Moskau bis Irkutsk – ab nach Sibirien!

Am letzten Mittwoch (29.8.) bin ich in Moskau auf die „klassische“ Transib-Route gestartet. Meine erste Strecke war von Moskau nach Jekaterinburg und für ein Zeitdauer von fast 27 Stunden geplant.

Nachdem ich also mit Livia und Lukas nochmal was gegessen hatte ging’s los. Es gab bei mir übrigens kleine „Dumplings“ gefüllt nur mit Hackfleisch und einen Salat mit sehr viel Majo (gesunde Ernährung adé).

Angekommen in „meinem“ Abteil (diesmal ein 4er Abteil in der zweiten Klasse) stellten wir Mitfahrerinnen uns erstmal gegenseitig vor. Das ging auch ohne Zuhilfenahme von Google Translator- beim Rest wurde es dann schwieriger. Mit mir waren drei andere Frauen unterwegs (Ich hatte glaube ich die Möglichkeit gehabt, ein reines Frauenabteil zu buchen). Zwei waren so schätzungsweise um die 60 und die dritte war sehr jung, Anfang 20 denke ich. Mit Händen und Füßen und natürlich Google Translator erzählten wir uns wo wir hin fahren und ich erzählte, woher ich komme. Dann, kaum war der Zug losgefahren, machten sich die älteren Damen dran, Brotzeit auszupacken. Es gab Salami, Käse, Brot und Gemüse aus dem eigenen Garten bzw. der eigenen Dacha. Ich wurde – natürlich – eingeladen, mich zu bedienen! Also gab’s noch etwas Gemüse als Nachspeise auf den eh schon vollen Magen. Als Revanche bat ich (nach dem Essen) was von meinen (leider schon halb verschmolzenen) Merci-Schokoladen an.

Danach ging so alles seinen Gang: Jede machte ihr Bett und chillte/schlief/las oder schaute nur aus dem Fenster.

Ich hatte für alle meine Fahrten bisher eines der beiden unteren Betten gewählt. Das hat einige Vorteile ist aber auch teurer.

Das schöne am Zug fahren ist, dass man sich quasi frei im Zug bewegen kann. Man kann in den Gang laufen, um von dort aus dem Fenster zu schauen, zum Samowar laufen, um sich warmes Wasser zu holen, aufs Klo oder in den Speisewagen gehen.

Video vom Gang eines Zuges aus.

Samowar

Foto aus dem Fenster (hinten sieht man noch den „Schwanz“ des Zuges)

Sonnenuntergang (vom Abteilfenster aus fotografiert)

Mit Ausnahme der Toiletten, die ziemlich (schnell) eklig sind, ist alles im Zug verhältnismäßig sauber und der jeweilige Zugbegleiter schaut darauf, dass das so bleibt, indem er oder sie zB immer mal den Gang wischt oder die Teppiche in den Abteilen saugt.

Wie schon erwähnt, ist der Samowar einer der zentralen „Punkte“ im Abteil. Hier kann man sich Wasser für Tee oder diverse Fertigprodukte holen. Und nach allem was ich mitbekommen habe, sind die Russen große Fans von 5-Minuten-Terrine und Co.

Mein Essen

Die meisten haben selbst Becher/Tassen für Tee dabei. Aber wer nichts dabei hat (oder den Becher gerade nicht findet, wie ich 😉 ), kann sich so ein hübsches Glas ausleihen. Mir wurde aber auch schon ein neues, unbenutztes Glas als Souvenir angeboten – und würde ich nicht so lange reisen hätte ich wohl tatsächlich eines gekauft, weil ich finde, es ist eine schöne Erinnerung.

Zurück zur Fahrt nach Jekaterinburg: Auf dieser Fahrt nahm mich die Dame mir gegenüber (Ich glaube, sie hieß Tanja) ein bisschen unter ihre Fittiche. Beim ersten längeren Halt nahm sie mich mit raus, um draußen ein bisschen auf dem Bahnsteig hin und her zu laufen. Das ist so Standard. Bei Stops von 20 Minuten und mehr gehen viele kurz raus, um sich die Füße zu vertreten. Auf den Bahnsteigen gibt es Kioske oder es stehen „Anwohner“ oder, die, quasi mit einem Bauchladen, verschiedenes verkaufen: Obst, Gemüse, Backwaren, aber auch Schmuck oder Teeservice.

Bahnsteig mit Kiosk

Ich kaufte mir einmal Blaubeeren.

