Die letzten zwei Wochen in China

Mehr als 5 Wochen ist es jetzt her, dass ich nach China eingereist bin und vor zwei Wochen habe ich Simon in Hefei verabschiedet.

In den zwei Wochen habe ich Shanghai und Hongkong besucht. Außerdem war ich nochmal in Yangshou- diesmal zum Klettern.

Von Shanghai hatte ich mir bedeutend mehr erwartet, als es dann tatsächlich zu bieten hatte. Das lag vielleicht daran, dass ich ein bisschen reisemüde war und schon ziemlich „satt“ von dem vielen, was ich bisher erlebt hatte. Aber vielleicht lag es auch daran, dass meine Cochsurfing-Übernachtung sich als absoluter Flopp erwiesen hat oder daran, dass ich tatsächlich auf einen doofen Touristen-trick, den sogenannten „Teahouse scam“ herein gefallen bin (einfach mal googeln, ich will das jetzt nicht erklären). Die ganze Zeit über war ich aufmerksam gewesen, nicht auf irgendwelche Tricks und Touristenfallen herein zu fallen und gleichzeitig hatte ich versucht, mich ein bisschen zu öffnen und nicht allzu misstrauisch zu sein. Vermutlich ein Fehler. Außer dem Geld, was mich dieser Trick gekostet hat (knapp 50 Euro), hab ich natürlich auch einiges an Vertrauen verloren. Auf so einen Trick herein zu fallen ist natürlich auch beschämend und erniedrigend und kratzt schon ein bisschen am Traveler-ego. Ich habe auch überlegt, ob ich es überhaupt im Blog erwähnen soll, mich dann aber dafür entschieden – um zu zeigen, dass eben nicht immer alles glatt läuft. Was mir so ein bisschen über den „Schock“ hinweg geholfen hat, war die Tatsache, dass vor mir schon einige andere auf diesen Trick hereingefallen sind- teilweise auch erfahrene Traveller. Aber es hat bei mir schon ein bisschen gedauert, um das zu verdauen.

Shanghai hat daneben aber natürlich auch einige schöne Seiten zu bieten. Beispielsweise den „Bund“ mit seiner tollen, weltbekannten Skyline.

Von der einen (bekannten) Seite:

Von der anderen Seite

Der Shanghai Tower und die Gegend um den Tower

Den Yu-Yu Garden, der ganz im chinesischen Stil angelegt ist.

Außerdem habe ich in Shanghai ein paar Leute kennen gelernt, die ich dann in Hongkong wieder getroffen habe.

…und außerdem hab ich meine Haare schneiden lassen ;). Vorher/ Nachher:

Doch zwischen Shanghai und Hongkong lagen 18 Stunden Fahrt in einem Nachtzug, diesmal 3. Klasse. Ich war aber eigentlich ganz froh, mal wieder Nachtzug fahren zu können und habe mich (gefühlt) den ganzen Tag nur auf meiner Liege (die oberste von drei) gefläzt, mich ein bisschen auf Hongkong vorbereitet und ansonst nicht viel gemacht. Das ist finde ich das tolle an langen Fahrten im Nachtzug: Man macht einfach mal nichts… Klar ist das im Bus oder mit einem Sitzplatz im Zug ähnlich, im Nachtzug ist es aber bequemer und man hat bedeutend mehr Bewegungsfreiheit.

Nach Hongkong musste ich übrigens quasi reisen, weil die 30 Tage, für die ich das Visum hatte, langsam zu Ende gingen und ich das Land verlassen musste, um ein zweites Mal nach China kommen zu können (wieder mit 30 Tagen Visum).

Hongkong war ca. 150 Jahre lang eine britische Kolonie, gehört aber offiziell seit 1997 wieder zu China. Allerdings befindet sich Hongkong gerade in einer 50-jährigen Übergangsphase, in der es seine freie Marktwirtschaft, das sozial- und das Rechtssystem beibehalten darf – das sogenannte „one country, two systems“ Prinzip.

Hongkong-Chinesen sprechen kein Mandarin sondern Kantonesisch und verwenden noch die traditionellen chinesischen Schriftzeichen, die (noch) komplexer sind als die vereinfachten chinesischen Schriftzeichen, die im Mainland China verwendet werden (es gab eine Schriftreform unter Mao Zedong). Hongkong hat außerdem eine eigene Währung, den Hongkong-Dollar uuuuuuund das Internet ist nicht zensiert!!! In Hongkong mussste ich mich also ein paar Tage nicht mit dem nervigen vpn herum kämpfen. Viel wichtiger ist aber, dass die Bewohner Hongkongs einen freien Zugang zum Internet und westlichen Medien haben.

Außerdem hat die ganze Stadt ein ziemlich britisch- internationales Flair. Während der britischen Kolonialzeit sind Händler und Geschäftsleute aus allen möglichen Ländern nach Hongkong gekommen und geblieben, das merkt man. Und er herrscht übrigens Linksverkehr und alte, rote Taxis dominieren den Verkehr – very british!

Gut gefallen an Hongkong hat mir außerdem, dass es sehr grün ist: über 70% der Fläche sind Wälder und Berge – das meiste davon in den „New Terotorries“ an der Grenze zu China. Man kann also innerhalb Hongkongs eine tolle Tageswanderung haben oder an einem der Strände chillen und dann abends ein gutes Essen und/oder das Nachtleben der Millionenstadt genießen. A propos Essen: Es gibt alles! Von typisch kantonesischem Essen und Dim Sun bis hin zu Italienisch, Indisch, Burgern… Ähnlich ist es mit Lebensmitteln: Ich habe in einem Geschäft sogar eine original Ritter Sport, importiert aus Deutschland, gefunden. Natürlich hat alles auch seinen Preis, aber dafür ist man dann halt in Hongkong…

Hier mal ein paar Eindrücke

Essen

Victoria Harbour

Aussicht vom Victoria Peak

Temple Street Night Market

Man Mo Tempel

„Rundfahrt“ mit einer doppelstöckigen Tram

Ausflug zur Lamma Insel zum Wandern und Baden

Mit ein paar Bekannten in der Ozon Bar (angeblich die höchste Bar der Welt)

Hongkong Flair

Ich muss sagen, dass mir persönlich die vier Tage in der Stadt fast zu wenig waren. Hongkong bietet so eine Fülle an Möglichkeiten… Aber ich bin begeistert von dieser Stadt und sollte es sich mal ergeben, werde ich auf jeden Fall gerne (wieder) einen Zwischenstopp dort machen. Das würde ich übrigens auch jedem raten: Wenn ihr mal die Möglichkeit habt, ein paar Tage in Hongkong zu verbringen – unbedingt machen!

