Angekommen in China

In der Nacht vom 20. auf den 21. September (nach genau einem Monat unterwegs) bin ich nach China eingereist und bin nun schon seit fast zwei Wochen in China.

In der Zeit habe ich mit Simon, den ich in Xi’an getroffen habe, ein paar sehr unterschiedliche Seiten des Landes kennen gelernt.

Mein erster Stopp (noch alleine) war Datong. Dort wollte ich mir, wie erwähnt, eigentlich ein hängendes Kloster ansehen. Da das aber geschlossen hatte, gönnte ich mir erst mal ein bisschen Ruhe. Die Einreise war relativ anstrengend, weil ich zweimal über 4 Stunden am Bahnhof warten musste.

Das erste Mal wartete ich mitten in der Nacht nach der Einreise, die diesmal über einen Schalter statt fand, am Bahnhof von Erlian zusammen mit hunderten anderen Reisenden (Touristen wie ich), die mit mir im Zug nach Peking saßen. Diese Wartezeit war der „Umspurung“ des Zuges geschuldet: Die Schienenbreite in der ehem. Sowjetunion ist eine andere als die in China (bzw. soweit ich weiß dem Rest der Welt). Das heißt, der gesamten Zug mit dem bestimmt 15 oder mehr Waggons musste an die neue Breite angepasst werden. Dafür mussten die Passagiere raus und es durfte auch niemand zuschauen.

Also saß ich da und wartete…

Lustigerweise hatte ich unterwegs ein paar andere Gruppen (u.a. drei Frauen aus England) kennen gelernt, die ich immer wieder am oder im Zug traf. Das machte das Warten dann weniger langweilig.

Die Passagiere, die bis nach Peking fuhren hatten nach der Weiterfahrt bis ca. 15 Uhr Zeit, sich auszuschlafen – aber ich hatte mich dazu entschlossen, den Zug schon in Jining in der Inneren Mongolei zu verlassen. Um 6 Uhr morgens nach 4 Stunden Schlaf oder so. Die Weiterfahrt nach Datong sollte gegen 11 erfolgen. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich am Bahnhof evtl. einen Kaffee und irgendwelches Gebäck bekommen könnte – aber das war nicht so einfach. Und so wartete ich, mega müde, über 4 zähe Stunden und verschlang dabei meinen gesamtem restlichen Proviant (viel zu viel Snickers und noch dazu Ersnussbutterbrot 😉 ). Nach einer Überdosis an Ernussbutter lernte ich erfreulicherweise ein Paar aus den Niederlanden kennen, die auch nach Datong wollten. So hatte ich wenigstens etwas Unterhaltung…

In Datong machte ich wie gesagt erstmal nen ruhigen. Am nächsten Tag schaute ich mir noch den Huayan Tempel in der „Altstadt“ an.

Wobei das Wort Altstadt hier nicht wirklich zutrifft: Wie das in vielen chinesischen Städten der Fall ist, wurde die gesamte Altstadt abgerissen und wieder „wie alt“ aufgebaut. Da in der Region, wie eben in vielen anderen Regionen auch, früher intensiv Kohle abgebaut/verarbeitet wurde, ohne darauf auf die Umwelt zu achten, war die ursprüngliche Altstadt komplett mit Kohlestaub überzogen und nicht mehr ansehnlich. Und anstatt zu renovieren wurde eben abgerissen und wieder neu gebaut. „Illogical for sure, but this is China.“ schreibt dazu der Lonely Planet. Christoph Rehage dessen Buch „The longest way“ ich gerade lese (übrigens sehr empfehlenswert!), kommentiert das mangelnde Umweltbewusstsein und die „blinde Bauwut“ der Chinesen mit ähnlichem Unverständnis.

Jetzt aber trotzdem mal ein paar Bilder von der „Altstadt“ und dem Tempel:

Nach einem guten Tag in Datong ging’s für mich dann auch schon wieder weiter: Mit dem Nachtzug nach Xi’an.

