Eine actionreiche Zeit in Vietnam

Vor mittlerweile fast zwei Wochen, am 29. Oktober habe ich schließlich China verlassen und bin nach Vietnam eingereist. Diesmal mit dem Bus. Im Gegensatz zu dem Nachtzug nach Hanoi, der ja für die nächsten 5 oder 6 Tage ausverkauft war, war der Bus weniger frequentiert und insgesamt war ich mit fünf anderen Reisenden, darunter zwei Deutschen, im Bus. Die Grenzüberschreitung ging daher relativ schnell und in Vietnam sind wir dann auch auf einen Minibus gewechselt.

Als ich auf dem Weg nach Hoi An aus dem Fenster schaute, fiel mir als einziger großer Unterschied zu China auf, dass ich plötzlich die Schrift lesen konnte. Als man in Vietnam nämlich um 1900 herum anfing, einer größeren Bevölkerungsgruppe das Lesen und Schreiben beibringen zu wollen, stelle man nämlich fest, dass das am sinnvollsten mit lateinischer Schrift ging – und so wurde damals „umgestellt“ von chinesischen Zeichen auf Lateinische Buchstaben (natürlich ergänzt um französische Accents, Accent-egus usw.). Die Straßen, Dörfer mit ihren kleinen Straßenständen und die Fahrzeuge wirkten ziemlich ähnlich.

In Hanoi angekommen habe ich aber feststellen müssen, dass die Vietnamnesen im Gegensatz zu den Chinesen ziemlich waghalsige Fahrer sind. Der Verkehr ist sowohl in Südchina als auch in Vietnam chaotisch – aber die Chinesen fahren (vermutlich aus Angst vor Unfällen) wenigstens verhältnismäßig langsam. Die Vietnamnesen drücken dagegen mal kurz auf die Hupe und preschen dann los. Es kam mir sogar noch schlimmer vor als in Indien.

Generell ist der Scooter oder das Motorrad DAS Verkehrsmittel: Es dient zum Transport von allem und wird natürlich auch dazu verwendet, sich drauf zu legen und ein Nickerchen zu machen. 😉

In Hanoi habe ich an meinem zweiten Tag Wolfgang getroffen und wir haben gemeinsam ein bisschen Sightseeing gemacht und in verschiedenen Museen etwas über die Geschichte Vietnams gelernt. Erstaunt hat mich dabei, wie sehr ich den Bogen spannen konnte vom Anfang meiner Reise in Russland bis nach Vietnam.

Die kommunistischen Ideologien des Staatshelden Ho Chi Minh orientieren sich stark an denen Lenins und nach der Erlangung der Unabhängigkeit nach Ende des Vietnamkriegs orientierte sich die Staatspolitik sehr an der Politik Russlands. Als beispielsweise Michael Gorbatschow in den 90er Jahren die Reformen zur Öffnung (Glasnost) und Restrukturierung (perestroika) auf die politische Agenda brachte, reagierte man in Vietnam darauf mit einer Wirschaftsreform. In Vietnam herrscht bis Heute noch eine Sonderform des Kommunismus vor, von der man aber als Reisender eher wenig mit bekommt.

Das Verhältnis von Vietnam zur früheren Imperialmacht China ist ziemlich spannungsgeladen, wohingegen das Verhältnis zu Frankreich sehr entspannt ist und sich auch das Verhältnis zur USA (nach dem Vietnamkrieg) wieder entspannt hat. Alles andere bitte googeln… 😉

Hier mal ein paar Eindrücke von Hanoi:

Vietnam ist das erste Land auf meiner Reise, in dem es wirklich so etwas wie eine Kaffeekultur gibt. Eine Spezialität aus Hanoi ist beispielsweise Caphe trung, ein Espresso mit Eischnee. Toll fand ich außerdem Caphe da, kalten Kaffee mit Kokosnussmilch… Beides ist nicht ganz kalorienarm aber dafür mega lecker.

ach knapp zwei Tagen in Hanoi ging es für uns beide weiter nach Cat Ba Island. Das ist eine Insel, die in etwa zwei Busstunden von Hanoi entfernt ist und direkt neben der weltbekannten Ha Long Bucht und ihrer etwas unbekannteren Schwester der Ha Lan Bucht liegt. Hier haben wir fünf Tage verbracht, an denen wir verschiedene Outdoor-Aktivitäten unternommen und die Insel erkundet haben. Ein Highlight war dabei ein zweitägiger Aufenthalt mit Übernachtung in der Ha Lan Bucht. Die Ha Lan Bucht ist weniger überlaufen als die Ha Long Bucht, außerdem leben hier noch die ursprüngliche aus der Region stammenden Fischerfamilien. Die Fischer wurden leider aus der Ha Long Bucht vertrieben, weil das „besser für den Tourismus“ ist.