Nach Hongkong ging es für mich weiter bzw. eigentlich zurück nach Yangshou. Simon und ich hatten nämlich bei unserer Radtour in Yangshou Kletterer gesehen und seitdem juckte es mir in den Fingern… Dazu muss man sagen, dass Yangshou als eines der größten Klettergebiete in Asien gilt.

Ich hatte ein bisschen Bedenken, dass ich ohne Equipment und mit meinen „schlechten“ Skills Schwierigkeiten haben könnte, überhaupt zu Klettern zu kommen. Außerdem war das Wetter schlecht und ich hätte mir irgendwo in Shanghai oder Hongkong eine Erkältung geholt. Aber ich wollte es trotzdem versuchen – und wurde belohnt! Nach zwei etwas gechillteren Tagen hatte ich insgesamt drei schöne Klettertage, habe viele nette, entspannte Kletterer aus aller Welt kennen gelernt und bin jetzt wieder richtig „heiß“ aufs Klettern. Der coolste Tag war dabei der letzte Klettertag, an dem das Wetter richtig gut war und wir mit einer großen internationalen Gruppe gemeinsam am Fels waren. Es waren Leute aus den USA, Schweden, Frankreich, Spanien, England, Israel, Kanada, China und natürlich ich aus Deutschland mit am Fels. Das war nochmal ein schöner Abschluss für mich.

Als schöner Abschluss hat sich im Nachhinein auch mein letzter Tag in China heraus gestellt. Morgens am 28. 10. habe ich einen Zug von Yangshou nach Nanning genommen und wollte dann von dort am gleichen Abend noch weiter mit einem Nachtzug nach Hanoi, Vietnam. Aber der Zug war leider bis zum 1. 11. ausgebucht… Ich hab dann aber herausgefunden, dass es gleich am nächsten Tag Busse nach Hanoi gibt und mir ein Ticket gekauft. Nachdem ich auch noch ein Hostel für die Nacht gefunden hatte, hab ich mich auf den Weg zum Decathlon gemacht. Also ich wusste, dass es einen Decathlon in Nanning gibt und auch die chinesische Adresse hatte ich- aber trotzdem musste ich ja noch hin kommen… Insgesamt bekam ich dabei Hilfe von drei Chinesen: Die Hostel-Angestellte, die mit mir 20 Minuten auf der Straße stand, um ein Taxi zu bekommen; der Taxifahrer, der nach ca. 15 Minuten Fahrt einfach partout kein Geld nehmen wollte und sogar ausstieg, um mir sehr umschweifend etwas zu erklären (was ich leider nicht verstand) und der Portier von dem Gebäude, bei dem ich schließlich raus kam. So viel Hilfe und Gastfreundschaft hatte ich noch in keiner chinesischen Stadt! Und irgendwie hat das ein bisschen für den doofen Touristen-Trick entschädigt. Für mich war es jedenfalls ein schönes Abschluss-Erlebnis.

Ein paar Bilder vom Decathlon und von Nanning (nein, die Mütze hab ich nicht gekauft ;))

Jetzt sitze ich in dem erwähnten Bus nach Hanoi. Die Grenze und damit China liegen hinter mir. Morgen, am 30. 10., treffe ich Wolfgang, meinen nächsten Reisepartner, der sich gerade noch auf dem Weg nach Vietnam befindet. Gemeinsam werden wir Vietnam, Kambodscha und Singapur bereisen und ja – ich werde wohl zum ersten Mal auf meiner Reise fliegen.

Der Süden Chinas – es wird wieder wärmer!

Gerade sitze ich im Zug nach Hefei und habe laute Musik auf den Ohren. Die Dame hinter mir isst nämlich so geräuschvoll, dass es mir beim Zuhören sonst ein bisschen schlecht wird…

Dabei habe ich mich bisher finde ich ganz gut geschlagen und den Anblick von Tierherzen, Tierleber und sonstigen zum Verkauf angebotenen toten und untoten Tieren und Tierbestandteilen ausgehalten. Eine kleine Auswahl, was man in China so isst: Schildkröten, Frösche (Bullfrogs), sämtliche Teile von Geflügeln inklusive Entenhirn, das man selbst aus dem Schädel pulen darf, Entenfüße, fermentierte Eier („tausendjährige Eier“) und natürlich alle Sorten von fermentierten Tofu (wobei der Tofu wenigstens vegetarisch ist). Hier würde ich gerne der Fantasie freien Lauf lassen und füge deshalb keine Bilder an…

Tatsächlich sind Simon und ich in den letzten Wochen ganz gut und ohne größere Fauxpas durch dieses Angebot an Essbarem gekommen. Einmal hatten wir versehentlich fermentierten Tofu bestellt und immer wieder haben wir „chopped Chicken“ – also Hühnchen mit Knochen (und einmal auch mit nem kompletten Kopf) erwischt und mussten kiefen.

Mehr über chinesische Lebensmittel und Zutaten durften wir außerdem in Chengdu bei einer Market-Tour mit anschließendem Kochkurs lernen. Hier mal ein paar Bilder.

Außerdem haben wir in Chengdu ein paar überzeugte Vegetarier besucht: Wir waren in der Giant Panda Breeding Reserve. Hier werden seit ca. 1975 Pandas gezüchtet, herangezogen und gehalten. Dies wurde notwendig, um dem sukzessiven Aussterben der bedrohten Tierart etwas entgegen setzen zu können – wobei die Population in der Breeding Base derzeit noch zu gering ist, um sowas wie Auswilderungsversuche zu starten.

