Die letzten zwei Wochen in China

Mehr als 5 Wochen ist es jetzt her, dass ich nach China eingereist bin und vor zwei Wochen habe ich Simon in Hefei verabschiedet.

In den zwei Wochen habe ich Shanghai und Hongkong besucht. Außerdem war ich nochmal in Yangshou- diesmal zum Klettern.

Von Shanghai hatte ich mir bedeutend mehr erwartet, als es dann tatsächlich zu bieten hatte. Das lag vielleicht daran, dass ich ein bisschen reisemüde war und schon ziemlich „satt“ von dem vielen, was ich bisher erlebt hatte. Aber vielleicht lag es auch daran, dass meine Cochsurfing-Übernachtung sich als absoluter Flopp erwiesen hat oder daran, dass ich tatsächlich auf einen doofen Touristen-trick, den sogenannten „Teahouse scam“ herein gefallen bin (einfach mal googeln, ich will das jetzt nicht erklären). Die ganze Zeit über war ich aufmerksam gewesen, nicht auf irgendwelche Tricks und Touristenfallen herein zu fallen und gleichzeitig hatte ich versucht, mich ein bisschen zu öffnen und nicht allzu misstrauisch zu sein. Vermutlich ein Fehler. Außer dem Geld, was mich dieser Trick gekostet hat (knapp 50 Euro), hab ich natürlich auch einiges an Vertrauen verloren. Auf so einen Trick herein zu fallen ist natürlich auch beschämend und erniedrigend und kratzt schon ein bisschen am Traveler-ego. Ich habe auch überlegt, ob ich es überhaupt im Blog erwähnen soll, mich dann aber dafür entschieden – um zu zeigen, dass eben nicht immer alles glatt läuft. Was mir so ein bisschen über den „Schock“ hinweg geholfen hat, war die Tatsache, dass vor mir schon einige andere auf diesen Trick hereingefallen sind- teilweise auch erfahrene Traveller. Aber es hat bei mir schon ein bisschen gedauert, um das zu verdauen.

Shanghai hat daneben aber natürlich auch einige schöne Seiten zu bieten. Beispielsweise den „Bund“ mit seiner tollen, weltbekannten Skyline.

Von der einen (bekannten) Seite:

Von der anderen Seite

Der Shanghai Tower und die Gegend um den Tower

Den Yu-Yu Garden, der ganz im chinesischen Stil angelegt ist.

Außerdem habe ich in Shanghai ein paar Leute kennen gelernt, die ich dann in Hongkong wieder getroffen habe.

…und außerdem hab ich meine Haare schneiden lassen ;). Vorher/ Nachher:

Doch zwischen Shanghai und Hongkong lagen 18 Stunden Fahrt in einem Nachtzug, diesmal 3. Klasse. Ich war aber eigentlich ganz froh, mal wieder Nachtzug fahren zu können und habe mich (gefühlt) den ganzen Tag nur auf meiner Liege (die oberste von drei) gefläzt, mich ein bisschen auf Hongkong vorbereitet und ansonst nicht viel gemacht. Das ist finde ich das tolle an langen Fahrten im Nachtzug: Man macht einfach mal nichts… Klar ist das im Bus oder mit einem Sitzplatz im Zug ähnlich, im Nachtzug ist es aber bequemer und man hat bedeutend mehr Bewegungsfreiheit.

Nach Hongkong musste ich übrigens quasi reisen, weil die 30 Tage, für die ich das Visum hatte, langsam zu Ende gingen und ich das Land verlassen musste, um ein zweites Mal nach China kommen zu können (wieder mit 30 Tagen Visum).

Hongkong war ca. 150 Jahre lang eine britische Kolonie, gehört aber offiziell seit 1997 wieder zu China. Allerdings befindet sich Hongkong gerade in einer 50-jährigen Übergangsphase, in der es seine freie Marktwirtschaft, das sozial- und das Rechtssystem beibehalten darf – das sogenannte „one country, two systems“ Prinzip.

Hongkong-Chinesen sprechen kein Mandarin sondern Kantonesisch und verwenden noch die traditionellen chinesischen Schriftzeichen, die (noch) komplexer sind als die vereinfachten chinesischen Schriftzeichen, die im Mainland China verwendet werden (es gab eine Schriftreform unter Mao Zedong). Hongkong hat außerdem eine eigene Währung, den Hongkong-Dollar uuuuuuund das Internet ist nicht zensiert!!! In Hongkong mussste ich mich also ein paar Tage nicht mit dem nervigen vpn herum kämpfen. Viel wichtiger ist aber, dass die Bewohner Hongkongs einen freien Zugang zum Internet und westlichen Medien haben.

