architektur“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Heidulf_Gerngross) Zentraler Bestandteil davon ist der von Heidulf „erfundene“ Archiquant, den ich als Ingenieur in als „harmonischer geometrischer Körper“ bezeichnen würde. In meinen Augen auch keine Erfindung, aber vielleicht konnte Heidulf ja irgend ein nichttechnisches Schutzrecht darauf anmelden ;).

Außerdem war mit ihn ein anderer österreichischer Künstler, Hans BIWI Lechner, unterwegs. Er hat versucht, sowas wie ein Symbol für die zentrale Frage der Menschheit (wo kommen wir her?, wozu sind wir da? usw.) zu erfinden und pinselt dieses Symbol auf Steine, die um die Welt reisen sollen.

Beide Männer kamen aus Wien.

Wir unterhielten uns kurz und bekamen einen Stein mit diesem Symbol geschenkt. Auf dass der Stein mit uns um die Welt reist…

Danach mussten wir uns aber beeilen, sonst hätten wir uns noch länger unterhalten. Lucas, ein gemeinsamer „Bekannter“(den wir aber beide auch nur aus dem Internet kannten) sollte nämlich um 15 Uhr in Moskau ankommen. Wir wollten ihn abholen. Also ging eine wilde Jagt durch die Moskauer Metro los (wir waren etwas spät dran ;)), aber es klappte dann noch alles. Wir trafen Lucas und gingen mit ihm ins Hostel, damit er duschen konnte.

Während Lucas duschte, entwickelten Livia und ich die Idee, uns nochmal mit den Künstlern zu treffen, um und nochmal in Ruhe mit ihnen zu unterhalten. Idealerweise beim Frühstück am nächsten Tag. Also schrieben wir einen der beiden mal auf Facebook an. Leider mussten die beiden am nächsten Tag schon frühmorgens abreißen, weshalb wir anpeilen wollten am Abend vielleicht noch ein Bier gemeinsam zu trinken.

Vorher stand aber noch ein anderer Programmpunkt auf dem Plan: Ein Besuch des Moskauer Fernsehturms („das höchste Gebäude Europas“) und anschließend ein Abendessen dort. Also ging’s in Richtung Fernsehturm.

Fernsehturm im Hintergrund.

Von der Führung verstanden wir leider nichts, da diese auf Russisch war. Aber Lucas, der sehr gut Russisch kann, übersetzte dann für uns.

Danach ging’s dann auf die Aussichtsplattform. Und die Aussicht war einfach nur Wow.

Und dann gings zum Abendessen ins Restaurant.

Nach dem Abendessen überlegten wir, nochmal zu den Künstlern zu fahren („nicht, dass wir dann hin fahren und die gehen dann ins Bett“). Beschlossen, es aber doch zu versuchen. Und… naja, was soll ich sagen… bei Bier und Wodka sind wir dann eben noch bis nachts um zwei versackt…

Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Heidulf in der Tat schon 82 Jahre alt ist (sagt zumindest Wikipedia).

Ich hielt mich zwar zurück mit dem Trinken, aber das Aufstehen am nächsten Tag war für mich trotzdem eine ziemliche Qual… Aber es müsste sein! Nachmittags um kurz nach 1 ging der nächste Zug (der erste „Transsibirische Zug“) nach Jekaterinburg.

Livia und Lucas brachten mich netterweise noch mit zum Bahnhof – und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen…

Start in die Reise und Riga

Jetzt bin ich (endlich) unterwegs…

Ich möchte gerne erzählen, wie es bei mir los ging und von meinem „ersten Stop“ in Riga.

Am Montag, dem 20. 8. war’s soweit. Mit dem Zug ging es erstmal nach Berlin und von Berlin aus dann weiter mit dem Bus nach Riga. In Berlin hatte ich 3 Stunden Aufenthalt- sicherheitshalber (man weiß ja nie bei der Deutschen Bahn). Die Bahn war aber diesmal pünktlich, der Puffer war übrig und so gab’s einen kleinen „Hauptstadtspaziergang“ und ein Abendessen mit Bierchen an der Spree.

Dann ging’s mit einem flauen Gefühl im Magen weiter Richtung ZOB.

War es wirklich eine gute Idee, eine 20 Stunden (!) dauernde Busfahrt zu buchen? Hätte ich nicht besser meinen Stolz runter schlucken und nen Flug buchen sollen?