Pandas pflanzen sich normalerweise sehr langsam fort: Die Weibchen sind nur wenige Tage im Jahr überhaupt fruchtbar. Wenn Sie schwanger werden und gebähren, gebähren sie meist Zwillinge, von denen aber in freier Wildbahn meist eines wieder verstoßen wird.

Bedenkt man das und die Tatsache, dass die natürlichen Lebensräume der Pandas immer mehr durch die immense Bautätigkeit (nicht nur in China) reduziert werden, ist klar, warum diese Tierart vom Aussterben bedroht ist.

Jetzt aber mal ein paar Panda-Fotos

Nach Chengdu ging es für uns weiter nach Guilin. Während es für uns in Chengdu bei ca. 20°C schon angenehm warm war (in Langmusi hatten wir ja teilweise unter 0°C), wurde es dann dort mit ca. 30°C nochmal richtig sommerlich!

Die Gegend um Chengdu ist für ihre Karstlandschaft bekannt, durch die sich verschiedene Flüsse (am bekanntesten der Li River) schlängeln. Außerdem gibt es in Gulin vier Seen, die ziemlich schön mit Uferpromenaden angelegt sind.

Während unserer Zeit in Guilin haben wir eine nächtliche Bootstour durch diese Seen sowie einen Ausflug ins nahe gelegene Yangshou und dort eine Fahrradtour gemacht.

Außerdem haben wir von Guilin aus auch einen Ausflug zu den Longji Reisterassen gemacht. Dabei handelt es sich quasi um eine Ansammlung von Dörfern, um die herum auf (sehr malerischen) Terassen Reis angebaut wird. Von A nach B kommt man dort am besten zu Fuß und auch unser Hostel war nur über einen 40-minütigen Fußmarsch zu erreichen. Also haben wir unsere großen Rucksäcke in Guilin gelassen und sind mit kleinem Gepäck los gezogen.

Die Landschaft war einfach faszinierend. Hier mal ein paar Eindrücke

Die Reisterassen sind scheinbar eine ziemliche Attraktion in China und so war auch nach der „Golden Week“ ziemlich viel los. An allen markanten Stellen standen Chinesen und machten Fotos (vorzugsweise Selfies). Wir wurden oft gefragt, ob wir ein Bild mit jemandem machen wollen. Allerdings ist es uns auch immer wieder gelungen, den Menschen zu entfliehen- so zum Beispiel bei einer längeren Wanderung zwischen den beiden Dörfern Dazhai und Ping An.

Die schöne/ faszinierende Landschaft und das angenehme Wetter haben mir sehr gut gefallen und insgesamt habe ich mich sehr wohl gefühlt – vielleicht auch weil mich diese Landschaft implizit ein bisschen an die Weinberge daheim erinnert hat ;)?!

Ob „Fremde“ wohl beim Anblick der stark flurbereinigten Landschaft eine ähnliche Faszination erleben, wie wir bei den Reisterassen? Ich denke schon – und werde versuchen, diese tolle Lanschaft (die ja meine Heimat ist) zukünftig mit noch etwas anderen Augen zu sehen.

Ein bisschen „gestärkt“ von dem tollen Wetter und den schönen Landschaften (Natur!) fahren wir nun nach Hefei. Simon wohnt dort und muss am Montag wieder arbeiten. Wir lassen unsere gemeinsame Reise dort gemeinsam ausklingen und ich fahre dann Morgen (am Sonntag, 14. 10.) gleich weiter nach Shanghai, wo mich meine erste Couchsurfing-Gastgeberin erwartet.

Angekommen in China

In der Nacht vom 20. auf den 21. September (nach genau einem Monat unterwegs) bin ich nach China eingereist und bin nun schon seit fast zwei Wochen in China.

In der Zeit habe ich mit Simon, den ich in Xi’an getroffen habe, ein paar sehr unterschiedliche Seiten des Landes kennen gelernt.

Mein erster Stopp (noch alleine) war Datong. Dort wollte ich mir, wie erwähnt, eigentlich ein hängendes Kloster ansehen. Da das aber geschlossen hatte, gönnte ich mir erst mal ein bisschen Ruhe. Die Einreise war relativ anstrengend, weil ich zweimal über 4 Stunden am Bahnhof warten musste.

Das erste Mal wartete ich mitten in der Nacht nach der Einreise, die diesmal über einen Schalter statt fand, am Bahnhof von Erlian zusammen mit hunderten anderen Reisenden (Touristen wie ich), die mit mir im Zug nach Peking saßen. Diese Wartezeit war der „Umspurung“ des Zuges geschuldet: Die Schienenbreite in der ehem. Sowjetunion ist eine andere als die in China (bzw. soweit ich weiß dem Rest der Welt). Das heißt, der gesamten Zug mit dem bestimmt 15 oder mehr Waggons musste an die neue Breite angepasst werden. Dafür mussten die Passagiere raus und es durfte auch niemand zuschauen.

Also saß ich da und wartete…

Lustigerweise hatte ich unterwegs ein paar andere Gruppen (u.a. drei Frauen aus England) kennen gelernt, die ich immer wieder am oder im Zug traf. Das machte das Warten dann weniger langweilig.

Die Passagiere, die bis nach Peking fuhren hatten nach der Weiterfahrt bis ca. 15 Uhr Zeit, sich auszuschlafen – aber ich hatte mich dazu entschlossen, den Zug schon in Jining in der Inneren Mongolei zu verlassen. Um 6 Uhr morgens nach 4 Stunden Schlaf oder so. Die Weiterfahrt nach Datong sollte gegen 11 erfolgen. Ich hatte mir vorgestellt, dass ich am Bahnhof evtl. einen Kaffee und irgendwelches Gebäck bekommen könnte – aber das war nicht so einfach. Und so wartete ich, mega müde, über 4 zähe Stunden und verschlang dabei meinen gesamtem restlichen Proviant (viel zu viel Snickers und noch dazu Ersnussbutterbrot 😉 ). Nach einer Überdosis an Ernussbutter lernte ich erfreulicherweise ein Paar aus den Niederlanden kennen, die auch nach Datong wollten. So hatte ich wenigstens etwas Unterhaltung…

In Datong machte ich wie gesagt erstmal nen ruhigen. Am nächsten Tag schaute ich mir noch den Huayan Tempel in der „Altstadt“ an.

