Mongolei – schöne, weite Landschaften und viele „bumpy roads“

Letzte Woche, am 13. September, bin ich in Ulaanbator (UB) angekommen, der Hauptstadt der Mongolei. Die Grenzkontrollen haben diesmal gut vier Stunden gedauert (Ausreise aus Russland und Einreise in die Mongolei). Allerdings kam der Zug schon um kurz vor 20h an der Grenze an – sodass um Mitternacht alles vorbei war.

Angekommen in Ulaanbator habe ich mich das erste Mal wirklich wie in Asien gefühlt. Geografisch war ich ja zu dem Zeitpunkt ja schon seit 2 Wochen in Asien. In UB sahen aber die Menschen zum ersten Mal auf meiner Reise richtig asiatisch aus, es gibt dort außerdem buddhistische Klöster und Tempel und immer mal wieder sieht man chinesische und koreanische Schriftzeichen.

Die erste Veränderung konnte ich aber schon viel früher, nämlich in Irkutsk, erkennen: Die 22-stündige Fahrt nach UB verbrachte ich in einem mongolischen Zug mit mongolischem Zugpersonal.

Die Mongolei ist mit ca. 3 Millionen Einwohnern und einer Fläche von ca. 1,6 Mio km2 (4,5 mal so groß wie Deutschland) das am dünnsten besiedelte Land der Erde – ganz im Gegensatz zu China (meinem nächsten Land). Die Mongolei hat eine eigene Sprache, es wird aber die Kyrillische Schrift verwendet. Das kommt daher, dass Russland in den 1930/1940er Jahren der Mongolei geholfen hat, die Unabhängig von China (Mandschurei) zu erlangen. Ein Teil der „traditionellen“ Mongolei ist aber weiterhin Staatsgebiet Chinas: die Innere Mongolei ist ein Staat in China, in dem die Bewohner tendenziell eher die mongolische als die chinesische Kultur „verfolgen“. Die Stimmung zwischen der Mongolei und China ist (deshalb) etwas angespannt, wohingegen Russland als sowas wie der „große Bruder“ gesehen wird – trotz der negativen Effekte die die Adaption des Kommunismus von Russland für die Mongolei gebracht hat. Beispielsweise wurden viele buddhistische Klöster damals zerstört, die Mönche umgebracht oder verfolgt. Die Religion kehrte aber nach der Demokratisierung (ca. um 1990) langsam wieder zurück. Russland und die Mongolei unterstützen sich aber auch gegenseitig im 2. Weltkrieg gegen Deutschland (in Russland) bzw. gegen Japan (in der Mongolei).

Die Mongolei ist auch das Land von Dschingis Khan. Ihm gelang es, um 1200 herum, alle verschiedenen Mongolenstämme zu einen und ein Weltreich zu erobern, das fast die Hälfte der gesamten Landmasse der Welt umfasste. Das Reich hatte aber nicht lange Bestand und zerfiel schnell in der Hand seiner Nachfolger (Söhne, Enkel). Viele von ihm eingeführten Strategien der Kriegsführung oder auch des Zeltbaus hatten aber noch länger, zeitweise sogar bis Heute, Bestand. (Wer noch mehr wissen will – einfach mal googeln) Die Mongolen sind Heute noch stolz auf diesen großen Vorfahren – aber die Mongolei hat mehr zu bieten, als nur das.

Das Land ist ein Land der Nomaden. In etwa 30% der Bevölkerung leben Heute immer noch als Nomaden und erziehlen ihre Haupteinkünfte mit ihren Viehherden (Schafe, Ziegen, Kühe, Pferde, Kamele). Die restliche Bevölkerung hat sich in der Stadt niedergelassen – teils in Wohnungen, teils in Jurtem (wer sich noch keine Wohnung leisten kann).

Da es schwer ist, die Mongolei individuell zu bereisen, hatte ich eine 6-tägige Tour durch bzw. in die Wüste Gobi gebucht – mit Übernachtungen bei Nomadenfamilien. Für mich war es, nach fast 4 Wochen reisen, eine willkommene Abwechslung, mal nichts organisieren zu müssen.