Dort traf ich mich dann mit Simon und wir schauten uns erstmal die Stadt, und insbesondere die Stadtmauer an. Die Stadtmauer ist eine der wenigen vollständig erhaltenen in China. Sie wurde 1370 in der Ming Dynastie gebaut – wobei die Mauer natürlich zwischenzeitlich renoviert und teilweise wieder aufgebaut wurde.

Am Abend gingen wir dann noch ins Muslim Quarter. Als ehemaliger Endpunkt der Seidenstraße ist Xi’an ein Schmelztiegel der Kulturen und Religionen und hat auch eine große muslimische Bevölkerung. Früher war das muslimische Viertel wohl auch bekannt für die dort verkauften kulinarischen Spezialitäten. Mittlerweile ist es wohl eher ein bisschen in Richtung einer Streetfood-Fress-Meile mutiert. So war zumindest unser Eindruck, als wir uns zwischen den verschiedenen Ständen durchprobiert haben.

In Xi’an (bzw. eigentlich ein paar km entfernt von der Stadt) hatten wir am nächsten Tag noch DIE Sehenswürdigkeit vor uns: Die Terakotta Armee.

Vor über 2000 Jahren wurde diese Armee für Qin Shi Huang, den ersten Herrschers der China vereint hat, gebaut. Qin Shi Huang erwartete wohl, dass seine Herrschaft im Jenseits weitergeht und lies sich deshalb eine massive Armee aus Terakottafiguren bauen und sie quasi im Untergrund verstecken. Das tragische daran war, dass er die Arbeiter, die die Figuren machten gleich mit begraben lies (vermutlich weil niemand wissen sollte, wo sich diese Armee befindet). Die Arbeiter hinterließen aber ihre Spuren: Sie gaben den Figuren ihre Gesichter und auf manchen Figuren sind auch Signaturen der Arbeiter zu finden. So ist jede Figur ein Unikat. Entdeckt wurde die Armee übrigens erst 1974 eher zufällig von einem Bauern. Die meisten der Figuren würden im Laufe der Zeit zerstört, da quasi die Decke über den versteckten Räumlichkeiten einstürzte. Der Großteil der Figuren musd somit noch ausgegrabenen und wieder zusammen gebaut werden. Das kann noch bis zu 70 Jahren dauern. Also könnte ich quasi zu meinem 100. Geburtstag wieder nach Xi’an gehen und mir die vollständige Armee anschauen 😉

Während unserer Zeit in Xi’an besuchen Simon und ich außerdem noch das Tang Dinasty Theater, wo traditionelle Musik und Tänze aus der Tang Dynastie aufgeführt wurden.

Außerdem ließen wir uns zu einer traditionellen chinesischen Massage hinreißen. Für mich einmal und nie wieder: 60 Minuten lang wurden wir „malträtiert“ und ich musste mehrmals die Zähne zusammen beißen…

Nach Xi’an stand für uns ein Ausflug in die ehemals tibetische Region Amdo auf dem Plan. Einerseits hofften wir hier den Horden der „Golden Week“- Touristen zu entfliehen (in der ersten Woche im Oktober hat ganz China frei und ist unterwegs), andererseits war es eine willkommene Abwechslung zu den großen Städten.

Die ganze Region, die wir besucht haben war sehr hoch (ca. 3.000m und teilweise höher) gelegen und die Landschaften muteten schon vom Bus- Fenster aus leicht alpin an.

Zunächst waren wir für zwei Tage in Xiahe (Region Gansu), einer kleinen Stadt mit in etwa 65% tibetischer Bevölkerung. Xiahe ist insbesondere bekannt für das Labrang Kloster, in dem auch Heute noch 2.000 Mönche leben. Im Höhepunkt, vor der chinesischen Kulturrevulution, waren es fast 4.000 Mönche. (Kulturrevulution bitte googeln, das zu erklären wäre zu umfangreich. Ganz knapp erklärt, hat der Machthaber Mao in seinen letzten „Atemzügen“ im Amt, ca. um 1966, erklärt „Weg mit allem Altem!“, da er ein „Abrutschen in den Kapitalismus“ befürchtete. Die Kulturrevulution führte zu einer Zerstörung von Kulturschätzen, Vertreibung und Flucht von Intellektuellen, Zerstörung von Klöstern und vielem mehr.)