Wobei das Wort Altstadt hier nicht wirklich zutrifft: Wie das in vielen chinesischen Städten der Fall ist, wurde die gesamte Altstadt abgerissen und wieder „wie alt“ aufgebaut. Da in der Region, wie eben in vielen anderen Regionen auch, früher intensiv Kohle abgebaut/verarbeitet wurde, ohne darauf auf die Umwelt zu achten, war die ursprüngliche Altstadt komplett mit Kohlestaub überzogen und nicht mehr ansehnlich. Und anstatt zu renovieren wurde eben abgerissen und wieder neu gebaut. „Illogical for sure, but this is China.“ schreibt dazu der Lonely Planet. Christoph Rehage dessen Buch „The longest way“ ich gerade lese (übrigens sehr empfehlenswert!), kommentiert das mangelnde Umweltbewusstsein und die „blinde Bauwut“ der Chinesen mit ähnlichem Unverständnis.

Jetzt aber trotzdem mal ein paar Bilder von der „Altstadt“ und dem Tempel:

Nach einem guten Tag in Datong ging’s für mich dann auch schon wieder weiter: Mit dem Nachtzug nach Xi’an.

Dort traf ich mich dann mit Simon und wir schauten uns erstmal die Stadt, und insbesondere die Stadtmauer an. Die Stadtmauer ist eine der wenigen vollständig erhaltenen in China. Sie wurde 1370 in der Ming Dynastie gebaut – wobei die Mauer natürlich zwischenzeitlich renoviert und teilweise wieder aufgebaut wurde.

Am Abend gingen wir dann noch ins Muslim Quarter. Als ehemaliger Endpunkt der Seidenstraße ist Xi’an ein Schmelztiegel der Kulturen und Religionen und hat auch eine große muslimische Bevölkerung. Früher war das muslimische Viertel wohl auch bekannt für die dort verkauften kulinarischen Spezialitäten. Mittlerweile ist es wohl eher ein bisschen in Richtung einer Streetfood-Fress-Meile mutiert. So war zumindest unser Eindruck, als wir uns zwischen den verschiedenen Ständen durchprobiert haben.

In Xi’an (bzw. eigentlich ein paar km entfernt von der Stadt) hatten wir am nächsten Tag noch DIE Sehenswürdigkeit vor uns: Die Terakotta Armee.

Vor über 2000 Jahren wurde diese Armee für Qin Shi Huang, den ersten Herrschers der China vereint hat, gebaut. Qin Shi Huang erwartete wohl, dass seine Herrschaft im Jenseits weitergeht und lies sich deshalb eine massive Armee aus Terakottafiguren bauen und sie quasi im Untergrund verstecken. Das tragische daran war, dass er die Arbeiter, die die Figuren machten gleich mit begraben lies (vermutlich weil niemand wissen sollte, wo sich diese Armee befindet). Die Arbeiter hinterließen aber ihre Spuren: Sie gaben den Figuren ihre Gesichter und auf manchen Figuren sind auch Signaturen der Arbeiter zu finden. So ist jede Figur ein Unikat. Entdeckt wurde die Armee übrigens erst 1974 eher zufällig von einem Bauern. Die meisten der Figuren würden im Laufe der Zeit zerstört, da quasi die Decke über den versteckten Räumlichkeiten einstürzte. Der Großteil der Figuren musd somit noch ausgegrabenen und wieder zusammen gebaut werden. Das kann noch bis zu 70 Jahren dauern. Also könnte ich quasi zu meinem 100. Geburtstag wieder nach Xi’an gehen und mir die vollständige Armee anschauen 😉

Während unserer Zeit in Xi’an besuchen Simon und ich außerdem noch das Tang Dinasty Theater, wo traditionelle Musik und Tänze aus der Tang Dynastie aufgeführt wurden.

Außerdem ließen wir uns zu einer traditionellen chinesischen Massage hinreißen. Für mich einmal und nie wieder: 60 Minuten lang wurden wir „malträtiert“ und ich musste mehrmals die Zähne zusammen beißen…

Nach Xi’an stand für uns ein Ausflug in die ehemals tibetische Region Amdo auf dem Plan. Einerseits hofften wir hier den Horden der „Golden Week“- Touristen zu entfliehen (in der ersten Woche im Oktober hat ganz China frei und ist unterwegs), andererseits war es eine willkommene Abwechslung zu den großen Städten.

Die ganze Region, die wir besucht haben war sehr hoch (ca. 3.000m und teilweise höher) gelegen und die Landschaften muteten schon vom Bus- Fenster aus leicht alpin an.

Zunächst waren wir für zwei Tage in Xiahe (Region Gansu), einer kleinen Stadt mit in etwa 65% tibetischer Bevölkerung. Xiahe ist insbesondere bekannt für das Labrang Kloster, in dem auch Heute noch 2.000 Mönche leben. Im Höhepunkt, vor der chinesischen Kulturrevulution, waren es fast 4.000 Mönche. (Kulturrevulution bitte googeln, das zu erklären wäre zu umfangreich. Ganz knapp erklärt, hat der Machthaber Mao in seinen letzten „Atemzügen“ im Amt, ca. um 1966, erklärt „Weg mit allem Altem!“, da er ein „Abrutschen in den Kapitalismus“ befürchtete. Die Kulturrevulution führte zu einer Zerstörung von Kulturschätzen, Vertreibung und Flucht von Intellektuellen, Zerstörung von Klöstern und vielem mehr.)