Unsere Gruppe bestand aus insgesamt 6 „Touris“: Einem Paar aus den Niederlanden, einem französischen Paar, einer Deutschen, die aber nach Australien ausgewandert ist, und mir. Das vereinfachte die Verständigung erheblich… Außerdem wurde unsere Gruppe begleitet von zwei Fahrern (wir hatten zwei Busse), einer Köchin und unserem Guide Tiggy (eine junge Mongolin, die neben ihrem Medizin(!)studium als Guide arbeitet – und einen meeega guten Job macht).

Tiggy erzählte und erklärte uns viel über die Mongolische Kultur, das Nomadentum aber auch über die Probleme und Herausforderungen des Landes (insbesondere Korruption, Arbeitslosigkeit und ein sehr niedriges Lohnniveau). Nach nur einer Woche habe ich echt das Gefühl, einen guten Einblick „in die Mongolei“ erhalten zu haben.

Wenn ich schreibe, es war angenehm, nichts organisieren zu müssen meine ich damit aber nicht, dass die Tour bequem war. Es gibt nur wenige, sternförmig von Ulaanbator aus verlaufende, befestigte „Hauptstraßen“, dh wir legten einen Großteil der Strecke „Offroad“ auf „bumpy roads“ zurück – und das teilweise 5-6 Stunden am Tag. Die wunderschöne, weite Landschaft und die verschiedenen „Natursehenswürdigkeiten“ haben aber dafür entschädigt (Fotos weiter unten). Untergebracht waren wir in klassischen Nomadenjurten („Ger“), die meistens direkt neben der Jurte der Gast-Familie aufgestellt waren.

Dort gab es kein fließendes Wasser und die Toiletten waren etwas einfachere Plumpsklos (zwei Bretter über einem Loch und außenrum sowas wie ein Häuschen). Sowas wie eine Matratze hatte ich einmal (in 5 Nächten) und eine Dusche (in einer größeren Stadt) gab es an Tag 5. So bestand die Hygiene eben hauptsächlich aus Feuchttüchern. Da kam mir zugute, dass ich glaube ich nicht so pingelig bin und auch mal damit leben kann, nicht ständig frisch geduscht zu sein (kommt einem übrigens beim Reisen grundsätzlich sehr entgegen).

Die Mongolei ist, landwirtschaftlich gesehen, ein eher karges Land – und so basieren die meisten Gerichte auf viel Fleisch (mit viel Fett und vor allem viel Schaf- und Ziegenfleisch), Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und verschiedenen Kohlsorten.

Wenn man unterwegs ist kommt man immer wieder an riesigen Viehherden vorbei. Die Schäfer sind oft mit dem Motorrad unterwegs, um die Tiere (zusammen) zu treiben.

An meinem ersten Abend (noch in Ulaanbator) war ich mit zwei Engländerinnen, die ich im Hostel kennen gelernt habe, essen. Traditionell Mongolisch. Und es war massig, fleischig, fettig…

Auf der Tour wurde dann etwas „westlicher“ gekocht (weniger Fleisch, mehr Beilagen). Aber trotzdem denke ich, dass ich in der einen Woche in der Mongolei bedeutend mehr Fleisch gegessen habe, als ich in einem Monat daheim essen würde – aber auch das gehört für mich zum Reiseerlebnis dazu.

Unter anderem gab es an einem Abend „mongolian Barbecue“. Hierbei werden in einen großen Topf (in dem sich unten ein bisschen Wasser befindet) abwechselnd heiße Steine und Fleisch (bei uns war es natürlich Schafsfleisch) eingeschichtet. Obendrauf kommt eine Schicht Gemüse.

