Baikalsee – wunderschöne Insel Olchon!

Gerade sitze ich im Bus zurück nach Irkutsk, hinter mir liegen fast vier Tage auf der Insel Olchon – und ich wäre gerne noch länger geblieben!

Am letzten Donnerstag ging’s mit dem Bus in 6 Stunden von Irkutsk (das übrigens nicht direkt am Baikalsee liegt) nach Olchon. Olchon ist die größte Insel im Baikalsee – der übrigens der größte und tiefste Süßwassersee der Erde ist und sogar aus dem All gesehen werden kann. Am bzw. im Baikalsee gibt es einige endeme (so heißt das glaub ich, oder 😉 ) Tier- und Pflazenarten, die es nur dort gibt. Hier ist z.B. die Baikalrobbe oder die Fischart Omul zu nennen.

Ich glaube auch das kulturell und spirituell gesehen der Baikalsee ein interessanter Ort ist – hier treffen verschiedene Religionen und Bevölkerungsgruppen aufeinander. Während ich in Irkutsk, am Westufer des Sees, noch in Sibirien und damit „so richtig in Russland“ bin, befindet sich am Ostufer des Sees die autonome russische Republik Buriatien mit der Hauptstadt Ulan-Ude. Die Buriaten (Bevölkerung Buriatiens) sehen äußerlich eher Mongolen bzw. Asiaten ähnlich und sind außerdem zum großen Teil Buddhisten. In der Region wird, neben Russisch, eine eigene Sprache gesprochen. Ich fand das sehr interessant und wollte zunächst noch einen Stop in Ulan-Ude einlegen. Das habe ich jetzt aber gestrichen, weil es glaube ich zu stressig geworden wäre.

Religiös spielt am Baikalsee, und besonders auf der Insel Olchon auch der Schamanismus eine große Rolle. Das Kap Burhan ist einer der heiligen drei Orte des Schamanismus. Da sich ein anderer heiliger Ort, nach dem Glauben der Schamanen im Himmel und ein weiterer in der Unterwelt befindet, ist es der einzige heilige Ort auf der Erde – nach dem Glauben der Schamanen. Überall auf der Insel, aber besonders in der Nähe des Cap Burhan befinden sich sowas wie „Gebetsfahnen“, die an Bäumen o.ä. festgemacht wurden.

Wer jetzt aber glaubt, die Insel Olchon sei ein hübsches Ferieninselchen, vergleichbar vielleicht mit Mallorca, der irrt sich. Auf der gesamten Insel nur leben ca. 1.700 Menschen, der Großteil davon in der Hauptstadt „Kuzhir“. Auf der gesamten Insel gibt es keine einzige asphaltierte Straße (ich hab zumindest keine gesehen), die Häuser sind zum großen Teil einfache, einstöckige Holzhäuser und die Wasserversorgung erfolgt teilweise manuell (für den Hausbedarf wird jeweils ein Kubik mit einem Bulldog o.ä. an einer Einnahmestelle abgeholt). Ich bin quasi „in the middle of nowhere“ gelandet – und genau da wollte ich hin! (aber immerhin: mobiles Internet gab’s in Kuzhir 😉 )

Auf der Insel laufen die Kühe übrigens überall herum, wie so wollen – wie in Indien. Vielleicht habe ich mich deshalb dort so wohl gefühlt…

Schon die Busfahrt zur Insel war ein Erlebnis: Das Wetter war mega und die Landschaft einfach toll!

Auf die Insel ging’s natürlich mit einer Fähre (wenig spektakulär).

Ich hatte mich in einem kleinen Gasthaus eingebucht, das am Ortsrand von Khuzir liegt. Das war alles recht rustikal und ursprünglich, aber ich hatte mein eigenes Zimmer mit WC. Außerdem zauberte die Gastgeberin, Vera, mir jeden Tag ein echt gutes Frühstück. Ein Abendessen bekam ich auch am ersten Abend dort. Da ich danach aber (weil Nebensaison) der einzige Gast war, machte ich mit Vera aus, dass ich lieber „im Dorf“ esse – was für sie weniger Aufwand und für mich mehr Gesellschaft bedeutet hat.

An meinem ersten Tag auf der Insel machte ich mich zu Fuß auf, Khuzir zu erkunden und das Kap Burhan zu sehen.

Am nächsten Tag nahm ich an einer Bustour in den Norden der Insel teil. Aufgrund der fehlenden befestigten Straßen ist das von A nach B kommen auf der Insel oft ein Erlebnis für sich: man sieht die Straße und denkt sich: da kann kein Auto fahren. Aber die Busse, mit denen wir unterwegs waren haben es geschafft!

Nachdem wir eine Weile im Bus durchgeschüttelt wurden gab es immer wieder Stopps, bei denen wir aussteigen und die Landschaft genießen konnten. Und, was soll ich sagen, das Gewackel und Durchgeschüttel hat sich echt gelohnt! (Ich habe übrigens gemerkt, dass ich neuerdings auch ein bisschen an Reisekrankheit leide – wohl erblich bedingt, denn meine Mama hat es auch… )

Abends saß ich dann noch mit ein paar Asiaten, die ich auf dem Ausflug kennen gelernt habe, zusammen. Die zwei mit denen ich mich am besten verstanden habe kommen übrigens aus Singapur und sind (wie’s der Teufel will 😉 ) auch Kletterer!