Die Klosteranlage des Labrang Kloster umfasst unter anderem eine 3 km lange Kora (Pilgerweg) mit Gebetsmühlen. Hier sind zu jeder Tageszeit Gläubige (nicht nur Mönche) zu treffen, die den Weg hinter sich bringen. Aber nicht nur das: Viele Gläubige praktizieren auch eine Art religiöse „Niederwerfung“ die fast so wirkt wie ein Ganzkörperworkout.

Wir haben natürlich das Kloster besichtigt und auch einmal den Pilgerweg absolviert. Außerdem haben wir kleinere Wanderungen in der Gegend um Xiahe gemacht.

Nach Xiahe ging es für uns weiter nach Langmusi, einer kleinen Stadt an der Grenze zwischen den Staaten Gansu und Sichuan. Auch Langmusi liegt im Gebiet Amdo und hat einen hohen Anteil tibetischer Bevölkerung. Außerdem ist es bekannt für die Trekking und Horse-Trekking Möglichkeiten, die es zu bieten hat.

An unseren ersten beiden Tagen machten wir mehrere Wanderungen um Langmusi herum. Ein Highlight hierbei war eine Begegnung mit Mönchen, auf einem „roten Fels“ über der Stadt. Als einer der Mönche sah, dass ich eine Kamera dabei hatte, startete er spontan ein Fotoshooting – mit sich als Model ;).

Bei einer weiteren Wanderung, diesmal durch ein ziemlich malerisches enges Tal, wurden wir von einer Gruppe Tibetern zum Tee eingeladen. Sie hätten uns wohl auch noch zu einer Nudelsuppe eingeladen, aber wir wollten die Gastfreundschaft (und unsere Mägen) nicht so sehr strapazieren.

Ein weiteres Highlight für mich war, dass ich zum ersten Mal einen Hot Pot probiert habe. In der Mitte des Topfes befinden sich heiße Kohlen und außen am Rand ein Sud in dem alle möglichen Leckerbissen schwimmen (Pilze, Kartoffeln, Rüben, Kohl, Tofuwürfel, Fleisch, Nudeln, Fleischbällchen…). Gegessen wird das ganze mit verschiedenen Soßen/ Dips.

Nach den zwei etwas ruhigeren Tagen in Langmusi ging es dann (auch) für uns auf einen 3-tägigen Horse-Trek. Während des Treks war es geplant, dass wir bei einer traditionellen Nomadenfamilie (mit im Zelt) schlafen und etwas von ihrem Leben mitbekommen. Die Anregung dafür, sowas zu machen habe ich von einem Blog bekommen. Hier wird ziemlich genau beschrieben, wie der Trek abläuft und wie das tägliche Leben der Nomaden aussieht (gibt auch ein echt tolles Video – da unbedingt mal drauf klicken!):

Auf´s Pferd gekommen- Pferdetrekking in Langmusi

Bei uns (außer Simon und mir noch ein US – Tschechisches Paar, das in Beijing lebt) war es ähnlich geplant – nur leider pfuschte uns am ersten Tag das Wetter ein bisschen rein: von anfänglichen schätzungsweise +5°C änderte sich das Wetter auf gut unter 0°C und starken Schneefall. Unser Guide machte schon länger Mittagspause mit uns – in der Hoffnung, dass das Wetter vielleicht besser wird. Aber es half alles nichts und so ging es in Ponchos gehüllt wieder aufs Pferd- für ein paar der kältesten Stunden meines Lebens… Es war wunderschönen und ich fühlte mich wie mitten in einem Fantasy- Film (oder vielleicht GOT 😉 ). Aber es war eben auch total kalt. Der Schnee wurde uns ins Gesicht und teilweise unter den Poncho geblasen, das schlimmste waren aber die Füße, weil der Schnee direkt darauf liegen geblieben ist.