(das hat also rein gar nichts mit der gleichnamigen gastronomischen Einrichtung in Kitzingen gemeinsam 😉 )

Wenn wir nach einem Tag unterwegs bei einer neuen Gastfamilie ankamen, gingen wir (meistens) zunächst im das Ger der Gastgeber, um diese zu begrüßen. Dort bekamen wir oft den traditionellen Milchtee (ein etwas salziger Tee mit viel Milch und ein bisschen Kräutern bzw. Teegewürzen zubereitet), Schnupftabak und einmal auch vergorene Stutenmilch angeboten. Meistens gab es dazu auch noch irgendwelche Kekse o.ä.. Der Milchtee war meistens gut, die Stutenmilch schmeckte mega eklig – ein bisschen wie flüssiger Fetakäse, der aber über der Zeit ist.

Was mir an der Mongolei besonders gefallen hat, waren die schönen weiten Landschaften, aber auch die Vielseitigkeit der Landschaft, der wunderschöne Sternenhimmel (ohne die Lichtverschmutzung) und die Gastfreundlichkeit der Menschen. Wir hatte eine super Gemeinschaft in der Gruppe und mit unserem Guide Tiggy – sodass es ein bisschen komisch war Tschüss zu sagen und erstmal alleine weiter zu reisen.

Übrigens hatten wir auch mega Glück mit dem Wetter und durchgehend Sonnenschein. Nur am ersten Tag war es ziemlich kalt, an dem darauf folgenden Tagen war es mild und teilweise sogar T-Shirt Wetter.

Jetzt noch ein paar Fotos von der Tour:

Khugnu Khan Mountains

Pferderitt (ja, auch ich durfte mal aufs Pferd)

Kloster in den Khugnu Khan Mountains

Aussicht vom Kloster

Pferde im Abendlicht

Unsere Busse – auch im Abendlicht

Ongi Kloster

Ruinen des Ongi Kloster (es war mal eines der größten in der Mongolei)

„Flamming Cliffs“ – hier wurden Eier und Knochen von Dinosauriern gefunden

Kamelherde (Im Hintergrund die Bergkette „Gobi three Beauties“)

Khongor Sand Düne

Sonnenuntergang auf der Düne

Kamelritt

Vor dem Ritt

„Mein“ Kamel

Yol Valley

Kleine Steinfigürchen (Souvenirs), gesehen im Yol Valley

White Stupa

White Stupa

White Stupa

Wenn ich übrigens die Wahl hätte, würde ich noch ein paar Tage länger in der Mongolei bleiben, um z.B. bei einer Wanderung noch ein bisschen mehr von der Natur mitzubekommen (auf der Tour haben wir doch recht viel Zeit im Bus verbracht).

Aber für mich geht es am 20. September (nach genau einem Monat unterwegs) weiter nach China. Am 21. September komme ich in Datong an, wo ich mit eigentlich ein Kloster, das in eine Felswand gebaut ist anschauen wollte. Das Kloster wird aber gerade renoviert. Also werde ich wohl die Zeit in Datong etwas ruhiger angehen und mir die Zeit nehmen „in China anzukommen“. Denn danach geht es weiter nach Xi’an, was für die Terakotta- Armee bekannt ist. Auf Xi’an freue ich mich aber nicht nur deswegen – sondern auch, weil ich dort Simon (einen ehemaligen Studienkollegen) treffe, mit dem ich einige Wochen durch China reisen werde.

Ich persönlich würde mich übrigens sehr darüber freuen, ab und zu mal ein Feedback oder einen Kommentar zu meinen Blogbeiträgen zu bekommen. Bitte gebt mir auch Feedback, wenn das was ich schreibe zu lang(weilig) ist.

Außerdem freue ich mich natürlich immer zu hören, wie es euch so geht!

Baikalsee – wunderschöne Insel Olchon!

Gerade sitze ich im Bus zurück nach Irkutsk, hinter mir liegen fast vier Tage auf der Insel Olchon – und ich wäre gerne noch länger geblieben!