Die Klosteranlage des Labrang Kloster umfasst unter anderem eine 3 km lange Kora (Pilgerweg) mit Gebetsmühlen. Hier sind zu jeder Tageszeit Gläubige (nicht nur Mönche) zu treffen, die den Weg hinter sich bringen. Aber nicht nur das: Viele Gläubige praktizieren auch eine Art religiöse „Niederwerfung“ die fast so wirkt wie ein Ganzkörperworkout.

Wir haben natürlich das Kloster besichtigt und auch einmal den Pilgerweg absolviert. Außerdem haben wir kleinere Wanderungen in der Gegend um Xiahe gemacht.

Nach Xiahe ging es für uns weiter nach Langmusi, einer kleinen Stadt an der Grenze zwischen den Staaten Gansu und Sichuan. Auch Langmusi liegt im Gebiet Amdo und hat einen hohen Anteil tibetischer Bevölkerung. Außerdem ist es bekannt für die Trekking und Horse-Trekking Möglichkeiten, die es zu bieten hat.

An unseren ersten beiden Tagen machten wir mehrere Wanderungen um Langmusi herum. Ein Highlight hierbei war eine Begegnung mit Mönchen, auf einem „roten Fels“ über der Stadt. Als einer der Mönche sah, dass ich eine Kamera dabei hatte, startete er spontan ein Fotoshooting – mit sich als Model ;).

Bei einer weiteren Wanderung, diesmal durch ein ziemlich malerisches enges Tal, wurden wir von einer Gruppe Tibetern zum Tee eingeladen. Sie hätten uns wohl auch noch zu einer Nudelsuppe eingeladen, aber wir wollten die Gastfreundschaft (und unsere Mägen) nicht so sehr strapazieren.

Ein weiteres Highlight für mich war, dass ich zum ersten Mal einen Hot Pot probiert habe. In der Mitte des Topfes befinden sich heiße Kohlen und außen am Rand ein Sud in dem alle möglichen Leckerbissen schwimmen (Pilze, Kartoffeln, Rüben, Kohl, Tofuwürfel, Fleisch, Nudeln, Fleischbällchen…). Gegessen wird das ganze mit verschiedenen Soßen/ Dips.

Nach den zwei etwas ruhigeren Tagen in Langmusi ging es dann (auch) für uns auf einen 3-tägigen Horse-Trek. Während des Treks war es geplant, dass wir bei einer traditionellen Nomadenfamilie (mit im Zelt) schlafen und etwas von ihrem Leben mitbekommen. Die Anregung dafür, sowas zu machen habe ich von einem Blog bekommen. Hier wird ziemlich genau beschrieben, wie der Trek abläuft und wie das tägliche Leben der Nomaden aussieht (gibt auch ein echt tolles Video – da unbedingt mal drauf klicken!):

Auf´s Pferd gekommen- Pferdetrekking in Langmusi

Bei uns (außer Simon und mir noch ein US – Tschechisches Paar, das in Beijing lebt) war es ähnlich geplant – nur leider pfuschte uns am ersten Tag das Wetter ein bisschen rein: von anfänglichen schätzungsweise +5°C änderte sich das Wetter auf gut unter 0°C und starken Schneefall. Unser Guide machte schon länger Mittagspause mit uns – in der Hoffnung, dass das Wetter vielleicht besser wird. Aber es half alles nichts und so ging es in Ponchos gehüllt wieder aufs Pferd- für ein paar der kältesten Stunden meines Lebens… Es war wunderschönen und ich fühlte mich wie mitten in einem Fantasy- Film (oder vielleicht GOT 😉 ). Aber es war eben auch total kalt. Der Schnee wurde uns ins Gesicht und teilweise unter den Poncho geblasen, das schlimmste waren aber die Füße, weil der Schnee direkt darauf liegen geblieben ist.

Nach gut zwei Stunden (gefühlt wie vier Stunden) kamen wir bei unserer Unterkunft (dem Nomadenzelt) an und uns war nur noch nach Wärme… Wir kauerten um den Ofen, der nur mit Yak-Dung beheizt wird und versuchten irgendwie wieder warm und trocken zu werden. Selbst unserem Guide war es zu kalt. An ein „Mithelfen“ im Alltag, war für uns erstmal nicht zu denken – zumal dieser Alltag durch das Wetter ganz schön durcheinander gewürfelt wurde.

Aber es wurde besser. Am nächsten Tag blieben wir ziemlich lange im Zelt bis der Schnee zu schmelzen begann und konnten dann einen „Austritt“ zu dem Berg, der das eigentliche Tagesziel war, machen.

Abends konnten wir der Frau des Hauses beim Wasser holen helfen und sahen dabei zu wie die Fans eingetrieben und angeleint wurden.

Am letzten Tag war das Wetter am besten und wir konnten bei Sonnenschein zurück nach Langmusi reiten.

Insgesamt konnten wir in den 2 1/2 Tagen dann doch einiges vom Leben der Nomaden mitbekommen. Es ist besonders die Frau, die die Arbeit macht und sich um die Tiere kümmert, diese melkt und den Dung trocknet (das war bei uns so und ist wohl auch die Regel). Dafür steht sie frühmorgens auf und ihr Arbeitstag dauert bis nach Sonnenuntergang alle Tiere wieder zurück am Zelt sind und Abendessen gekocht ist.

Anders als bei der Tour durch die Mongolei lebten wir wirklich zusammen mit dem Ehepaar in deren Zelt und bekamen so alles hautnah mit (unser Guide war übrigens der Herr des Hauses, die Kinder sind ausgezogen, um zu studieren). Auch essenstechnisch würde für uns keine große „Extrawurst“ gemacht. Zu essen gab es hauptsächlich Gerichte, die auf viel Gemüse, viel zu viel Öl und vielleicht einem kleinen bisschen Dörrfleisch bestanden. Als Beilage gab es oft Fladenbrot. Da es in den Zelten keine Kühlmöglichkeit gibt und auch nicht jeden Tag jemand einkaufen kann, gibt es keine Lebensmittel, die einer Kühlung bedürfen (z.B. Fleisch). Simon und ich haben auch vermutet, dass Fleisch vielleicht einfach auch zu teuer ist.