Außerdem hat die ganze Stadt ein ziemlich britisch- internationales Flair. Während der britischen Kolonialzeit sind Händler und Geschäftsleute aus allen möglichen Ländern nach Hongkong gekommen und geblieben, das merkt man. Und er herrscht übrigens Linksverkehr und alte, rote Taxis dominieren den Verkehr – very british!

Gut gefallen an Hongkong hat mir außerdem, dass es sehr grün ist: über 70% der Fläche sind Wälder und Berge – das meiste davon in den „New Terotorries“ an der Grenze zu China. Man kann also innerhalb Hongkongs eine tolle Tageswanderung haben oder an einem der Strände chillen und dann abends ein gutes Essen und/oder das Nachtleben der Millionenstadt genießen. A propos Essen: Es gibt alles! Von typisch kantonesischem Essen und Dim Sun bis hin zu Italienisch, Indisch, Burgern… Ähnlich ist es mit Lebensmitteln: Ich habe in einem Geschäft sogar eine original Ritter Sport, importiert aus Deutschland, gefunden. Natürlich hat alles auch seinen Preis, aber dafür ist man dann halt in Hongkong…

Hier mal ein paar Eindrücke

Essen

Victoria Harbour

Aussicht vom Victoria Peak

Temple Street Night Market

Man Mo Tempel

„Rundfahrt“ mit einer doppelstöckigen Tram

Ausflug zur Lamma Insel zum Wandern und Baden

Mit ein paar Bekannten in der Ozon Bar (angeblich die höchste Bar der Welt)

Hongkong Flair

Ich muss sagen, dass mir persönlich die vier Tage in der Stadt fast zu wenig waren. Hongkong bietet so eine Fülle an Möglichkeiten… Aber ich bin begeistert von dieser Stadt und sollte es sich mal ergeben, werde ich auf jeden Fall gerne (wieder) einen Zwischenstopp dort machen. Das würde ich übrigens auch jedem raten: Wenn ihr mal die Möglichkeit habt, ein paar Tage in Hongkong zu verbringen – unbedingt machen!

Nach Hongkong ging es für mich weiter bzw. eigentlich zurück nach Yangshou. Simon und ich hatten nämlich bei unserer Radtour in Yangshou Kletterer gesehen und seitdem juckte es mir in den Fingern… Dazu muss man sagen, dass Yangshou als eines der größten Klettergebiete in Asien gilt.

Ich hatte ein bisschen Bedenken, dass ich ohne Equipment und mit meinen „schlechten“ Skills Schwierigkeiten haben könnte, überhaupt zu Klettern zu kommen. Außerdem war das Wetter schlecht und ich hätte mir irgendwo in Shanghai oder Hongkong eine Erkältung geholt. Aber ich wollte es trotzdem versuchen – und wurde belohnt! Nach zwei etwas gechillteren Tagen hatte ich insgesamt drei schöne Klettertage, habe viele nette, entspannte Kletterer aus aller Welt kennen gelernt und bin jetzt wieder richtig „heiß“ aufs Klettern. Der coolste Tag war dabei der letzte Klettertag, an dem das Wetter richtig gut war und wir mit einer großen internationalen Gruppe gemeinsam am Fels waren. Es waren Leute aus den USA, Schweden, Frankreich, Spanien, England, Israel, Kanada, China und natürlich ich aus Deutschland mit am Fels. Das war nochmal ein schöner Abschluss für mich.

Als schöner Abschluss hat sich im Nachhinein auch mein letzter Tag in China heraus gestellt. Morgens am 28. 10. habe ich einen Zug von Yangshou nach Nanning genommen und wollte dann von dort am gleichen Abend noch weiter mit einem Nachtzug nach Hanoi, Vietnam. Aber der Zug war leider bis zum 1. 11. ausgebucht… Ich hab dann aber herausgefunden, dass es gleich am nächsten Tag Busse nach Hanoi gibt und mir ein Ticket gekauft. Nachdem ich auch noch ein Hostel für die Nacht gefunden hatte, hab ich mich auf den Weg zum Decathlon gemacht. Also ich wusste, dass es einen Decathlon in Nanning gibt und auch die chinesische Adresse hatte ich- aber trotzdem musste ich ja noch hin kommen… Insgesamt bekam ich dabei Hilfe von drei Chinesen: Die Hostel-Angestellte, die mit mir 20 Minuten auf der Straße stand, um ein Taxi zu bekommen; der Taxifahrer, der nach ca. 15 Minuten Fahrt einfach partout kein Geld nehmen wollte und sogar ausstieg, um mir sehr umschweifend etwas zu erklären (was ich leider nicht verstand) und der Portier von dem Gebäude, bei dem ich schließlich raus kam. So viel Hilfe und Gastfreundschaft hatte ich noch in keiner chinesischen Stadt! Und irgendwie hat das ein bisschen für den doofen Touristen-Trick entschädigt. Für mich war es jedenfalls ein schönes Abschluss-Erlebnis.