Am letzten Donnerstag ging’s mit dem Bus in 6 Stunden von Irkutsk (das übrigens nicht direkt am Baikalsee liegt) nach Olchon. Olchon ist die größte Insel im Baikalsee – der übrigens der größte und tiefste Süßwassersee der Erde ist und sogar aus dem All gesehen werden kann. Am bzw. im Baikalsee gibt es einige endeme (so heißt das glaub ich, oder 😉 ) Tier- und Pflazenarten, die es nur dort gibt. Hier ist z.B. die Baikalrobbe oder die Fischart Omul zu nennen.

Ich glaube auch das kulturell und spirituell gesehen der Baikalsee ein interessanter Ort ist – hier treffen verschiedene Religionen und Bevölkerungsgruppen aufeinander. Während ich in Irkutsk, am Westufer des Sees, noch in Sibirien und damit „so richtig in Russland“ bin, befindet sich am Ostufer des Sees die autonome russische Republik Buriatien mit der Hauptstadt Ulan-Ude. Die Buriaten (Bevölkerung Buriatiens) sehen äußerlich eher Mongolen bzw. Asiaten ähnlich und sind außerdem zum großen Teil Buddhisten. In der Region wird, neben Russisch, eine eigene Sprache gesprochen. Ich fand das sehr interessant und wollte zunächst noch einen Stop in Ulan-Ude einlegen. Das habe ich jetzt aber gestrichen, weil es glaube ich zu stressig geworden wäre.

Religiös spielt am Baikalsee, und besonders auf der Insel Olchon auch der Schamanismus eine große Rolle. Das Kap Burhan ist einer der heiligen drei Orte des Schamanismus. Da sich ein anderer heiliger Ort, nach dem Glauben der Schamanen im Himmel und ein weiterer in der Unterwelt befindet, ist es der einzige heilige Ort auf der Erde – nach dem Glauben der Schamanen. Überall auf der Insel, aber besonders in der Nähe des Cap Burhan befinden sich sowas wie „Gebetsfahnen“, die an Bäumen o.ä. festgemacht wurden.

Wer jetzt aber glaubt, die Insel Olchon sei ein hübsches Ferieninselchen, vergleichbar vielleicht mit Mallorca, der irrt sich. Auf der gesamten Insel nur leben ca. 1.700 Menschen, der Großteil davon in der Hauptstadt „Kuzhir“. Auf der gesamten Insel gibt es keine einzige asphaltierte Straße (ich hab zumindest keine gesehen), die Häuser sind zum großen Teil einfache, einstöckige Holzhäuser und die Wasserversorgung erfolgt teilweise manuell (für den Hausbedarf wird jeweils ein Kubik mit einem Bulldog o.ä. an einer Einnahmestelle abgeholt). Ich bin quasi „in the middle of nowhere“ gelandet – und genau da wollte ich hin! (aber immerhin: mobiles Internet gab’s in Kuzhir 😉 )

Auf der Insel laufen die Kühe übrigens überall herum, wie so wollen – wie in Indien. Vielleicht habe ich mich deshalb dort so wohl gefühlt…

Schon die Busfahrt zur Insel war ein Erlebnis: Das Wetter war mega und die Landschaft einfach toll!

Auf die Insel ging’s natürlich mit einer Fähre (wenig spektakulär).

Ich hatte mich in einem kleinen Gasthaus eingebucht, das am Ortsrand von Khuzir liegt. Das war alles recht rustikal und ursprünglich, aber ich hatte mein eigenes Zimmer mit WC. Außerdem zauberte die Gastgeberin, Vera, mir jeden Tag ein echt gutes Frühstück. Ein Abendessen bekam ich auch am ersten Abend dort. Da ich danach aber (weil Nebensaison) der einzige Gast war, machte ich mit Vera aus, dass ich lieber „im Dorf“ esse – was für sie weniger Aufwand und für mich mehr Gesellschaft bedeutet hat.

An meinem ersten Tag auf der Insel machte ich mich zu Fuß auf, Khuzir zu erkunden und das Kap Burhan zu sehen.