Hier ein paar Bilder von den beiden Tagen in der Bucht und von Cat Ba Island

Nach dieser tollen Zeit auf der Insel (bei der ich übrigens beschloss habe, nächstes Jahr mehr Kletter-Urlaub zu machen 😉 ) ging’s weiter Richtung Süden. Diesmal, wie ganz am Anfang meiner Reise, mit dem Sleeper Bus. (und dieser Bus hatte wirklich sowas wie Betten)

Ziel der Nachtbusfahrt war Hue, das während der chinesischen Imperialzeit für ca. 150 Jahre als Hauptstadt diente. Viele Sehenswürdigkeiten und Monumente (teilweise nach dem Vietnamkrieg wieder aufgebaut) zeugen von dieser Zeit.

Nach Hue war es dann an der Zeit, ein bisschen Schwung in den Reisestil und ein neues Verkehrsmittel auf den Plan zu bringen. Bisher war ich unterwegs mit Bus, Zug, Taxi, zu Fuß, auf dem Pferderücken, mit Geländewägen und verschiedenen Rollern. Die Fahrt zur nächsten Destination Hoi An wollten wir auf dem Motorrad zurücklegen- als Sozius allerdings. Die Managerin von unserem Hostel in Hue stelle einen guten Kontakt zu sogenannten „Easy Ridern“ zur Verfügung, die uns auf ihren Motorrädern über den malerischen „Wolkenpass“ nach Hoi An fahren sollten. Inklusive Gepäck. Das hörte sich toll an!

Leider hatten wir nicht daran gedacht, dass Regenzeit war: An dem Tag, an dem die Tour statt finden sollte schüttete es frühs beim Frühstück wie aus Eimern und wir überlegten, ob es wirklich so eine gute Idee war, die Tour zu buchen… aber dann kamen zwei gut gelaunte Vietnamnesen an, packten uns und unsere Rucksäcke wasserdicht ein – und los ging’s… letztendlich würde das Wetter dann im Lauf des Tages auch besser und es war echt ein mega cooler Tag und eine tolle Tour.

In Hoi An, wo wir dann noch drei Tage verbracht haben, gab es dann auch einiges zu sehen. Die Altstadt ist noch sehr gut erhalten und gehört zum Unesco Weltkulturerbe. Außerdem ist Hoi An die Stadt der bunten Laternen und besonders nachts sind die Straßen der Altstadt damit mega schön dekoriert und beleuchtet.

Außer Sightseeing machten wir in Hoi An auch einen Kochkurs. Nach einer Tour über dem Markt, bei der die Zutaten besorgt wurden, durfte jeder von uns selbst an einem eigenen Gasherd ein paar Leckerbissen kochen. Hier mal meine „Ergebnisse“ (mir hat es sehr gut geschmeckt):

Mittlerweile ist die Zeit in Vietnam aber auch schon zu Ende und vor ein paar Stunden sind Wolfgang und ich in Siem Reap, Kambodscha gelandet – womit für mich die „flugfreie“ Zeit jetzt auch vorbei ist.

Die nächsten Tage werden wir Siem Reap und vor allem Angkor Wat anschauen und dann geht’s auch schon weiter nach Phnom Penh.

Die letzten zwei Wochen in China

Mehr als 5 Wochen ist es jetzt her, dass ich nach China eingereist bin und vor zwei Wochen habe ich Simon in Hefei verabschiedet.

In den zwei Wochen habe ich Shanghai und Hongkong besucht. Außerdem war ich nochmal in Yangshou- diesmal zum Klettern.