Es ist ein sehr einfaches und auch mega tristes Leben, das wir miterleben durften, und wir freuen uns, dass wir nach diesem kurzen Einblick zurück kehren können zu fließend Wasser, Strom aus der Steckdose und beheizten Räumen.

Apropos beheizt: so richtig beheizt waren die Schlafräume in den Hostels in Amdo nicht. Dafür war jedes Bett mit einer Heizdecke ausgestattet, so war es unter der Decke schön warm, wenn man abet das Bett verlassen hat: brrrr…

Gerade befinden wir uns aber schon wieder auf dem Weg zu unserem nächsten Stopp Chengdu, wo wir nach über 9 Stunden Fahrt ankommen werden. In Chengdu ist es nicht nur rund 10 Grad wärmer als zB in Langmusi, wir haben uns jetzt auch mal ein Hotel (mit Pool, Sauna und Frühstück 🙂 ) genommen. Dort können wir uns ein bisschen von den nicht gerade gemütlichen letzten Tagen erholen.

Update: Mittlerweile sind wir in Chengdu und die Fahrt hat nicht 9, sondern 13 (!) Stunden gedauert – es ist eben „Golden week“. Heute haben wir den ganzen Tag im Hotel verbracht. Mal sehen, wann wir uns hier wieder raus trauen… 😉

Moskau bis Irkutsk – ab nach Sibirien!

Am letzten Mittwoch (29.8.) bin ich in Moskau auf die „klassische“ Transib-Route gestartet. Meine erste Strecke war von Moskau nach Jekaterinburg und für ein Zeitdauer von fast 27 Stunden geplant.

Nachdem ich also mit Livia und Lukas nochmal was gegessen hatte ging’s los. Es gab bei mir übrigens kleine „Dumplings“ gefüllt nur mit Hackfleisch und einen Salat mit sehr viel Majo (gesunde Ernährung adé).

Angekommen in „meinem“ Abteil (diesmal ein 4er Abteil in der zweiten Klasse) stellten wir Mitfahrerinnen uns erstmal gegenseitig vor. Das ging auch ohne Zuhilfenahme von Google Translator- beim Rest wurde es dann schwieriger. Mit mir waren drei andere Frauen unterwegs (Ich hatte glaube ich die Möglichkeit gehabt, ein reines Frauenabteil zu buchen). Zwei waren so schätzungsweise um die 60 und die dritte war sehr jung, Anfang 20 denke ich. Mit Händen und Füßen und natürlich Google Translator erzählten wir uns wo wir hin fahren und ich erzählte, woher ich komme. Dann, kaum war der Zug losgefahren, machten sich die älteren Damen dran, Brotzeit auszupacken. Es gab Salami, Käse, Brot und Gemüse aus dem eigenen Garten bzw. der eigenen Dacha. Ich wurde – natürlich – eingeladen, mich zu bedienen! Also gab’s noch etwas Gemüse als Nachspeise auf den eh schon vollen Magen. Als Revanche bat ich (nach dem Essen) was von meinen (leider schon halb verschmolzenen) Merci-Schokoladen an.

Danach ging so alles seinen Gang: Jede machte ihr Bett und chillte/schlief/las oder schaute nur aus dem Fenster.

Ich hatte für alle meine Fahrten bisher eines der beiden unteren Betten gewählt. Das hat einige Vorteile ist aber auch teurer.

Das schöne am Zug fahren ist, dass man sich quasi frei im Zug bewegen kann. Man kann in den Gang laufen, um von dort aus dem Fenster zu schauen, zum Samowar laufen, um sich warmes Wasser zu holen, aufs Klo oder in den Speisewagen gehen.

Video vom Gang eines Zuges aus.

Samowar

Foto aus dem Fenster (hinten sieht man noch den „Schwanz“ des Zuges)

Sonnenuntergang (vom Abteilfenster aus fotografiert)

Mit Ausnahme der Toiletten, die ziemlich (schnell) eklig sind, ist alles im Zug verhältnismäßig sauber und der jeweilige Zugbegleiter schaut darauf, dass das so bleibt, indem er oder sie zB immer mal den Gang wischt oder die Teppiche in den Abteilen saugt.

Wie schon erwähnt, ist der Samowar einer der zentralen „Punkte“ im Abteil. Hier kann man sich Wasser für Tee oder diverse Fertigprodukte holen. Und nach allem was ich mitbekommen habe, sind die Russen große Fans von 5-Minuten-Terrine und Co.

Mein Essen

Die meisten haben selbst Becher/Tassen für Tee dabei. Aber wer nichts dabei hat (oder den Becher gerade nicht findet, wie ich 😉 ), kann sich so ein hübsches Glas ausleihen. Mir wurde aber auch schon ein neues, unbenutztes Glas als Souvenir angeboten – und würde ich nicht so lange reisen hätte ich wohl tatsächlich eines gekauft, weil ich finde, es ist eine schöne Erinnerung.

Zurück zur Fahrt nach Jekaterinburg: Auf dieser Fahrt nahm mich die Dame mir gegenüber (Ich glaube, sie hieß Tanja) ein bisschen unter ihre Fittiche. Beim ersten längeren Halt nahm sie mich mit raus, um draußen ein bisschen auf dem Bahnsteig hin und her zu laufen. Das ist so Standard. Bei Stops von 20 Minuten und mehr gehen viele kurz raus, um sich die Füße zu vertreten. Auf den Bahnsteigen gibt es Kioske oder es stehen „Anwohner“ oder, die, quasi mit einem Bauchladen, verschiedenes verkaufen: Obst, Gemüse, Backwaren, aber auch Schmuck oder Teeservice.

Bahnsteig mit Kiosk

Ich kaufte mir einmal Blaubeeren.

Im Zug hängt der Fahrplan mit den Stops und (ganz wichtig!) mit den Zeitzonen aus.