Am nächsten Tag nahm ich an einer Bustour in den Norden der Insel teil. Aufgrund der fehlenden befestigten Straßen ist das von A nach B kommen auf der Insel oft ein Erlebnis für sich: man sieht die Straße und denkt sich: da kann kein Auto fahren. Aber die Busse, mit denen wir unterwegs waren haben es geschafft!

Nachdem wir eine Weile im Bus durchgeschüttelt wurden gab es immer wieder Stopps, bei denen wir aussteigen und die Landschaft genießen konnten. Und, was soll ich sagen, das Gewackel und Durchgeschüttel hat sich echt gelohnt! (Ich habe übrigens gemerkt, dass ich neuerdings auch ein bisschen an Reisekrankheit leide – wohl erblich bedingt, denn meine Mama hat es auch… )

Abends saß ich dann noch mit ein paar Asiaten, die ich auf dem Ausflug kennen gelernt habe, zusammen. Die zwei mit denen ich mich am besten verstanden habe kommen übrigens aus Singapur und sind (wie’s der Teufel will 😉 ) auch Kletterer!

Am gleichen Abend wurden wir noch von Andri, den ich zufällig über 5 Ecken kennen gelernt habe, zu einem Lagerfeuer eingeladen. Andri gehört zu einer Gruppe Freiwilliger, die zu der Zeit in der ich auf der Insel war eine Quelle denaturalisiert haben. Diese Zeit am Feuer und dort gemeinsam mit Leuten aus 6 Nationen oder so Mantras zu singend war einfach mega schön und einer der Glücksmomente der Reise (auch ohne, dass ich davon Fotos habe).

Am nächsten Tag lieh ich mir gemeinsam mit den Asiaten ein Fahrrad aus und wir wollten die Insel mit dem Rad erkunden. Aber das war einfacher gesagt als getan, da die meisten Wege einfach nur aus Sand bestehen. Und so haben wir halt recht viel geschoben.

Was erschwerend hinzu kam und uns am Vorwärts kommen hinderte war, dass in der Gruppe zwei Taiwanesen dabei waren, die auf der Reisr ein Hochzeitsvideo drehen. Unter anderem mussten natürlich mehrere Videos mit einer Drohne gedreht werden. Und so durften wir immer wieder anhalten, weil dieses Wunderwerk der Technik irgendwie gestartet, gelandet, eingestellt etc. werden musste. (Mein Veter, der selbst so ein Faible hat, ist dagegen noch harmlos ). Ich war leicht genervt… Aber die Ergebnisse haben selbst mich dann überrascht.

Abends saßen wir noch gemeinsam zusammen und tranken ein paar Bier- es war der letzte Abend der beiden Singapurianer.

Am nächsten Tag wollten die Freiwilligen, die ich ja bei dem Lagerfeuer kennen gelernt hatte, beim Aufbau bzw. Ausbau eines Spielplatzes in der Nähe meines Gasthauses helfen. Da ich die Leute in der Gruppe so sympathisch fand und mir die Gemeinschaft gefiel, schloss ich mich für einen Tag der Gruppe an. Das hieß gemeinsam Klettergerüste streichen, Müll sammeln (vor allem Glasscherben- leider!), Löcher für Klettergrüste graben, Gestrüpp wegräumen – aber auch gemeinsam Pause machen. Die meisten konnten ein bisschen Englisch und Andri (der Halb-Amerikaner ist) sprang ansonsten als Übersetzer ein. Das klappte ganz gut mit der Verständigung! Neben mir arbeitete noch eine andere Nicht-Russin mit der Gruppe: Nicole ist Engländern und wollte das Freiwilligencamp nutzen, um ihr Russisch zu verbessern. Mit ihr könnte ich mich auf jeden Fall unterhalten – und von Andri und Nicole gab’s die ein oder andere Englisch Lektion obendrauf ;)… Außerdem stellte sich heraus, dass meine Gastgeber quasi sowas wie die „Initiatoren“ des Spielplatzes sind. Sie arbeiteten den ganzen Tag mit und Mittagessen gab es bei ihnen im Aufenthaltsraum.