Am gleichen Abend wurden wir noch von Andri, den ich zufällig über 5 Ecken kennen gelernt habe, zu einem Lagerfeuer eingeladen. Andri gehört zu einer Gruppe Freiwilliger, die zu der Zeit in der ich auf der Insel war eine Quelle denaturalisiert haben. Diese Zeit am Feuer und dort gemeinsam mit Leuten aus 6 Nationen oder so Mantras zu singend war einfach mega schön und einer der Glücksmomente der Reise (auch ohne, dass ich davon Fotos habe).

Am nächsten Tag lieh ich mir gemeinsam mit den Asiaten ein Fahrrad aus und wir wollten die Insel mit dem Rad erkunden. Aber das war einfacher gesagt als getan, da die meisten Wege einfach nur aus Sand bestehen. Und so haben wir halt recht viel geschoben.

Was erschwerend hinzu kam und uns am Vorwärts kommen hinderte war, dass in der Gruppe zwei Taiwanesen dabei waren, die auf der Reisr ein Hochzeitsvideo drehen. Unter anderem mussten natürlich mehrere Videos mit einer Drohne gedreht werden. Und so durften wir immer wieder anhalten, weil dieses Wunderwerk der Technik irgendwie gestartet, gelandet, eingestellt etc. werden musste. (Mein Veter, der selbst so ein Faible hat, ist dagegen noch harmlos ). Ich war leicht genervt… Aber die Ergebnisse haben selbst mich dann überrascht.

Abends saßen wir noch gemeinsam zusammen und tranken ein paar Bier- es war der letzte Abend der beiden Singapurianer.

Am nächsten Tag wollten die Freiwilligen, die ich ja bei dem Lagerfeuer kennen gelernt hatte, beim Aufbau bzw. Ausbau eines Spielplatzes in der Nähe meines Gasthauses helfen. Da ich die Leute in der Gruppe so sympathisch fand und mir die Gemeinschaft gefiel, schloss ich mich für einen Tag der Gruppe an. Das hieß gemeinsam Klettergerüste streichen, Müll sammeln (vor allem Glasscherben- leider!), Löcher für Klettergrüste graben, Gestrüpp wegräumen – aber auch gemeinsam Pause machen. Die meisten konnten ein bisschen Englisch und Andri (der Halb-Amerikaner ist) sprang ansonsten als Übersetzer ein. Das klappte ganz gut mit der Verständigung! Neben mir arbeitete noch eine andere Nicht-Russin mit der Gruppe: Nicole ist Engländern und wollte das Freiwilligencamp nutzen, um ihr Russisch zu verbessern. Mit ihr könnte ich mich auf jeden Fall unterhalten – und von Andri und Nicole gab’s die ein oder andere Englisch Lektion obendrauf ;)… Außerdem stellte sich heraus, dass meine Gastgeber quasi sowas wie die „Initiatoren“ des Spielplatzes sind. Sie arbeiteten den ganzen Tag mit und Mittagessen gab es bei ihnen im Aufenthaltsraum.

Mega nett fand ich, dass ich nach einer Zeit von allen nur noch „Katja“ genannt wurde (quasi als Kurzform meines Namens, aber eher ausgesprochen wie „Katchja“).

Für mich war es sehr angenehm, nach drei Wochen des Reisens, was „handfestes“ zu tun, wo man auch ein Ergebnis sieht. Außerdem fand ich die Gemeinschaft in der Gruppe, wie schon erwähnt, mega toll! Obwohl ich an diesem Tag „gearbeitet“ habe wird mir der Tag als einer der schöneren Tage in Erinnerung bleiben.

Für den Abend hatten wir vereinbart, dass wir dir Banja (Russische Sauna) meines Gasthauses benutzen dürfen. Für Nicole und mich das Erste Mal! Tanja, die aus Krasnoyarsk kommt und wie die anderen sagten „a real Siberian Girl“ ist führte uns in die Geheimnisse der Banja ein. Eigentlich ist es sehr ähnlich einer Sauna – mit dem Unterschied, dass man sich gegenseitig mit eingeweihten Birkenzweigen abschlägt – was nach einem Tag mit körperlicher Arbeit ganz gut tut! 😉

Nach der Banja (die Männer gingen nach uns Frauen) saßen wir noch etwas zusammen, tranken Tee (Achtung: kein Wodka!) und spielten ein paar Spiele. Und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen für mich… (Mein Bus nach Irkutsk ging am nächsten Tag)

A Apropos Abschied: Abschied nehmen von Russland heißt es bald auch für mich. Morgen mache ich noch einen Ausflug nach Listvianja, einen Tourististenort direkt am See, und und am Mittwoch geht mein Zug in die Mongolei.

Einerseits freue ich mich auf die Mongolei – andererseits finde ich es schade, Russland verlassen zu müssen. Dieses Land hat mich einfach positiv überrascht und ich werde es als ein Land mit großzügigen, freundlichen und offenherzigen Menschen und tollen Kulturschätzen in Erinnerung behalten. Auch wenn das für Außenstehende (wie auch für mich im Vorfeld) schwer vorstellbar ist, habe ich mich hier wohl gefühlt.

Nachtrag 1: Nein, ich hab nicht im Baikalsee gebadet. Das kann man schon machen, aber es ist echt a…kalt und ich wollte nicht schon wieder krank werden

Nachtrag 2: In der Mongolei werde ich wohl keinen Blogartikel schreiben und außerdem habe ich ab der Mongolei nicht permanent Internet – also nicht wundern…

Nachtrag 3: Ich bin neuerdings auf Instagram uns stelle ab und zu mal ein paar Bilder auf Instagram. Wer mir folgen will: kathy.katha heiße ich dort.