Das Gefühl blieb auch, als ich dann im Bus saß: Ich hatte das Gefühl, dass außer mir keiner der Insassen Deutsch oder Englisch sprach. Und der Bus war gestopft voll!

Aber naja: Ich war eh einfach nur verdammt müde und wollte schlafen… das konnte ich aber erst nur bedingt: Zunächst war die Busbegleiterin da und wollte nochmal mein Ticket haben („you’ll geh it back shortly before Riga“ – na toll! Wenigstens nur das Ticket und nicht den Ausweis!). Dann wurden wir an der Grenze zu Polen von der Polizei angehalten, die alle Ausweise kontrollieren wollte – und dazu muss man natürlich wach bleiben. An einem anderen Tag wäre ich alleine vor Aufregung wohl wach geblieben, aber diesmal war ich sooo müde, dass ich kaum die Augen offen halten konnte. (Die Kontrolle war bei mir mit meinem deutschen Pass übrigens kein Problem – im Gegensatz zu einigen anderen, deren Pass bzw. Visum nochmal extra überprüft werden musste)

Nach der Kontrolle war dann (Gottseidank) erstmal Ruhe und ich schlief durch bis wir um 6 oder 7 in Warschau an kamen. Da dort ein Großteil der Insassen (auch mein Nebenmann) ausstiegen, hatte ich danach mehr Platz und ich konnte mich so richtig breit machen – und weiterschlafen.

Der nächste Stopp (noch in Polen) war Bialystok. Erwähnenswert, weil mir die Stadt beim Durchfahren irgendwie gefiehl. Ein hübsches, polnisches Städtchen. Hier ein Bild vom Bahnhof:

Nach Bialystok ging’s dann eher „auf Landstraßen“ weiter Richtung Litauen, ich schaute viel aus dem Fenster und konnte die Landschaften (Felder, Wälder, Wiesen, viel grüner als bei uns gerade) genießen.

An der Grenze zu Litauen hieß es dann das erste Mal „Uhr umstellen“ (eine Stunde vor).

Der Rest der Fahrt verlief unspektakulär: Ich konnte dösen, aus dem Fenster schauen, lesen (ich hatte die ganze Zeit über zwei Plätze zur Verfügung). Und so war dann die Busfahrt im Endeffekt halb so schlimm wie gedacht und ich kam halbwegs ausgeschlafen und fit in Riga an.

Das Hostel (Tree Hostel) bereitete mir einen sehr schönen Empfang. Ich lief auch gleich Vladimir, einem jungen Russen über den Weg und wir machten was fürs Abendessen aus. Ich dachte mir, dass ist eine gute Gelegenheit, um etwas über Russland zu erfahren… Außerdem fand ich es schön, nach dem fast „gesprächslosen“ Bus-Tag ein bisschen Unterhaltung zu haben.

Beim Abendessen stellte sich heraus, dass Vladimir seinen Vornamen nicht mag, weil er nicht gerne so heißt wie Putin. Außerdem übte er auch Kritik an der WM in Russland: „this country has big problems“, „it was mit good to spend all the money just for Football“. Also nichts von Nationalstolz. Eine sehr nüchterne Betrachtungsweise, die uns als Westeuropäern sehr nachvollziehbar erscheint – aber sie von einem jungen Mann aus Russland zu hören ist doch etwas anderes.

Vladimir erzählte mir, dass er ganz im Westen Russlands an der Grenze zu Finnland (2km nach Finnland) wohnt. Dh er ist fast täglich in Finnland. Die Gegend ist im Sommer sehr schön und es kommen Urlaubsgäste. Vladimir hat ein Appartement, das er vermietet und außerdem beherbergt er Couchsurfer. Im Winter wird es dort aber schon mal -30 bis -40 Grad kalt.

Er erzählte mir auch, dass er reisen geht, um (wie seine Gäste) mehr von der Welt zu sehen – und sein Englisch zu verbessern.