Mega nett fand ich, dass ich nach einer Zeit von allen nur noch „Katja“ genannt wurde (quasi als Kurzform meines Namens, aber eher ausgesprochen wie „Katchja“).

Für mich war es sehr angenehm, nach drei Wochen des Reisens, was „handfestes“ zu tun, wo man auch ein Ergebnis sieht. Außerdem fand ich die Gemeinschaft in der Gruppe, wie schon erwähnt, mega toll! Obwohl ich an diesem Tag „gearbeitet“ habe wird mir der Tag als einer der schöneren Tage in Erinnerung bleiben.

Für den Abend hatten wir vereinbart, dass wir dir Banja (Russische Sauna) meines Gasthauses benutzen dürfen. Für Nicole und mich das Erste Mal! Tanja, die aus Krasnoyarsk kommt und wie die anderen sagten „a real Siberian Girl“ ist führte uns in die Geheimnisse der Banja ein. Eigentlich ist es sehr ähnlich einer Sauna – mit dem Unterschied, dass man sich gegenseitig mit eingeweihten Birkenzweigen abschlägt – was nach einem Tag mit körperlicher Arbeit ganz gut tut! 😉

Nach der Banja (die Männer gingen nach uns Frauen) saßen wir noch etwas zusammen, tranken Tee (Achtung: kein Wodka!) und spielten ein paar Spiele. Und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen für mich… (Mein Bus nach Irkutsk ging am nächsten Tag)

A Apropos Abschied: Abschied nehmen von Russland heißt es bald auch für mich. Morgen mache ich noch einen Ausflug nach Listvianja, einen Tourististenort direkt am See, und und am Mittwoch geht mein Zug in die Mongolei.

Einerseits freue ich mich auf die Mongolei – andererseits finde ich es schade, Russland verlassen zu müssen. Dieses Land hat mich einfach positiv überrascht und ich werde es als ein Land mit großzügigen, freundlichen und offenherzigen Menschen und tollen Kulturschätzen in Erinnerung behalten. Auch wenn das für Außenstehende (wie auch für mich im Vorfeld) schwer vorstellbar ist, habe ich mich hier wohl gefühlt.

Nachtrag 1: Nein, ich hab nicht im Baikalsee gebadet. Das kann man schon machen, aber es ist echt a…kalt und ich wollte nicht schon wieder krank werden

Nachtrag 2: In der Mongolei werde ich wohl keinen Blogartikel schreiben und außerdem habe ich ab der Mongolei nicht permanent Internet – also nicht wundern…

Nachtrag 3: Ich bin neuerdings auf Instagram uns stelle ab und zu mal ein paar Bilder auf Instagram. Wer mir folgen will: kathy.katha heiße ich dort.

Die erste Zugreise nach Russland – goodbye EU

Beim letzten Blogeintrag war ich noch in Riga, Lettland. Der EU. Ich konnte mit Euro zahlen, hatte EU-Roaming, brauchte nur den Perso…

Das hat sich in der Nacht vom 23. auf den 24. August schlagartig geändert. Am letzten Donnerstag (23.8.) bin ich gegen Abend in Riga in den Zug nach St. Petersburg gestiegen. Ich hatte für diese „kurze“ Strecke (16 Stunden) einen Platz in der dritten Klasse gebucht – so zum ausprobieren. Außerdem sind grenzüberschreitende Züge immer recht teuer und mit der Fahrt in der dritten Klasse konnte ich ein bisschen sparen. 😉

Ich bin in Indien auch schon mit der dritten Klasse gefahren und muss sagen: Das ist überhaupt kein Vergleich! In Russland kann man schon mal mit der dritten Klasse fahren. Es gibt offene Anteile mit zweistöckigen Betten längs und quer zur Fahrtrichtung. Ich hatte ein Bett unten quer zur Fahrtrichtung und konnte meinen Rucksack unter mir verstauen. Solange ich also saß oder lag konnte niemand an meinen Rucksack kommen. Die darin verstauten Sachen waren also safe.

