St. Petersburg und Moskau – Venedig und Wien in Russland

Am letzten Freitag (24.8.) bin ich nach Russland eingereist.

Der erste Stopp war St. Petersburg. Hier habe ich mal ein bisschen experimentiert und mich in einem sogenannten „Capsule Hostel“ eingemietet (Bilder hab ich leider keine, findet man aber wenn man YourSpace St. Petersburg googelt). Hier hat jeder Gast quasi eine Art „Box“ in der er schläft. Die Idee ist, dass man ein bisschen „abgekapselter“ schlafen kann, als in einem Dorm mit Stockbetten. Das stimmt – ich fand das Konzept aber irgendwie trotzdem nicht so überzeugend weil diese Kapseln einerseits sehr klein waren (Rucksack mit rein nehmen ist kaum möglich) und ich diese kleinen dunklen Kapseln ohne Tageslicht einfach nicht sympathisch fand. Das Hostel befand sich aber in einem Gebäudekomplex, in dem ganz viele „Szeneläden“ (Geschäfte, Bars, Restaurants, Kaffees etc.) untergebracht waren. Sowas könnte man auch nach Berlin stecken.

An meinem ersten Tag gönnte ich mir in einem Kaffee dort einen Cheesecake und eine Art Kaffee-Shake (beides mega lecker) bevors los ging, zu Fuß die Stadt zu erkunden. Übrigens bei bestem Wetter!

St. Petersburg wird oft auch als das „Venedig des Ostens“ bezeichnet, weil es neben dem Hauptfluss, der Newa, viele andere Flüsse, Kanäle und Inseln hat – und dazu natürlich viele Brücken. Man kann hier viel über das Wasser erreichen.

Darüber hinaus ist die Stadt einfach ein totales Schmuckkästchen: Ein hübsches Gebäude reiht sich neben das andere.

Hier einfach mal ein paar Eindrücke:

Newsky Prospekt, Haupt- und Prachtstraße

Newsky-Prospekt

Admiralsky – ehem. Militärbasis

Der Versuch eines Selfies auf dem Palastplatz

Gesehen auf dem Palastplatz (Der doppelköpfige Adler war Zeichen der Zaren)

St Isaac Kathadrale

Auf der Aussichtsplattfortm der St. Isaacs Kathedrale (es ging viel Wind)

Erlöserkirche

Erlöserkirche

Sommer Garten

St. Petersburg ist definitiv eine Reise, bzw in meinem Fall einen Umweg, wert. Es gibt so viel zu sehen. Hätte ich mich vorher ein bisschen eingehender damit beschäftigt, hätte ich dort drei oder vier Tage eingeplant. So hatte ich nur zwei Tage dort.

An meinem zweiten Tag (Samstag, 25.8.) stand ein Besuch der Eremitage, der großen Kunstsammlung auf dem Programm. Alleine die Architektur und das Gebäude der Eremitage sind beeindruckend. Das Haupt-Treppenhaus mit dem großen Deckengemälde erinnerte mich ein bisschen an die Residenz in Würzburg.

Nachdem ich mich ein bisschen orientiert hatte wanderte ich durch die Gänge mit Russischer und europäischer Kunst. Hier ein paar Eindrücke:

Große Kirche

Engelsstatuen

Thronsaal

Gemälde von Da Vinci

Von einem russischen Künstler gestalteter Gang

Statue von Michelangelo

Von Raphael gestalteter Gang

Nach knapp 4 Stunden war ich platt! Einerseits von dem vielen, was es zu sehen gab – andererseits aber von den vielen Menschen! Am Nachmittag kamen nämlich die Gruppen verschiedenen Kreuzfahrt-Schiffen in Scharen zu Führungen. Es wurde mega anstrengend, sich da durch das Museum zu bewegen.

Ursprünglich hatte ich vor gehabt, am Nachmittag selbst noch ein bisschen Schiff zu fahren und so die Flüsse und Kanäle etwas genauer kennen zu lernen. In St. Petersburg werden nämlich ganze „Stadtrundfahrten“ per Schiff angeboten.

Allerdings hatte ich mir eine ziemliche Erkältung zugezogen und fühlte mich ziemlich schlapp. Also ging’s zurück zum Hostel: Entspannen, Tee trinken und warten bis es Zeit für den Nachtzug war.

Da ich keinen Bock hatte, mit der Erkältung den Rucksack bis zum Bahnhof zu schleppen, nahm ich ein Ueber. Das sei erwähnt, weil das für mich das erste Mal war! 😉 Aber es hat alles gut geklappt und die Fahrt war erstaunlich günstig.