Von Shanghai hatte ich mir bedeutend mehr erwartet, als es dann tatsächlich zu bieten hatte. Das lag vielleicht daran, dass ich ein bisschen reisemüde war und schon ziemlich „satt“ von dem vielen, was ich bisher erlebt hatte. Aber vielleicht lag es auch daran, dass meine Cochsurfing-Übernachtung sich als absoluter Flopp erwiesen hat oder daran, dass ich tatsächlich auf einen doofen Touristen-trick, den sogenannten „Teahouse scam“ herein gefallen bin (einfach mal googeln, ich will das jetzt nicht erklären). Die ganze Zeit über war ich aufmerksam gewesen, nicht auf irgendwelche Tricks und Touristenfallen herein zu fallen und gleichzeitig hatte ich versucht, mich ein bisschen zu öffnen und nicht allzu misstrauisch zu sein. Vermutlich ein Fehler. Außer dem Geld, was mich dieser Trick gekostet hat (knapp 50 Euro), hab ich natürlich auch einiges an Vertrauen verloren. Auf so einen Trick herein zu fallen ist natürlich auch beschämend und erniedrigend und kratzt schon ein bisschen am Traveler-ego. Ich habe auch überlegt, ob ich es überhaupt im Blog erwähnen soll, mich dann aber dafür entschieden – um zu zeigen, dass eben nicht immer alles glatt läuft. Was mir so ein bisschen über den „Schock“ hinweg geholfen hat, war die Tatsache, dass vor mir schon einige andere auf diesen Trick hereingefallen sind- teilweise auch erfahrene Traveller. Aber es hat bei mir schon ein bisschen gedauert, um das zu verdauen.

Shanghai hat daneben aber natürlich auch einige schöne Seiten zu bieten. Beispielsweise den „Bund“ mit seiner tollen, weltbekannten Skyline.

Von der einen (bekannten) Seite:

Von der anderen Seite

Der Shanghai Tower und die Gegend um den Tower

Den Yu-Yu Garden, der ganz im chinesischen Stil angelegt ist.

Außerdem habe ich in Shanghai ein paar Leute kennen gelernt, die ich dann in Hongkong wieder getroffen habe.

…und außerdem hab ich meine Haare schneiden lassen ;). Vorher/ Nachher:

Doch zwischen Shanghai und Hongkong lagen 18 Stunden Fahrt in einem Nachtzug, diesmal 3. Klasse. Ich war aber eigentlich ganz froh, mal wieder Nachtzug fahren zu können und habe mich (gefühlt) den ganzen Tag nur auf meiner Liege (die oberste von drei) gefläzt, mich ein bisschen auf Hongkong vorbereitet und ansonst nicht viel gemacht. Das ist finde ich das tolle an langen Fahrten im Nachtzug: Man macht einfach mal nichts… Klar ist das im Bus oder mit einem Sitzplatz im Zug ähnlich, im Nachtzug ist es aber bequemer und man hat bedeutend mehr Bewegungsfreiheit.

Nach Hongkong musste ich übrigens quasi reisen, weil die 30 Tage, für die ich das Visum hatte, langsam zu Ende gingen und ich das Land verlassen musste, um ein zweites Mal nach China kommen zu können (wieder mit 30 Tagen Visum).

Hongkong war ca. 150 Jahre lang eine britische Kolonie, gehört aber offiziell seit 1997 wieder zu China. Allerdings befindet sich Hongkong gerade in einer 50-jährigen Übergangsphase, in der es seine freie Marktwirtschaft, das sozial- und das Rechtssystem beibehalten darf – das sogenannte „one country, two systems“ Prinzip.

Hongkong-Chinesen sprechen kein Mandarin sondern Kantonesisch und verwenden noch die traditionellen chinesischen Schriftzeichen, die (noch) komplexer sind als die vereinfachten chinesischen Schriftzeichen, die im Mainland China verwendet werden (es gab eine Schriftreform unter Mao Zedong). Hongkong hat außerdem eine eigene Währung, den Hongkong-Dollar uuuuuuund das Internet ist nicht zensiert!!! In Hongkong mussste ich mich also ein paar Tage nicht mit dem nervigen vpn herum kämpfen. Viel wichtiger ist aber, dass die Bewohner Hongkongs einen freien Zugang zum Internet und westlichen Medien haben.

Außerdem hat die ganze Stadt ein ziemlich britisch- internationales Flair. Während der britischen Kolonialzeit sind Händler und Geschäftsleute aus allen möglichen Ländern nach Hongkong gekommen und geblieben, das merkt man. Und er herrscht übrigens Linksverkehr und alte, rote Taxis dominieren den Verkehr – very british!

