Start in die Reise und Riga

Jetzt bin ich (endlich) unterwegs…

Ich möchte gerne erzählen, wie es bei mir los ging und von meinem „ersten Stop“ in Riga.

Am Montag, dem 20. 8. war’s soweit. Mit dem Zug ging es erstmal nach Berlin und von Berlin aus dann weiter mit dem Bus nach Riga. In Berlin hatte ich 3 Stunden Aufenthalt- sicherheitshalber (man weiß ja nie bei der Deutschen Bahn). Die Bahn war aber diesmal pünktlich, der Puffer war übrig und so gab’s einen kleinen „Hauptstadtspaziergang“ und ein Abendessen mit Bierchen an der Spree.

Dann ging’s mit einem flauen Gefühl im Magen weiter Richtung ZOB.

War es wirklich eine gute Idee, eine 20 Stunden (!) dauernde Busfahrt zu buchen? Hätte ich nicht besser meinen Stolz runter schlucken und nen Flug buchen sollen?

Das Gefühl blieb auch, als ich dann im Bus saß: Ich hatte das Gefühl, dass außer mir keiner der Insassen Deutsch oder Englisch sprach. Und der Bus war gestopft voll!

Aber naja: Ich war eh einfach nur verdammt müde und wollte schlafen… das konnte ich aber erst nur bedingt: Zunächst war die Busbegleiterin da und wollte nochmal mein Ticket haben („you’ll geh it back shortly before Riga“ – na toll! Wenigstens nur das Ticket und nicht den Ausweis!). Dann wurden wir an der Grenze zu Polen von der Polizei angehalten, die alle Ausweise kontrollieren wollte – und dazu muss man natürlich wach bleiben. An einem anderen Tag wäre ich alleine vor Aufregung wohl wach geblieben, aber diesmal war ich sooo müde, dass ich kaum die Augen offen halten konnte. (Die Kontrolle war bei mir mit meinem deutschen Pass übrigens kein Problem – im Gegensatz zu einigen anderen, deren Pass bzw. Visum nochmal extra überprüft werden musste)

Nach der Kontrolle war dann (Gottseidank) erstmal Ruhe und ich schlief durch bis wir um 6 oder 7 in Warschau an kamen. Da dort ein Großteil der Insassen (auch mein Nebenmann) ausstiegen, hatte ich danach mehr Platz und ich konnte mich so richtig breit machen – und weiterschlafen.

Der nächste Stopp (noch in Polen) war Bialystok. Erwähnenswert, weil mir die Stadt beim Durchfahren irgendwie gefiehl. Ein hübsches, polnisches Städtchen. Hier ein Bild vom Bahnhof:

Nach Bialystok ging’s dann eher „auf Landstraßen“ weiter Richtung Litauen, ich schaute viel aus dem Fenster und konnte die Landschaften (Felder, Wälder, Wiesen, viel grüner als bei uns gerade) genießen.

An der Grenze zu Litauen hieß es dann das erste Mal „Uhr umstellen“ (eine Stunde vor).

Der Rest der Fahrt verlief unspektakulär: Ich konnte dösen, aus dem Fenster schauen, lesen (ich hatte die ganze Zeit über zwei Plätze zur Verfügung). Und so war dann die Busfahrt im Endeffekt halb so schlimm wie gedacht und ich kam halbwegs ausgeschlafen und fit in Riga an.

Das Hostel (Tree Hostel) bereitete mir einen sehr schönen Empfang. Ich lief auch gleich Vladimir, einem jungen Russen über den Weg und wir machten was fürs Abendessen aus. Ich dachte mir, dass ist eine gute Gelegenheit, um etwas über Russland zu erfahren… Außerdem fand ich es schön, nach dem fast „gesprächslosen“ Bus-Tag ein bisschen Unterhaltung zu haben.

Beim Abendessen stellte sich heraus, dass Vladimir seinen Vornamen nicht mag, weil er nicht gerne so heißt wie Putin. Außerdem übte er auch Kritik an der WM in Russland: „this country has big problems“, „it was mit good to spend all the money just for Football“. Also nichts von Nationalstolz. Eine sehr nüchterne Betrachtungsweise, die uns als Westeuropäern sehr nachvollziehbar erscheint – aber sie von einem jungen Mann aus Russland zu hören ist doch etwas anderes.

Vladimir erzählte mir, dass er ganz im Westen Russlands an der Grenze zu Finnland (2km nach Finnland) wohnt. Dh er ist fast täglich in Finnland. Die Gegend ist im Sommer sehr schön und es kommen Urlaubsgäste. Vladimir hat ein Appartement, das er vermietet und außerdem beherbergt er Couchsurfer. Im Winter wird es dort aber schon mal -30 bis -40 Grad kalt.

Er erzählte mir auch, dass er reisen geht, um (wie seine Gäste) mehr von der Welt zu sehen – und sein Englisch zu verbessern.

Allzu viel Englisch ist in Riga aber für die Russen nicht notwendig. Ich habe das Gefühl, die Menschen sprechen besser Russisch als Englisch. Das hat wohl einerseits damit zu tun, dass während des Eisernen Vorhangs viele Russisch gelernt haben. Es liegt aber auch daran, dass nach dem 2. Weltkrieg in den 50er Jahren die Bevölkerung so drastisch reduziert war (-1/3 durch Krieg und Deportation), dass Menschen aus Russland dazu aufgefordert wurden nach Lettland zu migrieren. Diese Menschen und deren Nachkommen leben immer noch dort. (habe ich bei einer Führung gelernt)

Nach dem Ausschlafen (bin ja schließlich im Urlaub ;)) und einem Frühstück gemeinsam mit anderen Hostel-Gästen ging es am nächsten Tag dann auf Sightseeing-tour.