Diesmal hatte ich auch keinen Zug in der dritten Klasse sondern in einen „Premiumzug“ die zweite Klasse gebucht. Das wären eigentlich gute Voraussetzungen, um erholsam zu schlafen. Doch leider hatte ausgerechnet ich eine Familie mit zwei kleinen Kindern mit mir im Vierer-Abteil. Das kleinere der beiden fand Zug fahren wohl nicht so toll und brachte das auch zum Ausdruck. Meine Nase lief natürlich auch ununterbrochen.

Nachdem das ganz nicht wirklich erholsam war und ich mich echt voll im Arsch fühlte, als ich am Sonntag, 26.8. in Moskau ankam, beschloss ich, mir noch Medikamente zu besorgen und dann einen Hostel-Tag zu machen.

Dazu muss man sagen, dass mein Hostel in der Tat ganz gut dafür geeignet war, dort etwas Zeit zu verbringen.

Aussicht vom Hostel

Der Admin (Rezeptionist) war auch total nett und fragte immer mal wieder wie es mir geht. In Ermangelung eines richtigen Schals für meinen Hals funktionierte ich übrigens meinen Hüttenschlafsack um und wickelte ihn um den Hals ;). Klappt gut.

Gegen Abend verlies ich dann aber doch mal das Hostel, um im Supermarkt etwas zum Kochen zu kaufen. Anschließend zauberte ich mir ein Dinner 😉

Nach dem Tag Erholung ging es am Montag, 27.8. wieder voll los. Ich hatte mich mit Livia, die ich über 5 Ecken kennen gelernt hatte, zu einer „Free Tour“ verabredet. Livia und ich kannten uns vorher nur über Whatsapp – und so war es eine Überraschung, ob das zwischen uns „harmonierte“ oder nicht. Es harmonierte!

Hier ein Paar Bilder von Moskau:

St. Basilius Kathedrale

Eingangstor zum Roten Platz

Nach der Tour fuhren wir in den Gorky Park, um dort etwas zu Essen und herum zu laufen.

Der Gorky Park ist der Park in Moskau. Die Stadt ist zwar grundsätzlich ziemlich grün, aber der an der Moskwa gelegene Gorky Park ist sowas wie ein „kulturelles Zentrum“. (ja: wir hatten auch den Song „Wind of change“ Im Kopf… 😉 ) Im Gorky Park gibt es Restaurants, Streetfood-Stände, Spielplätze, man kann Volleyball spielen und Räder leihen, es gibt Outdoor-Kunst und abends legen DJs Musik auf. Auch hier hat man den Eindruck, man könnte eher in Berlin sein, als in Moskau.

Nachdem wir im Gorky Park waren wollten wir uns noch auf den Weg zu den ehemaligen Gebäuden des „Roten Oktober“ machen. Dort sollte auch sowas wie ein kulturelles bzw. Szene-Zentrum sein. Aber es war eher enttäuschend. Allerdings kamen wir auf dem Weg dorthin an der Christ-Erlöser-Kathdrale vorbei. Diese ist sowas wie die „Haupzkirche“ des Russisch-orthodoxen Glaubens. Das Oberhaupt der Kirche praktiziert dort und zu hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern geht beispielsweise Putin auch in diese Kirche. In Moskau gibt es grundsätzlich leider nicht mehr so viele Kirchen, weil Stalin viele Kirchen abreißen lassen hat. Viele der Kirchen, die erhalten blieben sind, wurden zu Museen umfunktioniert.

Christ-Erlöser-Kathedrale

Livia und ich

Für das Abendessen fuhren wir dann in mein Hostel und kochten uns dort was. Wir waren beide so round about 17 km durch Moskau gelaufen (obwohl wir ab und zu Metro gefahren sind) und irgendwie platt.

Für mich war es schön, mal zur Abwechslung einen Tag in Gesellschaft zu verbringen – noch dazu mit jemanden, mit dem ich mich auf Anhieb so super gut verstand!

Apropos Metro: Die Metro-Stationen sind in Moskau total prunkvoll gestaltet und eine Sehenswürdigkeit für sich.

Den nächsten Tag gingen Livia und ich etwas gechillten an. Mit Shopping! 😉 Da sich meine Wanderschuhe leider (schon!!!) teilweise zerlegten und ich es irgendwie auch satt war, immer in Wanderschuhen rumzulaufen, kaufte ich mir doch ein paar Tunschuhe. Mega hübsche Dinger von Reebock! Auf dass der Rucksack schwer werde! Livia wollte nach Souveniers und Postkarten schauen – und bei Postkarten war ich natürlich auch dabei!