Und ich bin wirklich erstaunt, wie pünktlich die Züge immer an den einzelnen Stationen ankamen und auch wieder abfuhren. Ich vermute, das ist darauf zurück zu führen, dass hier genug (Puffer-)Zeit mit eingeplant ist. Es gibt regelmäßig längere Zwischenhalte, bei denen der Zug kontrolliert wird und diese Zwischenhalte sind natürlich auch Puffer, wenn ein Zug doch mal 5 Minuten Verspätung hat.

Nach ein paar Stunden im Zug habe ich mich bisher immer an den „etwas langsameren“ Gang gewöhnt und bin ein bisschen runter gekommen. Ich habe es genossen, einfach nur aus dem Fenster zu schauen oder einfach mal tagsüber ein paar Stunden zu schlafen.

Schlaf ist ein gutes Stichwort: In den Abteilen der zweiten Klasse habe ich bisher immer mega gut geschlafen! Das liegt denke ich, daran, dass man die Türe zum Abteil zu machen und das Licht auch vollständig aus machen kann. Und dann ist Ruhe!

Nach meiner ersten Fahrt kam ich, wie geplant, am nächsten Tag super pünktlich in Jekaterinburg an.

Die Stadt ist unter anderem dafür bekannt, dass hier 1917 die letzte Zarenfamilie (die Romanows) brutal von den Bolschwiki ermordet wurde. Außerdem kommt der erste frei gewählte President Russlands, Boris Jelzin, aus der Region. Jelzin ist sowas wie der Regionalheld und ihm ist ein modernes Zentrum (mit Geschäften, Co-Working-Spaces, Kaffees und sogar einem Museum) gewidmet.

Jelzin-Zentrum

Mir ist die Stadt als eine moderne und überraschend bunte Stadt aufgefallen.

Hier ein paar Eindrücke

Geografisch liegt Jekaterinburg zudem schon in Asien – auch wenn sich das für mich nicht so anfühlte. 😉

Mein nächster Halt entlang der Transsib-Route war am 2. und 3. September Krasnoyarsk. Und damit eine Stadt mitten in Sibirien.

An meinem ersten Tag dort machte ich eher einen ruhigen (war ja eh Sonntag) und schloss mich den Russen an, die in einem auf einer zum Park deklarierten Insel des Flusses Jenissej ihre Freizeit verbrachten. Mit Rad oder Inlineskates fahren, joggen oder ähnlichem…

Ich für meinen Teil lieh mir für eine Stunde ein Rad aus und fuhr damit ein bisschen durch die Gegend.

Danach holte ich mir an einem „Kaffee-Bus“ einen Kaffee und spazierte entlang des Flusses Richtung Stadt.

Der zweite Tag in Krasnoyarsk (Montag, 3.9.) wurde aber um einiges anstrengender. Ich hatte gemeinsam mit einem Belgier, Kobe, eine geführte Tour durch den Stolby-Nationalpark. Unser Führer Anatoliy führte uns 25 km durch den sibirischen Wald und erklärte uns einiges über die Tiere und Pflanzen dort. Charakteristisch für den Nationalpark sind die Felsformationen, die immer wieder aus dem Boden ragen – und an denen man auch Klettern kann ;)!

Ein bisschen „versuchten“ wir uns auch an der Kraxelei und kletterten (ungesichert) auf ein paar einfache Felsen.

Mittlerweile bin ich aber schon nicht mehr in Krasnoyarsk. Seit Dienstag, dem 4. September bin ich in Irkutsk in der Nähe des Baikalsees. Bis zum 12. September bleibe ich hier am Baikalsee – bevor es dann weiter geht in Richtung Mongolei.

Hier einfach schon mal ein paar Fotos aus Irkutsk:

Wie man vielleicht sehen kann ist das Wetter hier nicht gerade ideal. Am 5. 9. habe ich bei 8 Grad und Regenwetter eine Stadttour gemacht – und es gibt in der Tat schöneres…

Die erste Zugreise nach Russland – goodbye EU

Beim letzten Blogeintrag war ich noch in Riga, Lettland. Der EU. Ich konnte mit Euro zahlen, hatte EU-Roaming, brauchte nur den Perso…

Das hat sich in der Nacht vom 23. auf den 24. August schlagartig geändert. Am letzten Donnerstag (23.8.) bin ich gegen Abend in Riga in den Zug nach St. Petersburg gestiegen. Ich hatte für diese „kurze“ Strecke (16 Stunden) einen Platz in der dritten Klasse gebucht – so zum ausprobieren. Außerdem sind grenzüberschreitende Züge immer recht teuer und mit der Fahrt in der dritten Klasse konnte ich ein bisschen sparen. 😉

Ich bin in Indien auch schon mit der dritten Klasse gefahren und muss sagen: Das ist überhaupt kein Vergleich! In Russland kann man schon mal mit der dritten Klasse fahren. Es gibt offene Anteile mit zweistöckigen Betten längs und quer zur Fahrtrichtung. Ich hatte ein Bett unten quer zur Fahrtrichtung und konnte meinen Rucksack unter mir verstauen. Solange ich also saß oder lag konnte niemand an meinen Rucksack kommen. Die darin verstauten Sachen waren also safe.

Selbst in der dritten Klasse kriegt man übrigens eine Art „Matratze“, Bettzeug, Bettwäsche und sogar ein kleines Handtuch gestellt.

Ich kam ziemlich planlos daher und war irgendwie nicht darauf eingestellt, dass mit Betreten des Zuges quasi „Russland beginnt“. Also natürlich nicht wirklich, aber da es ein russischer Zug (mit Ziel St. Petersburg)war, war das Personal sowie auch die anderen Insassen russisch. Englisch Adé… Die Zugbegleiterin war aber total nett und brachte mich persönlich zu meinem Platz und schaute immer mal wieder nach mir.

Inbegriffen im Preis war scheinbar auch ein russischer schwarzer Tee in dem schönen traditionellen Glas.