Nach gut zwei Stunden (gefühlt wie vier Stunden) kamen wir bei unserer Unterkunft (dem Nomadenzelt) an und uns war nur noch nach Wärme… Wir kauerten um den Ofen, der nur mit Yak-Dung beheizt wird und versuchten irgendwie wieder warm und trocken zu werden. Selbst unserem Guide war es zu kalt. An ein „Mithelfen“ im Alltag, war für uns erstmal nicht zu denken – zumal dieser Alltag durch das Wetter ganz schön durcheinander gewürfelt wurde.

Aber es wurde besser. Am nächsten Tag blieben wir ziemlich lange im Zelt bis der Schnee zu schmelzen begann und konnten dann einen „Austritt“ zu dem Berg, der das eigentliche Tagesziel war, machen.

Abends konnten wir der Frau des Hauses beim Wasser holen helfen und sahen dabei zu wie die Fans eingetrieben und angeleint wurden.

Am letzten Tag war das Wetter am besten und wir konnten bei Sonnenschein zurück nach Langmusi reiten.

Insgesamt konnten wir in den 2 1/2 Tagen dann doch einiges vom Leben der Nomaden mitbekommen. Es ist besonders die Frau, die die Arbeit macht und sich um die Tiere kümmert, diese melkt und den Dung trocknet (das war bei uns so und ist wohl auch die Regel). Dafür steht sie frühmorgens auf und ihr Arbeitstag dauert bis nach Sonnenuntergang alle Tiere wieder zurück am Zelt sind und Abendessen gekocht ist.

Anders als bei der Tour durch die Mongolei lebten wir wirklich zusammen mit dem Ehepaar in deren Zelt und bekamen so alles hautnah mit (unser Guide war übrigens der Herr des Hauses, die Kinder sind ausgezogen, um zu studieren). Auch essenstechnisch würde für uns keine große „Extrawurst“ gemacht. Zu essen gab es hauptsächlich Gerichte, die auf viel Gemüse, viel zu viel Öl und vielleicht einem kleinen bisschen Dörrfleisch bestanden. Als Beilage gab es oft Fladenbrot. Da es in den Zelten keine Kühlmöglichkeit gibt und auch nicht jeden Tag jemand einkaufen kann, gibt es keine Lebensmittel, die einer Kühlung bedürfen (z.B. Fleisch). Simon und ich haben auch vermutet, dass Fleisch vielleicht einfach auch zu teuer ist.

Es ist ein sehr einfaches und auch mega tristes Leben, das wir miterleben durften, und wir freuen uns, dass wir nach diesem kurzen Einblick zurück kehren können zu fließend Wasser, Strom aus der Steckdose und beheizten Räumen.

Apropos beheizt: so richtig beheizt waren die Schlafräume in den Hostels in Amdo nicht. Dafür war jedes Bett mit einer Heizdecke ausgestattet, so war es unter der Decke schön warm, wenn man abet das Bett verlassen hat: brrrr…

Gerade befinden wir uns aber schon wieder auf dem Weg zu unserem nächsten Stopp Chengdu, wo wir nach über 9 Stunden Fahrt ankommen werden. In Chengdu ist es nicht nur rund 10 Grad wärmer als zB in Langmusi, wir haben uns jetzt auch mal ein Hotel (mit Pool, Sauna und Frühstück 🙂 ) genommen. Dort können wir uns ein bisschen von den nicht gerade gemütlichen letzten Tagen erholen.

Update: Mittlerweile sind wir in Chengdu und die Fahrt hat nicht 9, sondern 13 (!) Stunden gedauert – es ist eben „Golden week“. Heute haben wir den ganzen Tag im Hotel verbracht. Mal sehen, wann wir uns hier wieder raus trauen… 😉

2 Gedanken zu „Angekommen in China“

  1. Erst mal danke für die wunderschönen Bilder. Gefallen mi Sehr gut. Habt ihr wahrscheinlich auch sehr wenig Leute unterwegs getroffen.. Wie hat denn da die Verständigung geklappt?

    1. Das ging schon alles irgendwie mit Händen und Füßen, mit den paar Brocken Chinesisch, die Simon spricht, Google Translator und teilweise auch über andere Touris (die Englisch und Chinesisch konnten).
      Vieles geht heute auch sehr gut mit Apps, die teilweise automatisch übersetzen.

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