Gut gefallen an Hongkong hat mir außerdem, dass es sehr grün ist: über 70% der Fläche sind Wälder und Berge – das meiste davon in den „New Terotorries“ an der Grenze zu China. Man kann also innerhalb Hongkongs eine tolle Tageswanderung haben oder an einem der Strände chillen und dann abends ein gutes Essen und/oder das Nachtleben der Millionenstadt genießen. A propos Essen: Es gibt alles! Von typisch kantonesischem Essen und Dim Sun bis hin zu Italienisch, Indisch, Burgern… Ähnlich ist es mit Lebensmitteln: Ich habe in einem Geschäft sogar eine original Ritter Sport, importiert aus Deutschland, gefunden. Natürlich hat alles auch seinen Preis, aber dafür ist man dann halt in Hongkong…

Hier mal ein paar Eindrücke

Essen

Victoria Harbour

Aussicht vom Victoria Peak

Temple Street Night Market

Man Mo Tempel

„Rundfahrt“ mit einer doppelstöckigen Tram

Ausflug zur Lamma Insel zum Wandern und Baden

Mit ein paar Bekannten in der Ozon Bar (angeblich die höchste Bar der Welt)

Hongkong Flair

Ich muss sagen, dass mir persönlich die vier Tage in der Stadt fast zu wenig waren. Hongkong bietet so eine Fülle an Möglichkeiten… Aber ich bin begeistert von dieser Stadt und sollte es sich mal ergeben, werde ich auf jeden Fall gerne (wieder) einen Zwischenstopp dort machen. Das würde ich übrigens auch jedem raten: Wenn ihr mal die Möglichkeit habt, ein paar Tage in Hongkong zu verbringen – unbedingt machen!

Nach Hongkong ging es für mich weiter bzw. eigentlich zurück nach Yangshou. Simon und ich hatten nämlich bei unserer Radtour in Yangshou Kletterer gesehen und seitdem juckte es mir in den Fingern… Dazu muss man sagen, dass Yangshou als eines der größten Klettergebiete in Asien gilt.

Ich hatte ein bisschen Bedenken, dass ich ohne Equipment und mit meinen „schlechten“ Skills Schwierigkeiten haben könnte, überhaupt zu Klettern zu kommen. Außerdem war das Wetter schlecht und ich hätte mir irgendwo in Shanghai oder Hongkong eine Erkältung geholt. Aber ich wollte es trotzdem versuchen – und wurde belohnt! Nach zwei etwas gechillteren Tagen hatte ich insgesamt drei schöne Klettertage, habe viele nette, entspannte Kletterer aus aller Welt kennen gelernt und bin jetzt wieder richtig „heiß“ aufs Klettern. Der coolste Tag war dabei der letzte Klettertag, an dem das Wetter richtig gut war und wir mit einer großen internationalen Gruppe gemeinsam am Fels waren. Es waren Leute aus den USA, Schweden, Frankreich, Spanien, England, Israel, Kanada, China und natürlich ich aus Deutschland mit am Fels. Das war nochmal ein schöner Abschluss für mich.

Als schöner Abschluss hat sich im Nachhinein auch mein letzter Tag in China heraus gestellt. Morgens am 28. 10. habe ich einen Zug von Yangshou nach Nanning genommen und wollte dann von dort am gleichen Abend noch weiter mit einem Nachtzug nach Hanoi, Vietnam. Aber der Zug war leider bis zum 1. 11. ausgebucht… Ich hab dann aber herausgefunden, dass es gleich am nächsten Tag Busse nach Hanoi gibt und mir ein Ticket gekauft. Nachdem ich auch noch ein Hostel für die Nacht gefunden hatte, hab ich mich auf den Weg zum Decathlon gemacht. Also ich wusste, dass es einen Decathlon in Nanning gibt und auch die chinesische Adresse hatte ich- aber trotzdem musste ich ja noch hin kommen… Insgesamt bekam ich dabei Hilfe von drei Chinesen: Die Hostel-Angestellte, die mit mir 20 Minuten auf der Straße stand, um ein Taxi zu bekommen; der Taxifahrer, der nach ca. 15 Minuten Fahrt einfach partout kein Geld nehmen wollte und sogar ausstieg, um mir sehr umschweifend etwas zu erklären (was ich leider nicht verstand) und der Portier von dem Gebäude, bei dem ich schließlich raus kam. So viel Hilfe und Gastfreundschaft hatte ich noch in keiner chinesischen Stadt! Und irgendwie hat das ein bisschen für den doofen Touristen-Trick entschädigt. Für mich war es jedenfalls ein schönes Abschluss-Erlebnis.

Ein paar Bilder vom Decathlon und von Nanning (nein, die Mütze hab ich nicht gekauft ;))

Jetzt sitze ich in dem erwähnten Bus nach Hanoi. Die Grenze und damit China liegen hinter mir. Morgen, am 30. 10., treffe ich Wolfgang, meinen nächsten Reisepartner, der sich gerade noch auf dem Weg nach Vietnam befindet. Gemeinsam werden wir Vietnam, Kambodscha und Singapur bereisen und ja – ich werde wohl zum ersten Mal auf meiner Reise fliegen.