Wenn man noch mehr Tee möchte, kann man sich vom sogenannten „Samowar“ heißes Wasser holen. Das ist typisch für Russische Züge. (Ich werd irgendwann mal ein Bild posten)

So ein russischer Fernzug ist nicht mit so nem deutschen ICE vergleichbar und schon gar nicht mit den RBs, die durch Thüngersheim fahren. Der Zug ist lang!!! Ich glaube 20 Wagons (Russisch вагон ;)) sind „normal“. Jeder Wagon hat einen eigenen Zugbegleiter. Er oder sie hat die Aufgabe, Bettwäsche auszuteilen und wieder einzusammeln, Tee zu servieren (wenn es Tee gibt) und auch sonst nach dem Rechten zu sehen. Beispielsweise werden teilweise (in den unteren Klassen meistens) die Klos mindestens 10 Minuten vor den Ortschaften abgesperrt. Die „Abflüsse“ enden da nämlich einfach auf den Gleisen – und das ist außerhalb der Ortschaften okay, aber im Ort…naja…eklig… (Fun fact: In Indien könnte man sich dieses „Absperren“ finde ich mal anschauen. Dort baut man nur auf die „Disziplin“ der Fahrgäste, in den Ortschaften das Klo nicht zu nutzen – mit mäßigem Erfolg…)

Als der Zug in Riga los fuhr war mein Abteil eher spärlich besetzt und es war recht ruhig alles. Gut für mich, um mich mal so an dieses Zugfahren zu gewöhnen und mich auf Russland einzustellen.

Es wurde übrigens (wie im Flugzeug auch) ein „Einreisezettel“ ausgeteilt, den man schon mal ausfüllen sollte. Außerdem wurde eine Liste herum gegeben, in der man angeben sollte, ob man etwas zu verzollen hat.

Was macht man so beim Zug fahren? Lesen, Reisetagebuch und Blog schreiben und viel aus dem Fenster schauen (solange es noch hell ist). Draußen vor den Fenstern zogen die Felder und Wälder Lettlands vorbei.

Irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr machte ich mir dann mein Bett und legte mich schon mal zum dösen hin.

Lang schlafen konnte ich aber nicht: Gegen halb 12 erreichten wir scheinbar die Grenze. Jedenfalls wurde der Zug angehalten (vorher natürlich die Klos verschlossen ;)) und es kamen zwei Grenzbeamten in dem Wagon. Sie kontrollieren Pass, Visum und hatten so eine Art „Scanner“ dabei, mit dem sie den Pass einlasen. Nachdem sie weg waren musste ich erstmal mit leichtem Bestürzen feststellen, dass ich keinen Stempel bekommen hatte.

Oh Nein! Die Route über Riga hatte ich extra gewählt, um eben einen Stempel in den Pass zu kriegen und nicht „illegal“ in Russland zu sein. Naja, das musste ich dann halt in St. Petersburg klären – dachte ich. Und legte mich wieder hin.

Ich hatte mich aber geirrt: dieses Pass scannen war nur einer von vier Schritten bei der Grenzkontrolle. Nach ca. 20 Minuten kam eine Frau, die das Gepäck kontrollierte. Dann kam nach weiteren 20 Minuten ein Mann, der die nicht besetzten Betten kontrollierte und zu guter letzt (natürlich wieder 20 Minuten später 😉 und der Zug stand natürlich die ganze Zeit über!) kam eine Dame von der Grenzkontrolle mit dem (heißbegehrten!) Stempel!

Wer jetzt aber denkt, die Dame hätte mir mit einem netten Lächeln den Einreisestempel in den Pass gedrückt, der irrt sich. Sie blätterte den Pass durch, schaute sich alle Bilder an (das Indische und das Russische Visum haben je ein Bild) und schien mir nicht zu glauben, dass ich ich bin. Blöd. Sie holte sich dann eine Kollegin dazu. Dann blätterten beide gemeinsam im Pass und musterten mich dabei von oben bis unten. Irgendwie kamen sie dann zu dem Schluss, dass das scho ich sein könnte. 😉 Und so war ich nach Russland eingereist. Puh! Mit dem Flugzeug wäre es stressfreier gewesen – aber dann hätte ih auch nichts zu erzählen…

Ich persönlich fand das ganze Prodzedere übrigens gar nicht mal sooo nervenaufreibend, weil ich (wie auch schon im Nachtbus nach Riga) einfach nur verdammt müde und schlaftrunken war. Ich bin sehr gespannt, zu welcher Tageszeit die nächsten Grenzkontrollen stattfinden – bevorzugen würde ich aber tatsächlich tagsüber 😉

Nach der Grenzkontrolle dachte ich, ich könnte nun endlich im Ruhe schlafen. Aber ich lag falsch: Der Grenzpunkt war auch eine Haltestelle (auf russischer Seite). Und so strömten nach der Kontrolle die Passagiere in den Zug, machten ihre Betten usw.. Der Zug wurde richtig belebt.

In Russland gab es dann aber nach der Grenze noch weitere Halte. Der Zug hielt so bis ca. halb 4 regelmäßig und immer wieder strömten Menschen in den Zug – bis der Wagon richtig voll war!

Und da erkannte ich auch schon den großen Nachteil an den Zügen in der dritten Klasse: Dadurch, dass man ja kein Abteil zu machen kann, kriegt man das alles mit. Zudem ist das Licht so gut immer in einer Art „Schummerbeleuchtung“ angeschaltet.
Für mich war es okay: Ich war müde genug, um ein bisschen unruhigen Schlaf zu finden. Aber ich brauche es glaube ich zukünftig nicht unbedingt nochmal… 😉

Der Rest der Zugfahrt verlief relativ unspektakulär. Gegen halb 10 kam der Zug in St. Petersburg an und ich machte mich auf die Suche nach einem ATM, einem Geschäft für eine SIM-Karte und natürlich dem Hostel. Dann war ich ready, die Stadt zu erkunden.

Kleiner Nachtrag: übrigens vertragen sich Worlpress und Russland nicht. Ich muss jetzt über VPN posten…