Selbst in der dritten Klasse kriegt man übrigens eine Art „Matratze“, Bettzeug, Bettwäsche und sogar ein kleines Handtuch gestellt.

Ich kam ziemlich planlos daher und war irgendwie nicht darauf eingestellt, dass mit Betreten des Zuges quasi „Russland beginnt“. Also natürlich nicht wirklich, aber da es ein russischer Zug (mit Ziel St. Petersburg)war, war das Personal sowie auch die anderen Insassen russisch. Englisch Adé… Die Zugbegleiterin war aber total nett und brachte mich persönlich zu meinem Platz und schaute immer mal wieder nach mir.

Inbegriffen im Preis war scheinbar auch ein russischer schwarzer Tee in dem schönen traditionellen Glas.

Wenn man noch mehr Tee möchte, kann man sich vom sogenannten „Samowar“ heißes Wasser holen. Das ist typisch für Russische Züge. (Ich werd irgendwann mal ein Bild posten)

So ein russischer Fernzug ist nicht mit so nem deutschen ICE vergleichbar und schon gar nicht mit den RBs, die durch Thüngersheim fahren. Der Zug ist lang!!! Ich glaube 20 Wagons (Russisch вагон ;)) sind „normal“. Jeder Wagon hat einen eigenen Zugbegleiter. Er oder sie hat die Aufgabe, Bettwäsche auszuteilen und wieder einzusammeln, Tee zu servieren (wenn es Tee gibt) und auch sonst nach dem Rechten zu sehen. Beispielsweise werden teilweise (in den unteren Klassen meistens) die Klos mindestens 10 Minuten vor den Ortschaften abgesperrt. Die „Abflüsse“ enden da nämlich einfach auf den Gleisen – und das ist außerhalb der Ortschaften okay, aber im Ort…naja…eklig… (Fun fact: In Indien könnte man sich dieses „Absperren“ finde ich mal anschauen. Dort baut man nur auf die „Disziplin“ der Fahrgäste, in den Ortschaften das Klo nicht zu nutzen – mit mäßigem Erfolg…)

Als der Zug in Riga los fuhr war mein Abteil eher spärlich besetzt und es war recht ruhig alles. Gut für mich, um mich mal so an dieses Zugfahren zu gewöhnen und mich auf Russland einzustellen.

Es wurde übrigens (wie im Flugzeug auch) ein „Einreisezettel“ ausgeteilt, den man schon mal ausfüllen sollte. Außerdem wurde eine Liste herum gegeben, in der man angeben sollte, ob man etwas zu verzollen hat.

Was macht man so beim Zug fahren? Lesen, Reisetagebuch und Blog schreiben und viel aus dem Fenster schauen (solange es noch hell ist). Draußen vor den Fenstern zogen die Felder und Wälder Lettlands vorbei.

Irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr machte ich mir dann mein Bett und legte mich schon mal zum dösen hin.

Lang schlafen konnte ich aber nicht: Gegen halb 12 erreichten wir scheinbar die Grenze. Jedenfalls wurde der Zug angehalten (vorher natürlich die Klos verschlossen ;)) und es kamen zwei Grenzbeamten in dem Wagon. Sie kontrollieren Pass, Visum und hatten so eine Art „Scanner“ dabei, mit dem sie den Pass einlasen. Nachdem sie weg waren musste ich erstmal mit leichtem Bestürzen feststellen, dass ich keinen Stempel bekommen hatte.

Oh Nein! Die Route über Riga hatte ich extra gewählt, um eben einen Stempel in den Pass zu kriegen und nicht „illegal“ in Russland zu sein. Naja, das musste ich dann halt in St. Petersburg klären – dachte ich. Und legte mich wieder hin.