Nach de Shopping-Tour drehten wir nochmal ne Runde über den roten Platz. Dabei fielen besonders Livia zwei deutsch sprechende Herren auf, die irgendwelche „Bauklötze“ vor der St. Basilius Kathedrale stapelten. Da Livia so ein offener Typ ist und auf die Leute zu geht, ging sie hin und fragte, was es mit den Klotzen auf sich hat.

Und siehe da: Der Mann mit den Klötzen war der österreichische Architekt und Künstler Heidulf Gerngroß und die Klötze waren eine von ihm erarbeitete „Schule für Architektur“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Heidulf_Gerngross) Zentraler Bestandteil davon ist der von Heidulf „erfundene“ Archiquant, den ich als Ingenieur in als „harmonischer geometrischer Körper“ bezeichnen würde. In meinen Augen auch keine Erfindung, aber vielleicht konnte Heidulf ja irgend ein nichttechnisches Schutzrecht darauf anmelden ;).

Außerdem war mit ihn ein anderer österreichischer Künstler, Hans BIWI Lechner, unterwegs. Er hat versucht, sowas wie ein Symbol für die zentrale Frage der Menschheit (wo kommen wir her?, wozu sind wir da? usw.) zu erfinden und pinselt dieses Symbol auf Steine, die um die Welt reisen sollen.

Beide Männer kamen aus Wien.

Wir unterhielten uns kurz und bekamen einen Stein mit diesem Symbol geschenkt. Auf dass der Stein mit uns um die Welt reist…

Danach mussten wir uns aber beeilen, sonst hätten wir uns noch länger unterhalten. Lucas, ein gemeinsamer „Bekannter“(den wir aber beide auch nur aus dem Internet kannten) sollte nämlich um 15 Uhr in Moskau ankommen. Wir wollten ihn abholen. Also ging eine wilde Jagt durch die Moskauer Metro los (wir waren etwas spät dran ;)), aber es klappte dann noch alles. Wir trafen Lucas und gingen mit ihm ins Hostel, damit er duschen konnte.

Während Lucas duschte, entwickelten Livia und ich die Idee, uns nochmal mit den Künstlern zu treffen, um und nochmal in Ruhe mit ihnen zu unterhalten. Idealerweise beim Frühstück am nächsten Tag. Also schrieben wir einen der beiden mal auf Facebook an. Leider mussten die beiden am nächsten Tag schon frühmorgens abreißen, weshalb wir anpeilen wollten am Abend vielleicht noch ein Bier gemeinsam zu trinken.

Vorher stand aber noch ein anderer Programmpunkt auf dem Plan: Ein Besuch des Moskauer Fernsehturms („das höchste Gebäude Europas“) und anschließend ein Abendessen dort. Also ging’s in Richtung Fernsehturm.

Fernsehturm im Hintergrund.

Von der Führung verstanden wir leider nichts, da diese auf Russisch war. Aber Lucas, der sehr gut Russisch kann, übersetzte dann für uns.

Danach ging’s dann auf die Aussichtsplattform. Und die Aussicht war einfach nur Wow.

Und dann gings zum Abendessen ins Restaurant.

Nach dem Abendessen überlegten wir, nochmal zu den Künstlern zu fahren („nicht, dass wir dann hin fahren und die gehen dann ins Bett“). Beschlossen, es aber doch zu versuchen. Und… naja, was soll ich sagen… bei Bier und Wodka sind wir dann eben noch bis nachts um zwei versackt…

Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Heidulf in der Tat schon 82 Jahre alt ist (sagt zumindest Wikipedia).

Ich hielt mich zwar zurück mit dem Trinken, aber das Aufstehen am nächsten Tag war für mich trotzdem eine ziemliche Qual… Aber es müsste sein! Nachmittags um kurz nach 1 ging der nächste Zug (der erste „Transsibirische Zug“) nach Jekaterinburg.

Livia und Lucas brachten mich netterweise noch mit zum Bahnhof – und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen…

Ein Gedanke zu „St. Petersburg und Moskau – Venedig und Wien in Russland“

  1. Super toll zu lesen. Hat Spaß gemacht und ich bin eigentlich total neidisch auf dich was du erlebst. Lese gleich den nächsten Abschnitt!! Hab etwas aufzuholen. Tja! Liebe Grüße von deiner Mama

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