Ein paar Bilder vom Decathlon und von Nanning (nein, die Mütze hab ich nicht gekauft ;))

Jetzt sitze ich in dem erwähnten Bus nach Hanoi. Die Grenze und damit China liegen hinter mir. Morgen, am 30. 10., treffe ich Wolfgang, meinen nächsten Reisepartner, der sich gerade noch auf dem Weg nach Vietnam befindet. Gemeinsam werden wir Vietnam, Kambodscha und Singapur bereisen und ja – ich werde wohl zum ersten Mal auf meiner Reise fliegen.

Die erste Zugreise nach Russland – goodbye EU

Beim letzten Blogeintrag war ich noch in Riga, Lettland. Der EU. Ich konnte mit Euro zahlen, hatte EU-Roaming, brauchte nur den Perso…

Das hat sich in der Nacht vom 23. auf den 24. August schlagartig geändert. Am letzten Donnerstag (23.8.) bin ich gegen Abend in Riga in den Zug nach St. Petersburg gestiegen. Ich hatte für diese „kurze“ Strecke (16 Stunden) einen Platz in der dritten Klasse gebucht – so zum ausprobieren. Außerdem sind grenzüberschreitende Züge immer recht teuer und mit der Fahrt in der dritten Klasse konnte ich ein bisschen sparen. 😉

Ich bin in Indien auch schon mit der dritten Klasse gefahren und muss sagen: Das ist überhaupt kein Vergleich! In Russland kann man schon mal mit der dritten Klasse fahren. Es gibt offene Anteile mit zweistöckigen Betten längs und quer zur Fahrtrichtung. Ich hatte ein Bett unten quer zur Fahrtrichtung und konnte meinen Rucksack unter mir verstauen. Solange ich also saß oder lag konnte niemand an meinen Rucksack kommen. Die darin verstauten Sachen waren also safe.

Selbst in der dritten Klasse kriegt man übrigens eine Art „Matratze“, Bettzeug, Bettwäsche und sogar ein kleines Handtuch gestellt.

Ich kam ziemlich planlos daher und war irgendwie nicht darauf eingestellt, dass mit Betreten des Zuges quasi „Russland beginnt“. Also natürlich nicht wirklich, aber da es ein russischer Zug (mit Ziel St. Petersburg)war, war das Personal sowie auch die anderen Insassen russisch. Englisch Adé… Die Zugbegleiterin war aber total nett und brachte mich persönlich zu meinem Platz und schaute immer mal wieder nach mir.

Inbegriffen im Preis war scheinbar auch ein russischer schwarzer Tee in dem schönen traditionellen Glas.

Wenn man noch mehr Tee möchte, kann man sich vom sogenannten „Samowar“ heißes Wasser holen. Das ist typisch für Russische Züge. (Ich werd irgendwann mal ein Bild posten)

So ein russischer Fernzug ist nicht mit so nem deutschen ICE vergleichbar und schon gar nicht mit den RBs, die durch Thüngersheim fahren. Der Zug ist lang!!! Ich glaube 20 Wagons (Russisch вагон ;)) sind „normal“. Jeder Wagon hat einen eigenen Zugbegleiter. Er oder sie hat die Aufgabe, Bettwäsche auszuteilen und wieder einzusammeln, Tee zu servieren (wenn es Tee gibt) und auch sonst nach dem Rechten zu sehen. Beispielsweise werden teilweise (in den unteren Klassen meistens) die Klos mindestens 10 Minuten vor den Ortschaften abgesperrt. Die „Abflüsse“ enden da nämlich einfach auf den Gleisen – und das ist außerhalb der Ortschaften okay, aber im Ort…naja…eklig… (Fun fact: In Indien könnte man sich dieses „Absperren“ finde ich mal anschauen. Dort baut man nur auf die „Disziplin“ der Fahrgäste, in den Ortschaften das Klo nicht zu nutzen – mit mäßigem Erfolg…)

Als der Zug in Riga los fuhr war mein Abteil eher spärlich besetzt und es war recht ruhig alles. Gut für mich, um mich mal so an dieses Zugfahren zu gewöhnen und mich auf Russland einzustellen.