Im Zug hängt der Fahrplan mit den Stops und (ganz wichtig!) mit den Zeitzonen aus.

Und ich bin wirklich erstaunt, wie pünktlich die Züge immer an den einzelnen Stationen ankamen und auch wieder abfuhren. Ich vermute, das ist darauf zurück zu führen, dass hier genug (Puffer-)Zeit mit eingeplant ist. Es gibt regelmäßig längere Zwischenhalte, bei denen der Zug kontrolliert wird und diese Zwischenhalte sind natürlich auch Puffer, wenn ein Zug doch mal 5 Minuten Verspätung hat.

Nach ein paar Stunden im Zug habe ich mich bisher immer an den „etwas langsameren“ Gang gewöhnt und bin ein bisschen runter gekommen. Ich habe es genossen, einfach nur aus dem Fenster zu schauen oder einfach mal tagsüber ein paar Stunden zu schlafen.

Schlaf ist ein gutes Stichwort: In den Abteilen der zweiten Klasse habe ich bisher immer mega gut geschlafen! Das liegt denke ich, daran, dass man die Türe zum Abteil zu machen und das Licht auch vollständig aus machen kann. Und dann ist Ruhe!

Nach meiner ersten Fahrt kam ich, wie geplant, am nächsten Tag super pünktlich in Jekaterinburg an.

Die Stadt ist unter anderem dafür bekannt, dass hier 1917 die letzte Zarenfamilie (die Romanows) brutal von den Bolschwiki ermordet wurde. Außerdem kommt der erste frei gewählte President Russlands, Boris Jelzin, aus der Region. Jelzin ist sowas wie der Regionalheld und ihm ist ein modernes Zentrum (mit Geschäften, Co-Working-Spaces, Kaffees und sogar einem Museum) gewidmet.

Jelzin-Zentrum

Mir ist die Stadt als eine moderne und überraschend bunte Stadt aufgefallen.

Hier ein paar Eindrücke

Geografisch liegt Jekaterinburg zudem schon in Asien – auch wenn sich das für mich nicht so anfühlte. 😉

Mein nächster Halt entlang der Transsib-Route war am 2. und 3. September Krasnoyarsk. Und damit eine Stadt mitten in Sibirien.

An meinem ersten Tag dort machte ich eher einen ruhigen (war ja eh Sonntag) und schloss mich den Russen an, die in einem auf einer zum Park deklarierten Insel des Flusses Jenissej ihre Freizeit verbrachten. Mit Rad oder Inlineskates fahren, joggen oder ähnlichem…

Ich für meinen Teil lieh mir für eine Stunde ein Rad aus und fuhr damit ein bisschen durch die Gegend.

Danach holte ich mir an einem „Kaffee-Bus“ einen Kaffee und spazierte entlang des Flusses Richtung Stadt.

Der zweite Tag in Krasnoyarsk (Montag, 3.9.) wurde aber um einiges anstrengender. Ich hatte gemeinsam mit einem Belgier, Kobe, eine geführte Tour durch den Stolby-Nationalpark. Unser Führer Anatoliy führte uns 25 km durch den sibirischen Wald und erklärte uns einiges über die Tiere und Pflanzen dort. Charakteristisch für den Nationalpark sind die Felsformationen, die immer wieder aus dem Boden ragen – und an denen man auch Klettern kann ;)!

Ein bisschen „versuchten“ wir uns auch an der Kraxelei und kletterten (ungesichert) auf ein paar einfache Felsen.

Mittlerweile bin ich aber schon nicht mehr in Krasnoyarsk. Seit Dienstag, dem 4. September bin ich in Irkutsk in der Nähe des Baikalsees. Bis zum 12. September bleibe ich hier am Baikalsee – bevor es dann weiter geht in Richtung Mongolei.

Hier einfach schon mal ein paar Fotos aus Irkutsk:

Wie man vielleicht sehen kann ist das Wetter hier nicht gerade ideal. Am 5. 9. habe ich bei 8 Grad und Regenwetter eine Stadttour gemacht – und es gibt in der Tat schöneres…

2 Gedanken zu „Moskau bis Irkutsk – ab nach Sibirien!“

  1. Wir müssen deine berichte noch mal lesen und anschauen. Jetzt habe ich das ypad und da kann ich die ganzen schönen bilder sehr gut anschauen. Ich finde, es ist überall sehr sauber und ordentlich. Freue mich schon auf den nächsten beitrag. Ich habe manches auch schon 2,3 mal gelesen. Macht Spaß die beiträge zu lesen.

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