Allzu viel Englisch ist in Riga aber für die Russen nicht notwendig. Ich habe das Gefühl, die Menschen sprechen besser Russisch als Englisch. Das hat wohl einerseits damit zu tun, dass während des Eisernen Vorhangs viele Russisch gelernt haben. Es liegt aber auch daran, dass nach dem 2. Weltkrieg in den 50er Jahren die Bevölkerung so drastisch reduziert war (-1/3 durch Krieg und Deportation), dass Menschen aus Russland dazu aufgefordert wurden nach Lettland zu migrieren. Diese Menschen und deren Nachkommen leben immer noch dort. (habe ich bei einer Führung gelernt)

Nach dem Ausschlafen (bin ja schließlich im Urlaub ;)) und einem Frühstück gemeinsam mit anderen Hostel-Gästen ging es am nächsten Tag dann auf Sightseeing-tour.

Riga hat eine verhältnismäßig kleine Altstadt und alle wichtigen Sehenswürdigkeiten lassen sich zu Fuß vom Hostel aus erreichen. Die (Alt)Stadt ist aber sehr schön und hat einiges zu bieten. So hat Riga zum Beispiel viele hundert Jugendstil-bauwerke (ich glaube sogar über 400).

Bei einer Führung lernte ich auch, dass Riga, bzw. Lettland insgesamt eine sehr bewegte Geschichte hatte und immer wieder von „Missionierern“ und „Eroberern“ in Beschlag genommen wurde – auch von Deutschen Missionaren und Eroberern (Stichwort „Deutschorden“) aber auch Schweden, Polen, Russen… Erst nach dem 1. Weltkrieg ergab sich eine Art „Machtvakuum“, das die Letten nutzten, um einen eigenen Staat auszurufen. Das war im November 1918 – also vor 100 Jahren. Aber auch seitdem wurde diese Selbständigkeit ja wieder durch die Sowjetunion unterbrochen…

Lettland ist ein kleines Land – aber immer noch größer als z.B. die Schweiz oder Dänemark. Das Land ist aber mit nur 2 Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt und hat (wie auf der Herfahrt ja schon von mir gesehen) viel Wald, Wiesen, Felder.

So viel zur Geschichte 😉 . Jetzt ein paar Bilder. (leider hab ich die meisten in RAW auf der Kamera und kann sie deshalb nicht teilen. Aber das nächste mal wird’s besser!)

St. Peter Kirche

Riga von oben

nochmal Riga von oben – diesmal mit mir

(lustige Annektode dazu: das Foto wurde von zwei französischen Männern, vermutlich ein Päärchen, gemacht. Die beiden Ständen gemeinsam hinter der Kamera und haben auf Französisch darüber diskutiert, wie sie am besten fotografieren. Heraus kam die Fotoserie: Katharina und Riga ;). Ich hab die beiden natürlich auch fotografiert)

Innenstadt von Riga

In einem Park

Springbrunnen

Die „Drei Brüder“. Drei Häuser aus drei verschiedenen Epochen, die zeigen sollen, wie sich die Architektur im Laufe der Zeit verändert hat. (rechts das älteste)

Markthalle von Riga (In einem ehem. Zeppelinhangar)

Stand in der Halle (ich hab dort gekauft. Weil gesunde Ernährung ist schließlich wichtig, wenn man so lange unterwegs sein will 😉 )

Fassade im Jugenstil

Jugendstil-Haus

Jugendstil-Haus

Teil des Buddy-Bear Kunsprojekts. Im Rahmen des Projektes, das einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten soll, würde für jedes Land ein Bär gestaltet. (wen es interessiert- einfach mal googeln)

Auf dem Weg zum Strand

Am Strand

Einmal schlafen noch…

Morgen geht´s los!

So richtig ist das bei mir immer noch nicht angekommen. Die letzten Wochen und Tage waren voll mit irgendwelchen Kleinigkeiten, die noch erledigt werden mussten und natürlich voller Abschiede von Freunden, Familie, Arbeitskollegen…

Einige der Abschiede haben mich wirklich ziemlich gerührt.

Am letzten Mittwoch (15. 8.) habe ich meine Wohnung ausgeräumt und geputzt und bin zu den Elten gezogen. Die Wohnung habe ich für die Zeit in der ich nicht da bin untervermietet.

Gerade sitze ich auch bei den Eltern auf der Terasse und warte darauf, dass mein Reiseführer endlich auf mein Kindle geladen werden.

Dann heißt es noch ein bisschen entspannen, einmal schlafen und dann gehts morgen Nachmittag auch los in Richtung Berlin (erstmal).