Es wurde übrigens (wie im Flugzeug auch) ein „Einreisezettel“ ausgeteilt, den man schon mal ausfüllen sollte. Außerdem wurde eine Liste herum gegeben, in der man angeben sollte, ob man etwas zu verzollen hat.

Was macht man so beim Zug fahren? Lesen, Reisetagebuch und Blog schreiben und viel aus dem Fenster schauen (solange es noch hell ist). Draußen vor den Fenstern zogen die Felder und Wälder Lettlands vorbei.

Irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr machte ich mir dann mein Bett und legte mich schon mal zum dösen hin.

Lang schlafen konnte ich aber nicht: Gegen halb 12 erreichten wir scheinbar die Grenze. Jedenfalls wurde der Zug angehalten (vorher natürlich die Klos verschlossen ;)) und es kamen zwei Grenzbeamten in dem Wagon. Sie kontrollieren Pass, Visum und hatten so eine Art „Scanner“ dabei, mit dem sie den Pass einlasen. Nachdem sie weg waren musste ich erstmal mit leichtem Bestürzen feststellen, dass ich keinen Stempel bekommen hatte.

Oh Nein! Die Route über Riga hatte ich extra gewählt, um eben einen Stempel in den Pass zu kriegen und nicht „illegal“ in Russland zu sein. Naja, das musste ich dann halt in St. Petersburg klären – dachte ich. Und legte mich wieder hin.

Ich hatte mich aber geirrt: dieses Pass scannen war nur einer von vier Schritten bei der Grenzkontrolle. Nach ca. 20 Minuten kam eine Frau, die das Gepäck kontrollierte. Dann kam nach weiteren 20 Minuten ein Mann, der die nicht besetzten Betten kontrollierte und zu guter letzt (natürlich wieder 20 Minuten später 😉 und der Zug stand natürlich die ganze Zeit über!) kam eine Dame von der Grenzkontrolle mit dem (heißbegehrten!) Stempel!

Wer jetzt aber denkt, die Dame hätte mir mit einem netten Lächeln den Einreisestempel in den Pass gedrückt, der irrt sich. Sie blätterte den Pass durch, schaute sich alle Bilder an (das Indische und das Russische Visum haben je ein Bild) und schien mir nicht zu glauben, dass ich ich bin. Blöd. Sie holte sich dann eine Kollegin dazu. Dann blätterten beide gemeinsam im Pass und musterten mich dabei von oben bis unten. Irgendwie kamen sie dann zu dem Schluss, dass das scho ich sein könnte. 😉 Und so war ich nach Russland eingereist. Puh! Mit dem Flugzeug wäre es stressfreier gewesen – aber dann hätte ih auch nichts zu erzählen…

Ich persönlich fand das ganze Prodzedere übrigens gar nicht mal sooo nervenaufreibend, weil ich (wie auch schon im Nachtbus nach Riga) einfach nur verdammt müde und schlaftrunken war. Ich bin sehr gespannt, zu welcher Tageszeit die nächsten Grenzkontrollen stattfinden – bevorzugen würde ich aber tatsächlich tagsüber 😉

Nach der Grenzkontrolle dachte ich, ich könnte nun endlich im Ruhe schlafen. Aber ich lag falsch: Der Grenzpunkt war auch eine Haltestelle (auf russischer Seite). Und so strömten nach der Kontrolle die Passagiere in den Zug, machten ihre Betten usw.. Der Zug wurde richtig belebt.

In Russland gab es dann aber nach der Grenze noch weitere Halte. Der Zug hielt so bis ca. halb 4 regelmäßig und immer wieder strömten Menschen in den Zug – bis der Wagon richtig voll war!

Und da erkannte ich auch schon den großen Nachteil an den Zügen in der dritten Klasse: Dadurch, dass man ja kein Abteil zu machen kann, kriegt man das alles mit. Zudem ist das Licht so gut immer in einer Art „Schummerbeleuchtung“ angeschaltet.
Für mich war es okay: Ich war müde genug, um ein bisschen unruhigen Schlaf zu finden. Aber ich brauche es glaube ich zukünftig nicht unbedingt nochmal… 😉

Der Rest der Zugfahrt verlief relativ unspektakulär. Gegen halb 10 kam der Zug in St. Petersburg an und ich machte mich auf die Suche nach einem ATM, einem Geschäft für eine SIM-Karte und natürlich dem Hostel. Dann war ich ready, die Stadt zu erkunden.

Kleiner Nachtrag: übrigens vertragen sich Worlpress und Russland nicht. Ich muss jetzt über VPN posten…