Ich hatte mich aber geirrt: dieses Pass scannen war nur einer von vier Schritten bei der Grenzkontrolle. Nach ca. 20 Minuten kam eine Frau, die das Gepäck kontrollierte. Dann kam nach weiteren 20 Minuten ein Mann, der die nicht besetzten Betten kontrollierte und zu guter letzt (natürlich wieder 20 Minuten später 😉 und der Zug stand natürlich die ganze Zeit über!) kam eine Dame von der Grenzkontrolle mit dem (heißbegehrten!) Stempel!

Wer jetzt aber denkt, die Dame hätte mir mit einem netten Lächeln den Einreisestempel in den Pass gedrückt, der irrt sich. Sie blätterte den Pass durch, schaute sich alle Bilder an (das Indische und das Russische Visum haben je ein Bild) und schien mir nicht zu glauben, dass ich ich bin. Blöd. Sie holte sich dann eine Kollegin dazu. Dann blätterten beide gemeinsam im Pass und musterten mich dabei von oben bis unten. Irgendwie kamen sie dann zu dem Schluss, dass das scho ich sein könnte. 😉 Und so war ich nach Russland eingereist. Puh! Mit dem Flugzeug wäre es stressfreier gewesen – aber dann hätte ih auch nichts zu erzählen…

Ich persönlich fand das ganze Prodzedere übrigens gar nicht mal sooo nervenaufreibend, weil ich (wie auch schon im Nachtbus nach Riga) einfach nur verdammt müde und schlaftrunken war. Ich bin sehr gespannt, zu welcher Tageszeit die nächsten Grenzkontrollen stattfinden – bevorzugen würde ich aber tatsächlich tagsüber 😉

Nach der Grenzkontrolle dachte ich, ich könnte nun endlich im Ruhe schlafen. Aber ich lag falsch: Der Grenzpunkt war auch eine Haltestelle (auf russischer Seite). Und so strömten nach der Kontrolle die Passagiere in den Zug, machten ihre Betten usw.. Der Zug wurde richtig belebt.

In Russland gab es dann aber nach der Grenze noch weitere Halte. Der Zug hielt so bis ca. halb 4 regelmäßig und immer wieder strömten Menschen in den Zug – bis der Wagon richtig voll war!

Und da erkannte ich auch schon den großen Nachteil an den Zügen in der dritten Klasse: Dadurch, dass man ja kein Abteil zu machen kann, kriegt man das alles mit. Zudem ist das Licht so gut immer in einer Art „Schummerbeleuchtung“ angeschaltet.
Für mich war es okay: Ich war müde genug, um ein bisschen unruhigen Schlaf zu finden. Aber ich brauche es glaube ich zukünftig nicht unbedingt nochmal… 😉

Der Rest der Zugfahrt verlief relativ unspektakulär. Gegen halb 10 kam der Zug in St. Petersburg an und ich machte mich auf die Suche nach einem ATM, einem Geschäft für eine SIM-Karte und natürlich dem Hostel. Dann war ich ready, die Stadt zu erkunden.

Kleiner Nachtrag: übrigens vertragen sich Worlpress und Russland nicht. Ich muss jetzt über VPN posten…

Einmal schlafen noch…

Morgen geht´s los!

So richtig ist das bei mir immer noch nicht angekommen. Die letzten Wochen und Tage waren voll mit irgendwelchen Kleinigkeiten, die noch erledigt werden mussten und natürlich voller Abschiede von Freunden, Familie, Arbeitskollegen…

Einige der Abschiede haben mich wirklich ziemlich gerührt.

Am letzten Mittwoch (15. 8.) habe ich meine Wohnung ausgeräumt und geputzt und bin zu den Elten gezogen. Die Wohnung habe ich für die Zeit in der ich nicht da bin untervermietet.

Gerade sitze ich auch bei den Eltern auf der Terasse und warte darauf, dass mein Reiseführer endlich auf mein Kindle geladen werden.

Dann heißt es noch ein bisschen entspannen, einmal schlafen und dann gehts morgen Nachmittag auch los in Richtung Berlin (erstmal).