Riga hat eine verhältnismäßig kleine Altstadt und alle wichtigen Sehenswürdigkeiten lassen sich zu Fuß vom Hostel aus erreichen. Die (Alt)Stadt ist aber sehr schön und hat einiges zu bieten. So hat Riga zum Beispiel viele hundert Jugendstil-bauwerke (ich glaube sogar über 400).

Bei einer Führung lernte ich auch, dass Riga, bzw. Lettland insgesamt eine sehr bewegte Geschichte hatte und immer wieder von „Missionierern“ und „Eroberern“ in Beschlag genommen wurde – auch von Deutschen Missionaren und Eroberern (Stichwort „Deutschorden“) aber auch Schweden, Polen, Russen… Erst nach dem 1. Weltkrieg ergab sich eine Art „Machtvakuum“, das die Letten nutzten, um einen eigenen Staat auszurufen. Das war im November 1918 – also vor 100 Jahren. Aber auch seitdem wurde diese Selbständigkeit ja wieder durch die Sowjetunion unterbrochen…

Lettland ist ein kleines Land – aber immer noch größer als z.B. die Schweiz oder Dänemark. Das Land ist aber mit nur 2 Millionen Einwohnern sehr dünn besiedelt und hat (wie auf der Herfahrt ja schon von mir gesehen) viel Wald, Wiesen, Felder.

So viel zur Geschichte 😉 . Jetzt ein paar Bilder. (leider hab ich die meisten in RAW auf der Kamera und kann sie deshalb nicht teilen. Aber das nächste mal wird’s besser!)

St. Peter Kirche

Riga von oben

nochmal Riga von oben – diesmal mit mir

(lustige Annektode dazu: das Foto wurde von zwei französischen Männern, vermutlich ein Päärchen, gemacht. Die beiden Ständen gemeinsam hinter der Kamera und haben auf Französisch darüber diskutiert, wie sie am besten fotografieren. Heraus kam die Fotoserie: Katharina und Riga ;). Ich hab die beiden natürlich auch fotografiert)

Innenstadt von Riga

In einem Park

Springbrunnen

Die „Drei Brüder“. Drei Häuser aus drei verschiedenen Epochen, die zeigen sollen, wie sich die Architektur im Laufe der Zeit verändert hat. (rechts das älteste)

Markthalle von Riga (In einem ehem. Zeppelinhangar)

Stand in der Halle (ich hab dort gekauft. Weil gesunde Ernährung ist schließlich wichtig, wenn man so lange unterwegs sein will 😉 )

Fassade im Jugenstil

Jugendstil-Haus

Jugendstil-Haus

Teil des Buddy-Bear Kunsprojekts. Im Rahmen des Projektes, das einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten soll, würde für jedes Land ein Bär gestaltet. (wen es interessiert- einfach mal googeln)

Auf dem Weg zum Strand

Am Strand

Einmal schlafen noch…

Morgen geht´s los!

So richtig ist das bei mir immer noch nicht angekommen. Die letzten Wochen und Tage waren voll mit irgendwelchen Kleinigkeiten, die noch erledigt werden mussten und natürlich voller Abschiede von Freunden, Familie, Arbeitskollegen…

Einige der Abschiede haben mich wirklich ziemlich gerührt.

Am letzten Mittwoch (15. 8.) habe ich meine Wohnung ausgeräumt und geputzt und bin zu den Elten gezogen. Die Wohnung habe ich für die Zeit in der ich nicht da bin untervermietet.

Gerade sitze ich auch bei den Eltern auf der Terasse und warte darauf, dass mein Reiseführer endlich auf mein Kindle geladen werden.

Dann heißt es noch ein bisschen entspannen, einmal schlafen und dann gehts morgen Nachmittag auch los in Richtung Berlin (erstmal).

Noch 50 Tage…

So langsam wird er ernst!
Heute sind es noch genau 50 Tage bis ich zu meiner Reise starte… ich stecke mittendrin in den Vorbereitungen:

  • Reiseroute (zumindest grob) planen
  • Visa organisieren
  • Züge buchen (für die Transsib)
  • Sachen besorgen, die ich mitnehmen will/möchte/muss
  • Meine Wohnung so herrichten, dass sie (hoffentlich) ein Zwischenmieter beziehen kann -> bitte gerne weitersagen meine Wohnung steht hier im Internet!!
  • Kyrillisch lernen

Daneben kommt noch, dass ich mich auch auf der Arbeit und auch im Freundes- und Familienkreis auf die Abreise vorbereite. Auf der Arbeit muss ich noch ein paar Themen zu Ende bringen und andere Themen an meine Kollegen abgeben. Ein paar Freunde will ich in den nächsten Wochen aus nochmal sehen, bevor es dann los geht…

Das schöne ist aber, dass jetzt mittlerweile schon so viel gebucht und organisiert ist, dass es kein Zurück mehr gibt: Am 20. August um 13:46 Uhr starte ich in Thüngersheim in mein Abenteuer!

Gerade mischen sich bei mir die verschiedensten Gefühle (Aufregung, Vorfreude, ein bisschen Angst, …). Die nächsten Wochen werden nochmal ein bisschen stressig – aber ich hab ja ein Ziel vor Augen! Und das lohnt sich! 🙂